5 Gefallene Söhne aus einer Familie

Im 1. Weltkrieg sind aus Reuthe 82 Soldaten eingerückt (7 Winkel-Brüder vom Hof), 20 davon sind gefallen. 5 der Gefallenen waren Söhne der Familie Anna Katharina und Anton Winkel vom Gasthaus Adler im Hof 2:

Lorenz Winkel: geb. 18.6.1886 - gest. 8.11.1914
Pius Winkel: geb. 5.5.1894 - gest. 2.5.1915
Anton Winkel: geb. 10.2.1896 - gest. 20.5.1916

Alois Winkel: geb. 3.2.1893 - vermisst 10.8.1916
Hermann Winkel: geb. 23.1.1899

Im Laufe der nächsten Jahre werden hier nach und nach chronologisch Briefe und Feldpostkarten bzw. die Briefe, die sie vor 100 Jahren bekommen haben und noch erhalten sind, veröffentlicht.

"Der Bregenzerwald im 1. Weltkrieg" - Bregenzerwald-Archiv

21.4.1914 - Anton Winkel an die Eltern und Geschwister in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister

 

Endlich finde ich Zeit Euch einmal zu schreiben,  konnte bisher keine Adresse schreiben. Da ich nicht wusste wo ich hingehörte, sind nämlich von einer Kaserne in die andere gekommen. Jetzt sind wir in dem gleichen Haus wo Pius und Wiese waren, es sind zirka 250 Mann hier, halt eine Kompanie.

Will Euch einmal berichten wie’s beim Militär zugeht: Morgens halb 5 Uhr heißt es auf es kommt die Tagwache ins Zimmer und ruft Guten Morgen meine Herrn alles gesund niemand marod, auf. Dann springt alles auf nachher heißt’s anziehen waschen u Bajon aufmachen, Decken zusammen legen u.s.w. nachher Kaffee holen und 6 Uhr heißt’s ausrücken.
Dann müssen wir exerzieren bis 11 Uhr, nachher geht’s heim, nun ins Zimmer Bürsten holen dann wieder in den Hof und Schuhe und Kleider putzen. Nun kommt das wichtigste nämlich Menage holen, da gibt’s Suppe, Fleisch und Gemüse, wie Bohnen, Reis, Hörnle und Kartoffelsalat. Wenn das vorüber ist Rast bis halb 2 Uhr, dann wieder ausrücken bis 5 Uhr, nachher ½ bis 1 Stunde Schule, 6 Uhr Menage holen. Bis jetzt haben wir abends nur Kaffee kriagt, erst heute auch Käsnudeln. 9 Uhr muß alles auf dem Strohsack sein, so geht’s alle Tage. Heute hatte ich Zimmer Tour bei 90 Mann, aber Morgen kriagts ein anderer. Das wäre so ziemlich alles, Bims fassen wir alle 5 Tag 2 Wecken aus, übrig genug, er ist doch …

Heute um 7 Uhr fassen wir die Löhnung aus macht ein Tag 8 Kreuzer 6 Tage 48 kein großer Lohn. Sind noch am Sonntag in Trient angekommen, waren also 3 Tage in Innsbruck gewesen. Bin froh dass ich einen Wecken mithab denn so lange wir in Innsbruck waren bekamen wir kein Brot, musste sogar noch kaufen, bekamen doch wenig zu essen. Sind viele Bekannte bei mir z.B. Gallers Tonnser, Koradles Alfred, Andreslesar Ellobogo, dann noch Andelsbucher und Schwarzenberger.

Hab meine Schuhe an, man sagte sie würden bezahlt, die Kleider mussten alle ins Magazin tun. Nun muß ich schließen denn es ist bald Vergatterung, nämlich zur Löhnung.

Viele Grüße an Euch alle Euer Sohn und Bruder Tone

 

In Innsbruck meldete sich am 2. Tage einer marod in unserem Nachbarraum und den anderen Tag war er eine Leiche, er hatte Genickstarre.

20.5.1914 - Anton Winkel an den Vater Anton Winkel in Reuthe

Absender: Anton Winkel, 3. Reg. d. Tiroler Kaiserschützen, 1. Komp., 3. Zug, 10. Marschbattalion, Grenzschutzkommando Lenzima, Post Rovereto

An Herrn Anton Winkel, Hof-Reuthe, Post Bezau, Vorarlberg

Liebe Eltern und Geschwister

Bin jetzt nicht mehr in Trient, sind von den 3 Ersatz-Kompanien je 50 Mann die besten und dauerhaftesten fortgekommen.

Bei mir sind auch Andreslesar und Gallers Tones Jokel. Wir sind zuerst nach Rovereto gekommen und dann mussten wir noch 3 Stunden auf einen Berg wo wir jetzt beim Marschbatallion sind. Tags müssen wir Befestigungsarbeiten machen und nachts Posten stehen. Schlafen ist’s wenigste. Die Menage ist auch schmäler und kaufen kann man nichts oder nur sündenmäßig teuer. Das Wetter ist sehr schön und die Gegend auch.

Anmerkung:
Andreslesar = Josef Albert Moosbrugger, geb. 10.12.1891 in Bezau, gest. 6.12.1914 - g
efallen im 1. Weltkrieg mit 23 Jahren, wohnhaft in Bezau, Ellenbogen 204

Gallers Tones Jokel = Jakob Albrecht, geb. 27.10.1896 in Bezau, gest. 13.8.1917 - als Soldat mit knapp 21 Jahren im 1. Weltkrieg gefallen, wohnhaft Bezau, Wilbinger 213

Ohne Datum, ca. 08/1914 - Lorenz Winkel an die Eltern in Reuthe

bin gut angekommen, was mit uns geschieht wissen wir noch nicht. Leute und Pferde sind viele tausende hier.

Herzlichen Gruß von Lorenz

Trient, 7.8.1914 - Lorenz Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Am Samstag früh 6h35 fahren wir ab von hier aufs Schlachtfeld; wohin wissen wir nicht. Es war eine kolossale Arbeit soviele tausende von Leuten auszurüsten. Heute habe ich endlich meinen Zug, 72 schneidige Burschen in Ordnung. Ritters Joko Jaköble von Au ist in meinem Zug der einzige Bregenzerwälder. Sonst habe ich sehr viele Kollegen aus meiner aktiven Dienstzeit, welche direkt beim Hptm. gebeten haben, mit dem Zgsf. Winkel gehen zu dürfen, da sie wüssten, dass der auch kein Feigling sei. Mit solchen Leuten ist’s eine Freude in den Krieg zu gehen. Jeder ist begeistert und erwartet es kaum bis er einmal fortkommt. Wenn Ihr nur bald einmal schreiben würdet wie es zuhause hergeht, würde es mich sehr freuen. Ich schliesse mit vielen herzlichen Grüssen an Euch alle und verbleibe Euer dankschuldiger Sohn Lorenz.

Trient, 27.8.1914 - Lorenz Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Habe die Karte von Alois am 23. d.M. erhalten, und danke Euch herzlich für Eure Grüße. Bin noch gesund und heil. Humor ist auch sehr gut. Man würde gar nicht glauben dass man im Kriege wäre. Jeder ist so gleichmütig und gut gelaunt als ob nur ein Manöver wäre. Wetter haben wir meistens gutes, selten einmal Regen, was ein großes Glück ist für uns, denn jetzt heißts immer im Freien kampieren. Strapazen gibt’s wohl genug und dort ist man dabei nicht mißmutig. Geld brauche ich keines; man bekommt hier mit und ohne Geld nichts. Götes haben mir geschrieben, sie hätten mir am 11. d.M. ein Paket geschickt, habe es aber bisher nicht erhalten und werde es auch wahrscheinlich nicht erhalten, da der Gepäckverkehr mit der Feldpost sehr beschränkt ist. Es wäre mir sehr willkommen gewesen, da der Magen oft bedenklich knurrt. Aber wie Gott will; Haut und Knochen werde ich dann wohl wieder heimbringen. Bitte mir also nichts zu schicken, da Geld nichts nützt und Pakete nur verloren gehen. Heute früh empfingen wir die Generalabsolution. Also lebt wohl, dass wir siegen für unser bedrohtes Vaterland und gesund wieder zurückkehren zu unseren Lieben in der Heimat. Seid alle herzlich gegrüßt von Eurem dankschuldigen Sohn Lorenz Winkel.

Grüßt auch Felderles und Räzles.

Franz Josef ist auch in der Nähe. Bin schon zweimal nahe an ihm vorbeimarschiert habe ihn aber nicht gesehen nur erfragt von seinen Kollegen dass er hier ist. Auf Wiedersehn! Laßt was hören.

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3.9.1914 - Lorenz Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Zum Zeichen dass ich noch am Leben bin sende ich diese Karte. Bei uns heißts nämlich, heute rot morgen tot. Gott hat mich zwar bis her gut geschützt, doch weiss man nie, wies weiter geht. Habe schon 4 Schüsse erhalten, davon 2 leichte Verletzungen. Wir siegen Schlag auf Schlag. Lebt wohl, und seid herzlich gegrüßt von Eurem Lorenz.

Betet für mich und alle meine Kollegen.

2.10.1914 - Lorenz Winkel an die Eltern in Reuthe (letzter Brief)

Liebe Eltern!

Muss jetzt fleißig schreiben da ich diese Tage gerade Zeit habe. Wir haben nämlich ein paar Rastlager bekommen. Ich bin gesund und wohl, und hoffe auf gleiches von Euch und Geschwistern.

Sonst hats uns schon ziemlich hergenommen. Von meinem stolzen Zuge mit 72 Mann mit denen ich von Trient weg bin, habe ich noch 23, die anderen sind teils tot, verwundet und versprengt. Aber wir haben jetzt wieder Ersätze bekommen aus dem Heimatlande und so habe ich wieder 60 Mann, mit denen wir aufs neue den Kampf beginnen auf Leben und auf Tod. Auch meinen Kollegen Ritter Jakob habe ich verloren am 10.9. Er war damals noch neben mir in der Schwarmlinie, kam mit mir unverwundet zurück, und verlor dann nachträglich sein Regiment, welches er bis heute nicht erreicht hat. Wie ich aber heute von zuverlässiger Seite erfahren habe, wurde er später leicht verletzt, sei aber jetzt wieder hergestellt und in irgend einem Orte als Wärter von Gefangenen etabliert. Wäsche wäre es besser Ihr hättet uns keine geschickt, da ich sie wahrscheinlich doch nicht bekomme, und auch nicht brauche, habe mir nämlich schon solche gekauft, fasse vom Ärar noch aus und mittragen kann ich sie nicht, da wir sonst schon gepackt sind wie Lasttiere.

Also ich bitte Euch noch einmal schickt mir nichts ohne daß ich um etwas schreibe; weder Geld noch sonst etwas. Es ist ja schade um alles. Vielleicht kann ich´s zurückschicken, vielleicht muss ich alles fortwerfen.

Herzlich dankend für alles Liebe und Gute das Ihr mir erwiesen habt grüßt Euch und Geschwister aufs herzlichste

Lorenz

18.10.1914 - Lorenz Winkel an Bruder Alois Winkel

Lieber Bruder!

Habe Deine Karte vom 7.10. heute erhalten und danke Dir sehr. Bin gesund und Heil obwohl mich vor 3 Tagen eine Schrappnellkugel getroffen hat, welcher aber nur meine Kappe zum Opfer fiel, der Kopf war zu hart. Auch 2 Wälder, Hallerles Lehrer aus Mellau und Josef Übelher, Senn, aus Schnepfau habe ich an diesem Tage verwundet aus dem Gefecht getrage. Haller hat einen Fußschuß, Übelher einen Bauchschuss, an welchem er bald darauf verschied. Letzte Tage hatten wir überhaupt hitzige Gefechte. Seid alle herzlich gegrüßt von Lorenz.

Von Michelis Kaspar weiss ich nichts.

29.10.1914 - Pius und Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Endlich sind wir eingeteilt, und wissen jetzt doch wohin wir gehören. Pius u. ich sind im gleichen Zug. In unserem Zug allein sind 12 Bregenzerwälder, alle 12 schlafen nebeneinander. Gefällt uns im großen ganzen recht gut. Menage ist annehmbar. Bisher bekamen wir immer weißes Brot. Zucker ist auch im Kaffee. Seid also unbesorgt, wir hauen schon durch. Ein andermal mehr, heute keine Zeit. Adresse für Beide wie folgt:

A. Winkel Rekrut b./3ten Regiment Tiroler Kaiserjäger

3te Rekrutenabteilung

Trient Postfach No 154

Oben am Kuvert auch den Absender drauf schreiben

Trient, 1.11.1914 - Alois und Pius Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Heut an Allerheiligen habe ich grad Zeit, Euch wieder ein Brieflein zu schreiben. Heute Morgen konnten wir Rekruten gemeinsam eine Messe anhören. Es war sehr erbaulich und schön anzusehen, wie die ganze 3te Kompagnie (280 Mann) in Reih u. Glied zur Kirche marschierte, u. dort mit größter Andacht dem Messopfer bewohnte, bei dem ein Rekrut ministrierte u. ein anderer die Orgel spielte. Gesang gab’s nicht. Nun dafür kriegen wir am Abend immer genügend Ersatz. Am Abend nach Feierabend da geht immer der Teufel los. Raufen, singen, Kartenspielen, tanzen, und weiß Gott was alles schönes. Ausgehen dürfen wir noch nicht, Putzzeug haben wir alles kaufen müssen. Für die Kleider ist uns bisher ausbezahlt worden. Montur haben wir ausgefasst, aber keine Unterwäsche, ausschauen tun wir wie die Vagabunden, fliken müssen wir das uns die Ohren schlappen. Pius hat einen Rock der ihm wirklich zu eng ist, so dass er ausschaut wir ein ausgestopfter Hühnervogel. Mit der Menage kann man insoweit zufrieden sein, nur etwas zu wenig Brot fassen wir aus. Erst heute bekamen wir den ersten Bims, sonst hatten wir immer weisses Brot. Was sagt man bei Euch denn eigentlich vom Krieg gegenwärtig? Wir erfahren gar nichts. Wäre mir recht lieb, wenn Ihr mir einige Nummern v. Volksblatt senden würdet. Der Soler v. Mellau ist auch bei uns. Der ist wirklich der ärgste Gaudibruder im ganzen 2ten Zug.

Hat Lorenz u. Franz noch nicht geschrieben? Ist Tone immer noch bei Metzger? Der Sutter war auch bei uns, wurde aber heut mit noch 11 Mann zur Festungsartillerie versetzt. Unser Chargen sind alle nette Kerle. Mir ist das lernen eine Spielerei. Manch sind rechte Pappschädel, aber die lässt man extra exerzieren.

Nun schließe ich mein Schreiben in der Erwartung baldiger Nachricht, nebst Zeitungen.

Tausend Grüße von Alois u. Pius

7.11.1914 - Pius Winkel an den Vater in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Da ich heute grad Zeit habe so will ich Euch einiges mitteilen. Ich und Alois sind immer noch beisammen das uns sehr angenehm ist. Gestern haben wir Strohsäcke bekommen aber zuwenig Stroh, da ging es ans Raufen so daß einige ohne Stroh abziehen mussten. Bims?? Haben wir heute auch wieder ausgefasst, von gestern ab bekommen wir kein weißes Brot mehr, im ganzen großen kann man von der Menage nichts sagen. Unterkleider haben wir noch keine ausgefasst, nichts als eine Decke. Sonst sind wir gesund u. wohlauf was wir von Euch auch hoffen. Da es jetzt Nacht wird so muß ich mein Schreiben enden mit vielen Grüßen von Eurem dankschuldigen Sohn Pius
nebst vielen Grüßen von Alois

Eines noch schreibt mir auch etwas vom Viehstand.

Wien 12.11.1914 - Dienstzettel

K.u.k. Reservespital Schwarzenbergkaserne Wien
Filiale des Rudolfspitales

Dienstzettel
Wien, am 12.11.1914

Bezüglich Ihrer Anfrage vom 10. d.M. wird mitgeteilt, dass Ihr Sohn, Zugführer Lorenz Winkel dem hiesigen Spital am 6. d.M. als an Ruhr erkrankt übergeben wurde und am 8. d.M. um 6 Uhr abends gestorben ist.

Ihr Sohn wurde im Kriegergrab des Wiener Zentralfriedhofes beerdigt.

Empfangen Sie zu dem betroffenen schmerzlichen Verluste unser wärmstes Beileid.

Unterschrift: Walke

Herrn Anton Winkel, Reute

Trient, 12.11.1914 - Alois und Pius Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Habe eure Karte erhalten, u. vernommen, dass Lorenz gestorben sei. Gott gebe ihm die ewige Ruhe; es ist ihm gut gegangnen, wenn er gut vorbereitet war, was auch unbedingt der Fall war. Er wird im Krieg genug auszustehen gehabt haben. Also lb. Eltern! trauert nicht zu sehr über ihn, er wird seinen Gott gefunden haben. Herzl. Grüße v. Alois u. Pius

15.11.1914 - Alois und Pius Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Habe den Brief von der Mutter gestern erhalten. Wie uns der Brief sagt, seid ihr alle tief betrübt über den Tod des lb. Sohnes u. Bruders. Auch uns geht es nicht besser. Wir trauern mit Euch. Dass Euch, liebe Eltern der Verlust am meisten schmerzt, begreifen wir wohl, denn so weit von der Heimat zu sterben und noch dazu unter den grössten Schmerzen. Doch! er starb ja den Heldentod, u. er wird im Himmel seinen Frieden gefunden haben. Wir werden ihn täglich in unser Gebet einschließen.

Bekommt Ihr auch Unterstützung? Wir haben schon zweimal Löhnung bekommen, im ganzen 7.62 K. Heute wurde das ganze Reg. mit Musik in die Kirche begleitet. Das war schön. Am 7ten haben wir ein kleines Manöver. Das wird interessant werden. Wir haben letzte Woche die ganze Rüstung ausgefasst. Die Praporitäten fassten wir auch aus. Alles Mögliche war da, Bürsten, Spiegel, Essbesteck, Seife, Zwirn, Wichse, Nadel, Faden, Schärpe, Putzgabel, Gewehrhut, sogar Zahnbürste. Heute dürfen wir zum erstenmal mit den Chargen ausgehen.

Herzliche Grüße v. Alois u. Pius

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29.11.1914 - Pius Winkel an die Eltern und Geschwister

Liebe Eltern,

da ich heute dienstfrei bin so will ich euch einiges über mein Soldatenleben mitteilen. Vaters Brief mit Freuden erhalten und danke schön für die Nachrichten die mir der Vater berichtete.

Die Wertsendung haben wir heute erhalten, wofür wir herzlich danken, ich habe vor 3 Wochen 2 Kilo Speck gekauft, aber es war nicht die Sorte wie der unsere von der Heimat. Vor 2 Wochen habe ich vom Wüstner ein Paket Würste bekommen, kurzum zu essen haben wir genug, aber am Abend zum schwarzen Kaffee kann man den Speck schon vertragen. Ich bin gesund und munter, was ich von euch auch hoffe. Dass dem Lorenz das Kreuz gesteckt wird, hat uns sehr hart. Wir sind heute im Kloster in einer Messe gewesen, die wir dem Lorenz aufopferten. Wir können jeden Sonntag in die Kirche gehen und jede 14 Tage beichten gehen, wer will.

Bleibe heute in der Kaserne und bewache Sträflinge, denn man sagte, wer freiwillig dableiben möchte. Dachte ich man spart sich wieder einige Sechser. Jetzt fassen wir jeden Tag etwas Rüstung aus, haben Gamaschen, Tornister, Spaten, Kochgeschirr, Mäntel und noch viel so Glumb. Am 2. Dezember haben wir eine 20 km weite Übung, welche mit einem Gefecht verbunden ist, das wird schön werden, der Leutnant sagte, dass wir den Feind aber schneidig packen, wir bekommen Manöverpatronen, die besseren Rekruten, die mit den Gewehren umzugehen verstehen, wahrscheinlich geht’s nach Pergine.

Hab den Kofferschlüssel verloren, aber ich mach ein anderes Schloss hin. Bis jetzt versorg ich die wertvollsten Sachen in Alois’s Koffer. Sage nochmals dank für die Sachen, die ihr uns schickten und schließe mein Schreiben mit vielen Grüßen von eurem dankschuldigen Sohn Pius, auch ein Gruß von Alois.

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Reuthe, 7.12.1914 - Mutter Anna Katharina Winkel an Alois und Pius

Liebe Söhne!

Habe gestern vergessen zu schreiben, ob ihr Leibbinden ausgefaßt habt, sonst werde ich euch schicken, schreibt mir blos gleich, damit ich alles miteinander schicken kann.

Wäre uns lieb, wenn ihr beide sich melden würdet, daß ihr könntet beisammen bleiben. Der Franz hat gesagt, daß Brüder diese Begünstigung bekommen, das wäre mir ein großer Trost. Habe sonst Kummer genug und der Vater auch.

Josef Kaufmann (Adeles) von Bezau lebt noch, er ist in russischer Gefangenschaft, er hat eine Karte geschrieben. Metzler August ist in Wien im Spital lebensgefährlich krank. Die Anna ist hinunter, er hat einen Leberschuß und Knieschuß und habe starkes Fieber. Semolars Bub ist ebenfalls in Wien mit Lungenschuß, ist aber auf Besserung. Micheles Kaspar ist am 7. Sept. in russische Gefangenschaft gekommen, er hat am 14. Sept. eine Karte aufgegeben und (diese) kam erst vor zirka 10 Tagen.

In Bezau ist Gallus Kaufmännlis Tone der älteste gefallen, man sagt auch Rudlers Brose und Kristars Thomas Tone.

Liebe Söhne, betet fleißig zur Mutter Gottes und zum hl. Schutzengel, damit sie euch beschützen und vertraut auf Gottes Hilfe und wir wollen euch täglich ins Gebet einschließen. Wir bringens bereits nicht übers Herz, daß der Lorenz nicht mehr heimkehrt, aber er wird halt eine schönere Heimat gefunden haben als diese Welt ist.

Lebt wohl und seid herzlich gegrüßt von der tiefbetrübten Mutter. 

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Anton Feurstein (Kristars Thomas Tone), August Metzler, Ambros Moosbrugger (Rudlers Brose)


Vorsäss Brand, 7.12.1914 - Nachbar Michael Felder an Alois und Pius Winkel

Liebe Nachbarn!

Die Karte von den Kosakentötern und eine von Pius habe ich erhalten besten Dank. Was ich vernommen habe müsst Ihr am 16.12. abreisen, ich wünsche Euch glückliche Reise. Die Landstürmer müssen was ich gehört habe schon am 6.1.1915 einrücken. Ich will gerne sehen wie es in 4 Tagen aus sieht, ich schreibe Euch von Bregenz dann eine Karte wie es mir gegangen ist. Wir sind alle gesund und munter was wir von Euch auch hoffen. Ich schließe mein Schreiben nebst vielen herzlichen Grüßen

von Ottil Kristin u. Michael Felder

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Trient, 9.12.1914 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Eure Briefe haben wir beide erhalten, und haben daraus vernommen, dass Ihr Westen aus Schafwolle für uns bestellt habt. Die Westen wären schon prächtig. Ich habe heute den Zugsführer gefragt, ob wir Pelzwesten und Leibbinden ausfassen, da sagt er: Leibbinden kriegen wir schon, aber von Pelzwesten wisse er nichts. Schicket daher die Westen; wenn wir dann allenfalls doch ausfassen, können wir sie ja wieder heimschicken.

Bezüglich des Zusammenkommens im Krieg könnt Ihr unbesorgt sein. Jedenfalls kommen wir ohne weiteres zusammen, da wir ja in der gleichen Compagnie sind. Und wenn es schon anders eingeteilt würde, kann ich es schon richten dass wir miteinander dürfen. Diese Bitte erfüllt man einem schon. Sonst brauch ich grad nichts, die Socken sind noch ganz, hab sie noch ganz wenig getragen. Einige Putzlappen hätte ich schon gern, zum Gewehr u. Knöpfe putzen. Wann wir fort müssen wissen wir noch nicht, das einemal sag man so, das anderemal wieder anders. Anfangs hieß es bis 16. Dezemb. marschbereit sein, aber das ist gar nicht möglich. Nach meiner Ansicht wird es schon noch Weihnachten bis wir fortkommen oder vielleicht noch mehr. Sonst haben wirs jetzt strenger als im Anfang.

Gestern an M. Empfängnis haben wir den ganzen Tag exerziert und am vorhergehenden Sonntag auch. Letzte Woche hatten wir eine Übung nach Perginn mit einem darauf folgenden Gefecht. Da hab ich fest gepulvert. Von Trient bis Perginn ist es etwa 3 Stund.

Lorenz ist auf den Bildern gut getroffen. Hat mich gefreut dass Ihr mir die Bildlein geschickt habt. Es ist eine schöne Erinnerung und ein Andenken an ihn. Die Nachrufe waren sehr schön.

Sonst sind wir Gott sei Dank immer gesund. Beim Metzger hat man uns schon wieder 2 Kilo Würst geschickt.

Der Josef Feuerstein v. Reuthe wird jedenfalls bald Heim kommen, er liegt jetzt im Spital, er hat sich überlupft. Morgen werden die Alten zum spielen kommen. Schreibt mir gleich was man in Reuthe genommen hat.

Nun schliesse ich mit den herzlichsten Grüßen an Euch Alle und verbleibe euer dankschuldiger Sohn Alois.

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Trient, 16.12.1914 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Mit Freuden haben wir heute Eure Sendung erhalten. Die Leibchen sind schon wunderbar u. warm; ich hab’s jetzt zum Briefschreiben an u. es wärmt besser als der ärarische Mantel. Im Krieg sind die schon prächtig wenn man ganze Tage lang auf dem nassen Boden liegen muss. Ich habe schon ein bisschen eine Ahnung wie angenehm und gesund es ist im Feld; denn am Montag mussten wir von morgens 4 Uhr bis Abends feldmäßig schießen, beim ärgsten Regen, so dass wir Abends bis auf die Haut naß waren. Dann konnten wir in den kalten Saal hineinliegen, u. Morgens wieder in die tropfnassen Kleider schlüpfen, u. wieder auf den gleichen Berg zum feldmäßig schießen. Pius war am anderen Tag schon marod, so dass er den zweiten Tag gar nicht mehr mitkonnte, u. ich habe mir einen zünftigen Husten und Katahr geholt. Heute ist Pius jedoch wieder munter.

Bezüglich des Abmarsches wissen wir noch gar nichts sicherer. Aber jeden falls geht es nicht mehr allzu lang. Den einen Tag sagt man so, den anderen wieder anders. Ausgerüstet sind wir noch nicht. Sobald ich etwas bestimmtes weiß, werde ich Euch benachrichtigen. Nach meiner Ansicht sind wir über Weihnachten schon noch hier.

Beim Göte hat man uns heute wieder geschrieben dass man uns ein kleines Weihnachtsgeschenk abgeschickt habe. Verhungern müssen wir amal nicht.

Nun schließe ich mit den herzlichsten Grüßen an Euch Alle u. verbleibe Euer dankschuldiger Sohn u. Bruder Alois.

Ebenfalls die besten Grüße v. Pius

Josesf Alois Wüstner - 28.12.1962 bis 18.11.1948

Josef Alois Wüstner, geboren in Schnepfau, Boden -Taufpaten Martin Lässer, Kronenwirt in Schnepfau und Maria Anna Baurenhaus, geb. 9.2.1829, beide ledig - Metzgermeister - er kaufte 1897 das Haus Bezau, Brugg 33 - dort gestorben mit 86 Jahren. 2. Ehe mit 63 Jahren. Foto Metzgerei Wüstner um 1900: siehe Heimatbuch "Bezau", 1995, von Meusburger Wilhelm, Seite 184

Trient, 18.12.1914 - Pius und Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Haben heute Eure werthe Sendung erhalten wofür wir Euch herzlich danken. Die Schafpelze die passen uns gut und freuen uns denn mit denen ist man gestellt nach Galizien. Die scharschen („Chargen“) sagten ja so was ist famos. Vom Göte haben wir schon ein Weihnachtsgeschenk bekommen Schokolade Zigarre Selchfleisch und Landjäger und Schweinsblasen.

Sind am 15. zur Marschkompagnie zugeteilt worden und werden jedenfalls die nächsten Tage ausgerüstet. Die erste Kopagnie wurde gestern mit Kleider und Schuhe versehen. Ein jeder bekam ein paar Winter unterhosen zwei paar Sommer Unterhosen zwei Sommer Hemden ein Winter Hemd und Socken. Aber Oberkleider bekommen nicht alle ganz neue aber doch zum aushalten drunten, will gerne sehen was wir für Ware bekommen. Sonst besondere Neuigkeiten weiß ich nicht viel als das der Ignaz sich zur Sanität gemeldet hat. Auch hat mir der Ignaz Wüstner Seiler meine Zivilkleider heim geschickt anstatt die seinen. Er schreibt jetzt heim und dann wird man Euch schon berichten oder es Euch bringen. Habe mit dem Feldmässig schießen verkühlt und bin zwei Tage marod gewesen und habe keinen obediet („Appetitt“) aber es wird schon wieder gehen. Wenn wir fort müssen so werden wahrscheinlich Koffern und alles nach Hause schicken was wir nicht brauchen. Nun schließe mein Schreiben und hoffe daß Euch der Brief gesund und munter antreffe von

Euren dankschuldigen Söhnen Pius und Alois

Trient, 29.12.1914 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Vor allem anderen entbieten wir Euch Allen die aufrichtigsten Glücks- u. Segenswünsche zum neuen Jahre. Obwohl uns das neue Jahr dem gegenwärtigen Anschein nach nicht viel Gutes verspricht, so wollen wir doch vertrauensvoll in die Zukunft blicken, in der Hoffnung, es werde doch einmal wieder ein Ende machen und sich alles wieder zum Besseren wenden. Das alte Jahr hat uns wirklich arg heimgesucht. Etwas besseres dürfen wir vom Neuen mit Recht erwarten.

Unser Abmarsch hat sich noch ein wenig verzögert, sodaß wir jeden falls erst Morgen abdampfen. Sagen tut man einem nichts, bis zur letzten Stunde. Heute Morgen konnte die ganze Komp. zur hl Beichte gehen. Ich hatte das Glück dass ich in der Sakristei dem Geistlichen gegenüber offen, ohne Beichtstuhl beichten konnte. Er war ein netter Priester. Beim Abschied drückte er mir noch die Hand u. gratulierte mir noch für die Zukunft, u. lud mich ein, ihn zu besuchen wenn ich wieder zurück komme. Ich bin also vorbereitet, komme was kommen mag. Heute Nachmittag werden wir den Kriegseid leisten, u. dann kanns losgehen wanns will. Pelzwesten haben wir ausgefasst, u. wir werden unsere heimschicken. Vielleicht schicken wir die Koffer auch. Photographieren haben wir uns lassen u. die Bilder werden Euch u. Photographen per Nachnahme gesandt. Nun schließe ich, u. sage Euch ein letztes „Lebwohl“, u. verbleibe Euer dankschuldiger Sohn u. Bruder Alois.

Von hier wird das wirkl. das letzte Schreiben sein.

31.12.1914 - Alois und Pius Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Nun geht’s dahin. Diese Karte senden wir Euch von der Fahrt zwischen Innsbruck, Salzburg. Andermal mehr. Da wackelt alles. Lebt wohl! Herzliche Grüße

Alois und Pius

1.1.1915 Wien - Alois und Pius Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Endlich sind wir doch bis Wien gekommen. Obs von hier nach Serbien oder nach Galizien geht, wissen wir nicht. Sobald ich näheres weiß, werde ich berichten. Herzl. Grüße von Alois u. Pius

5.1.1915 - Alois und Pius Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Da Euch Pius auf der letzten Karte die falsche Komp. angegeben hat, musste ich gleich diese schreiben. Es heißt also, anstatt 4.2. Komp. Sonst seid nur unbesorgt, hier haben wir es ganz gut, u. es wird auch fernerhin wieder gehen. Herzl. Grüße v. Euren Söhnen Alois u. Pius

9.1.1915 - Alois und Pius Winkel an den Vater in Reuthe

Lb. Vater!

Zu Eurem lb. Namenstage die besten Glückwünsche.
Möge der lb. Gott euch diesen Tag noch viele Jahre gesund und wohl erleben lassen. Wer hätte gedacht, dass heuer von Gal. [Galizien?] aus Gratulationsbriefe kommen.

Unsere letzten Karten werdet Ihr erhalten haben? Die Koffer habe ich dem Ignaz Wüstner v. Mellau übergeben zum heimschicken, u. ich glaube Ihr werdet sie erhalten haben. Sonst sind wir Gott sei Dank gesund, was wir auch von euch hoffen. Weiter kann ich Euch nicht viel berichten. Laßt mir die Nachbarn schön grüßen. In der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehn grüßen herzlich Eure dankschuldigen Söhne Alois u. Pius

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20.1.1915 - Alois an die Eltern in Reuthe

Unsere Lieben!

Damit Ihr nicht etwa allzugroßen Kummer über uns habt, teilen wir Euch mit Freuden mit, daß wir beide immer noch gesund und heil sind. Letzte Woche war ich jedoch nicht gut beieinand, ich war marod. Aber jetzt gehts wieder ganz gut. Habt Ihr unsere früheren Schreiben erhalten? Wir erhielten noch nichts. Herz. G. von Euren Söhnen u. Brüdern

23.1.1915 - Pius an den Vater in Reuthe

Lb. Vater.

Zum Zeitvertreib will ich Euch aus der Schwarmlinie ein Kärtchen schreiben. Habe eine ausgezeichnete Deckung, famoses essen, aber die Russen fehlen, sie trauen sich nicht mehr anzugreifen. Bin immer gesund und munter und hoffe daß das Kärtchen Euch auch alle gesund und wohl antreffe. Grüßt Euch Euer dankschuldiger Sohn

Pius

 

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26.1.1915 - Alois und Pius Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Nachdem wir nun wieder einige Rasttage haben, will ich Euch wieder einmal einige Zeilen schreiben. Gott sei Dank kann ich mitteilen, daß wir beide noch gesund u. heil sind, u. wir hoffen mit Gottes Hilfe wird es auch fernerhin wieder gut gehen. Der Rosenkranz wird bei uns allen viel gebetet, so oft man Zeit u. Gelegenheit hat, bald deutsch, bald italienisch. Korrespondenz habe ich von Euch noch keine erhalten. Vielleicht war die Adresse falsch. Genaue Adresse ist: A.W. b. 3. Reg.T.K.4.Feldkomp. Feldpostamt 98. Würde mich freuen wenn Ihr mir ein paar Hosenträger schicken würdet, da mir die anderen kaputt gegangen sind. Ein Paket bis zu 350 gr. geht als Muster ohne Wert, mit 20 h frankiert. Briefpapier hätte ich auch gern. Wie stehen die Milchpreise bei Euch? Wahrscheinlich Hoch. Wenn ich einen besseren Schreibtisch hätte könnte ich mehr mitteilen, so schließe ich aber mit den herzlichsten Grüßen u. verbleibe Euer dankschuldiger Sohn Alois auch im Namen von Pius 

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29.1.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Die Karten vom 23.1. haben wir beide erhalten und haben uns auch recht gefreut, denn es waren die ersten Schreiben, die wir von Euch erhielten. Wegen den Briefen und Photographien habe ich bei der 2. Kompanie nachgefragt, u. erfahren, daß dieselben dort ankamen, aber schließlich verworfen wurden, da sie niemand in Empfang nahm. Jetzt auf diese Adresse kommt sicher alles her. Wenn ihr uns etwas schicken wollt, ist es uns am liebsten, wenn Ihr uns ein wenig fetten Käs oder ein Stück Selchfleisch schicktet. Einmal ein wenig Abwechslung wäre schon gut.

Wie ich durch Eure Karte erfuhr haben Franz u. Lorenz die Tapferkeitsmedaille erhalten. Das ist schön. Ich u. Pius werden schon auch fest dreinhauen, wenn wir einmal Gelegenheit bekommen, bisher kamen wir noch nicht so arg ins Grigel, aber ich glaube es wird jetzt dann bald lebendiger.

Bregenzerwälder sind mehrere in unserer Komp., z. B. Sutters Buob, Adam Metzler a. Bizau, Jodok Natter von Mellau, Alfons Meusburger a. Andelsbuch (Ochsenwirts) und sonst noch einige die Ihr aber jedenfalls nicht kennt. ?? Jodok und Gallerles Tone, der Kleine aus Bezau sind auch hier beim Train und wir treffen sie öfters.

Seit einigen Tagen haben wir etwa 25 cm Schnee u. es ist jetzt auch grimmig kalt. Geld braucht man hier nicht grad viel, weil man sich selten etwas kaufen kann; wenn man aber einmal etwas kriegt, muss man es zehnfach bezahlen. Ich kaufte mir einmal 2 Eier um 1 K. es war mir nämlich nicht wohl und da hatte ich sie gern. Was schreiben denn die Zeitungen? Unsere Lage ist gegenwärtig auch ganz gut. Nun schließe ich mit den herz. Grüßen an euch alle u. verbleibe Euer dankschuldiger Sohn u. Bruder Alois

(Anmerkung: Sutters Buob = Anton Feuerstein, geb. 25.10.1894 in Mellau – 8.7.1915 in Polen; Mutter Elisabeth Sutter aus Mellau, Vater Josef Anton Feuerstein aus Reuthe)

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30.1.1915 - Gemeindevorsteher von Bezau an Anton Winkel in Reuthe

Es ist soeben vom Regiments-Commando für Ihren den Heldentot gestorbenen Sohn Lorenz eine silberne Tapferkeitsmedaille und ein Belobungsdekret eingelangt, welches ich Ihnen u. Ihrer werten Familie mit der innigsten Gratulation übermittle, mit dem Bemerken daß diese schöne Auszeichnung dem allzu früh Verstorbenen, Gott belohnen wolle, und Ihnen die besten Tröstungen zu dem schweren Opfer bringen werde, indem dieses für die ganze Familie eine große Ehre bedeutet.

Hochachtungsvoll L. Meusburger

9.2.1915 - Alois Winkel an die Eltern und Geschwister in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Will euch nur kurz mitteilen, daß ich das Paket gestern erhalten habe. Besten Dank dafür. Beim Göte schrieb man mir, daß man uns schon zweimal Pakete schickte, aber wir haben sie nicht erhalten. Ist recht ärgerlich. Ich weiß nicht was das für eine Schweinerei ist. Diebe hat es scheints grad genug. Frz. Josef hat mir gestern auch geschrieben.

Herzl. Grüße v. Alois

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15.2.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Faschingmontag! Aber kein Faschingmontag wie es sonsten war. Statt daß wir beim Tanze u. Vergnügen sind, sind wir jetzt im öden kalten Schützengraben. Auch bei Euch zu Hause wird sich der Faschingmontag etwas anders gestalten wie in den vergangenen Jahren. Es wird aber auch kein Mensch arg nach Vergnügen Bällen Kränzchen u ect. verlangen, denn jetzt in dieser ernsten Zeit hat wirkl. ein jeder Mensch wichtigere Aufgaben, als solchen einfältigen Lustbarkeiten nachzujagen. Wie ich auch Eurem letzten Brief entnommen habe, habt ihr zu Hause auch immer schweren Stand, wenn alles so riesig teuer ist. Wenn das Ding so weiter geht, werden die ärmeren Leute noch böse Zeiten bekommen. Es wird noch so weit kommen, daß man ums teure Geld nicht mehr alles kriegt. Das einzig Gute was wir arme Menschen noch haben, ist die Hoffnung. Wir hoffen immer es wird bald alles besser, der Krieg geht bald zu Ende, u. etc. Gut ist es vielleicht auch, daß wir überhaupt nicht wissen wie lang der Krieg noch dauert. Hätte im Anfang jemand behauptet, wir wären Mitte Februar noch in Galizien, dann hätte ihm fast ein jeder ins Gesicht gesagt, Du bist ein Narr, so lang vermag es der Staat nicht, u. bis dann sind die Leute alle kaputt. Und jetzt vermag es der Staat immer noch, u. Leute sind noch so genug, daß Ihr es gar nicht glauben würdet. Und wenn der Krieg zu Ende ist werden wieder Leute nach Hause kommen vielmehr als man erwartet, es sind noch nicht gar so viel tot, wie manche Leute glauben.

Beim Göte hat man uns schon einige Päckle abgeschickt v. denen wir nur zwei erhalten haben. Habt Ihr uns noch nichts abgesandt?

Den Schnee hats bei uns jetzt wieder allen geputzt, und es ist deshalb auch wieder etwas wärmer, aber dafür recht kolossal schmutzig auf der Straße. Nun schließe ich mit den herzl. Grüßen von uns Beiden u. verbleibe Eurer dankschuldiger Sohn Alois

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8.3.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!
Will Euch heute nur kurz mitteilen, daß wir gestern alle 4 Päkle erhalten haben. Das war eine freudige Überraschung im Schützengraben. Innigen Dank, vom Göte kamen heute auch zwei. Letzte Woche kam ich das Volksblatt v. 19.2. zu lesen, in welchem der Brief v. Franz drin war. Gut hat er’s gemacht. Herzl. Grüße v. Alois

9.3.1915 - Pius Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Habe Euren Brief erhalten wofür ich Euch vielmals danke, freute mich sehr daß ich von meinem früheren Handwerk etwas hören konnte. Wir Wälder sind alle immer noch gesund und wohl was wir von Euch allen auch hoffen.
S’Lenele wird wohl bald meinen, wann wir wieder kommen nach Hause. Haben den Speck erhalten und den Käs der uns wieder was neues war, und wofür wir euch herzlich danken. Viele Grüße sendet euch euer dankschuldiger Sohn Pius.

Auf ein baldiges Wiedersehen.

3.4.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Heute am Karsamstag wollen wir auch Euer gedenken und wir entbieten Euch die herzlichsten Ostergrüße. Wir im Kriege spüren nicht viel von den Ostertagen. In seinen Gedanken ist wohl ein jeder daheim, beim hl. Grab. Aber in Wirklichkeit ist er weit entfernt von dieser Gnadenstätte. Doch es wird uns Soldaten auch so gelten. Nun wünschen wir recht frohe Ostern und bitten um auch um ein wenig Schinken.

Alois und Pius

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15.4.1915 - Pius Winkel an die Eltern in Reuthe

Lieber Vater!

Da ich heute gerade Zeit finde so will ich Euch ein Kärtchen schreiben. Habe den Brief erhalten und wundert mich dass Ihr schon so lange nichts mehr bekommen habt. Wir schrieben einmal 10 Tage nicht weil keine Post wegging. Die Pakete haben wir alle bekommen wofür wir Euch tausendfach danken. Wenn ihr wieder etwas schickt so wisst, ich bitte um ein Hemd, aber es muss kein neues sein und kein Militärhemd. Nun seid tausendfach gegrüßt von Euren Söhnen Pius und Alois

20.4.1915 - Pius und Alois Winkel ("geschrieben im grünen Wald") an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Den heutigen schönen Frühlingstag will ich benützen, Euch wieder einmal ein Lebenszeichen von uns zu geben. Gott sei Dank sind wir immer noch gesund und heil. An Appetitlosigkeit leidet auch keiner. Wir erwarten jeden Tag einige Päckle von Euch, aber vergebens. Habt Ihr unsere Post von den letzten Tagen nicht erhalten? Wir schrieben Euch einigemal. Seid so gut und schickt uns was unter die Zähne, die Bergluft zehrt.

Auf ein baldiges Wiedersehen Eure Söhne Alois und Pius

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21.4.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Schon wieder drängt es mich zum schreiben. In seinen Gedanken ist man halt immer wieder daheim. Es soll dadurch nicht etwa gesagt sein, daß ich gerade Heimweh habe, aber sich so in Gedanken mit seinen Lieben in der Heimat unterhalten tut man sich doch gern. Wohin ist der Toni eingerückt? Jetzt werden sie ihm schon allmählich beibringen, was es heißt, Kaiserjäger zu sein.

Mit den herzl. Grüßen an Euch alle schließe ich u. verbleibe Euer dankschuldiger Sohn Alois

23.4.1915 - Pius und Alois Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Der heutige Frühlingstag treibt mir den Schreibstift in die Hand ein Kärtchen zu schreiben. Bald ist es schon Mai und das liebe Vieh kann sich auf der grünen Weide wieder ergötzen, könnte ich nur auch bei diesem Treiben und Schellen dabei sein. Hier in dieser Gegend ist es noch rot über die ... und der Regen wird das Gras bald zurück haben. Vielleicht sind wir auch wieder in der lieben Heimat bis es wieder rot wird auf der Heide. Nun hoffe dass Euch diese Karte gesund und wohl antreffe wie sie uns verlässt Grüße Euch Eure Söhne Pius u. Alois

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6.5.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Paket erhalten. Hat mich riesig gefreut.

Herzl. Gruß Alois

Andermal mehr.

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10.5.1915 im Felde - K.u.K. 3 Regiment der Tiroler Kaiserjäger an die Gemeindevorstehung Reuthe

Teile anhier der löbl. Gemeindevorstehung mit, dass Jäger Winkel Arthur Pius so wie viele andere Vaterlandsverteidiger am 5. Mai 1915 auf dem Felde der Ehre gefallen ist.
… Kaiserjäger war ein … Vaterland kämpfender Krieger ….  einen unvergesslichen Helden …

(Rest unleserlich)

21.5.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe über Tod von Pius

Lb. Eltern u. Geschwister!

Schmerzerfüllt gebe ich Euch bekannt, daß unser lb. Bruder Pius am 2. Mai bei Lupza an einer Schrapnellverwundung gestorben ist. Die Kugel traf ihn gut, mitten in den Bauch, so daß er auch sofort tot war. Er starb ganz sanft u. ruhig, ohne auch nur einen Seufzer zu tun.

Ja, lb. Eltern! Der 2te Mai war ein Tag, wie ich einen solchen in den fünf Monaten meines Hierseins noch keinen erlebt habe.

Ich will Euch den Verlauf dieses Tages kurz beschreiben. Am ersten Mai Abends sobald es dämmerte rückten wir langsam an die feindlichen Stellungen vor. Wir wussten jedoch noch nicht, daß ein Angriff geplant war. Verdächtig kam es mir allerdings vor, denn das ganze Tun u. Treiben ließ auf einen nahen Angriff schließen. In der selben Nacht griffen wir jedoch noch nicht an, sondern verbrachten die Nacht an einer vor dem Feind gedeckten Stelle. Am folgenden Morgen in aller Frühe begann dann der Tanz. Unsere Artillerie setzte nämlich mit ihrer ganzen Kraft u. Macht ein. An allen Ecken u. Enden krachten die Kanonen, und ein Pfeifen u. Zischen war das in der Luft, daß einem Hören u. Sehen verging. Wir konnten das Schauspiel aus der Ferne ganz schön beobachten. Entsetzlich war die Wirkung unserer schweren Granaten. Turmhoch, wie ein Springbrunnen flog die braune Erde in die Lüfte. Soweit wir die Russenfront beobachten konnten, war nichts zu sehen, als ein Erd- u. Rauchqualm. So circa gegen sechs Uhr früh rückten wir dann ganz vor, indessen die Artillerie ihre Arbeit immer fortsetzte. Scharenweise gingen unsere Leute vor, die Russen eröffneten natürlich auch gleich das Feuer, konnten aber nicht viel erzielen, weil sie immer von unserer Artillerie gestört wurden, und so dauerte es auch nicht lange, liefen die Russen massenhaft mit hochgehaltenen Händen uns entgegen und ließen sich gefangen nehmen. Und so war also der Sturm auf die erste Schwarmlinie bereits vollbracht, und wir rückten langsam u. vorsichtig an die zweite heran. Als wir so vorrückten konnte auch die russische Artillerie uns gang tüchtig unter Feuer nehmen.

Wir mussten uns also so schnell wie möglich eingraben um uns einigermaßen zu schützen. Es rückte schon gegen Mittag, als wir uns schon ziemlich gut eingegraben hatten trotzdem uns die Russen fortwährend heftig beschossen. Doch schließlich nahm der Russ unseren Abschnitt derart ins Feuer, daß ein Aushalten fast unmöglich erschien, aber trotzdem wichen wir keinen Schritt zurück. Furchtbar waren die Wirkungen dieser Granaten u. Schrapnelle, Gang verschüttet hat und wir eins übers anderemal mit dem Erdreich, welches diese eisernen Elemente in die Luft spritzten. Ich war so ungefähr 8 Schritte vor Pius eingegraben, so daß wir einander während der Kanonade nicht sahen und nicht verständigen konnten. Als dann das Bombardement einigermaßen nachließ richtete ich mich auf und rief zu Pius hinüber: „Hat es dir nichts getan.“ Mir hatte nämlich am linken Oberarm ein Schrapnellstück eine tüchtige Schlappe beigebracht. Auf meine Frage ob es ihm nichts getan habe, gab er mir keine Antwort. Da ließ es mir keine Ruhe mehr, ich ahnte das Geschehene und kroch schnell zu ihm hinüber, aber welch ein Anblick. Ganz bleich im Gesicht, lag er drin in seiner Deckung, u. ich sah sofort, daß er tot war. Neben ihm waren auch noch zwei verwundet worden vom gleichen Schrapnell. Die Sanität hat ihn dann am anderen Tag beerdigt, so liegt bei 7 anderen Kaiserjägern und Russen. Das Bombardement dauerte fort, bis die Russen am 4. Morgen verschwunden waren. Da hieß es nun verfolgen. Und seitdem wird er verfolgt, er kann sich nicht mehr festhalten. 100 km kleken nicht mehr, daß er zurück hat müssen.

Lb. Eltern! Ihr werdet ganz trostlos sein über den Verlust, aber ich sage Euch grämt Euch nicht zu sehr, er starb ja gut und wir haben jetzt einen Fürbitter im Himmel. Gott hat ihm das Leben gegeben, er hats genommen.

Habe früher keine Zeit gehabt Euch zu berichten, da wir immer die Russen verfolgen mussten und daher keine Rast u. keine Ruhe hatten.

Dem Vater wünsche ich eine gute Besserung zu seiner kranken Hand. Herzl. Grüße an Euch alle, an Nachbarn u. auch an Herrn Pfarrer von Eurem dankschuldigen Sohn Alois

Bin jetzt Ordonnanz u. komme wahrscheinlich z. Train wo ich weniger in Gefahr bin.

Brief von der Mutter und vom Vater und einige Karten von Teres habe ich alle mit Freuden erhalten

31.5.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Wie ich Euch bereits vor einigen Tagen schon mitgeteilt, bin ich seit dem 23sten Mai dem Provianttrain zugeteilt. Zufällig ist auch Sattler Kohler von Andelsbuch beim Train als Sattler, u. ich habe Gelegenheit, alle Tage mit ihm zusammen zu treffen. Auch Franz Josef Ratz v. Baien ist bei unserem Train, was mich sehr freut; denn da hab ich doch jemand bekannten an der Seite. Das Liebesgabenpaket ist bis heute noch nicht angekommen. Indessen herzl. Grüße von Alois. herzl. Grüße von Fr. Jos. Kohler Sattler (eigenhändig)

3.6.1915 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.

Habe Euren lieben Brief erhalten und vernommen dass unser lieber Bruder Pius des Heldentodes gestorben ist, der Herr gebe ihm die ewige Ruhe! Wir fühlen vom Kriege noch nichts nur dass unsere Artillerie hie und da auf eine Italienerstellung feuert. Der Lump hat keine Schneid uns anzupacken wir warten mit Sehnsucht darauf. Standschützen sind bei uns 10 Mann. Mit Geld bin ich noch gut versehen. Kaufen kann man selten was und die Menage ist auch besser.

Die herzlichsten Grüße von Tone

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9.6.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Heute in den Besitz von Mutters Brief v.31.5. gelangt. Ich dachte mir schon, daß Ihr von anderer Seite früher erfahren werdet, als von mir. Aber mir war es nicht möglich gewesen, Euch früher zu benachrichtigen; denn damals hatten wir es zu streng. Am Tage strenge Märsche, u. bei der Nacht ins Gefecht. Und so mußte ich es halt gut 14 Tage verschieben. Das gute an der Sache ist doch daß, man weiß wo er ist, u. wie es gegangen ist. Es gibt hier sehr viele Fälle, wo man nicht weiß, ob einer gefallen oder gefangen ist. Das ist dann für die Hinterbliebenen der allergrößte Kummer. Da kann man sein Lebtag keine Ruhe finden. Grad am 2. Juni ging es mit unseren wieder so; man weiß nicht wo sie hingekommen sind; sie sind einfach vermißt. Der Ignaz Wüstner (Seiler) v. Mellau ist am 2. Juni auch in Gefangenschaft geraten. Ich bin froh daß ich nicht bei der Komp. war, sonst wäre ich vielleicht heute auch nicht mehr. Daß ich beim Train bin habe ich Herrn Hauptmann Pfrogner zu verdanken. Der hat mir dazu verholfen. Pius lag am 21. Mai gerade neben dem Hauptmann eingegraben, u. wenn der Hauptmann nicht gerade im selben Moment wo die Schrappnell einschlug, aus der Deckung geflogen wäre, so wäre er auch ganz sicher tot. Dem Hauptmann sein Mantel flog mir auf den Rücken trotzdem ich etwa 10 Schritte von ihm entfernt war. Ganz zerfetzt war der Mantel so daß er nicht mehr getragen werden konnte. Nachträglich erkundigte er sich über unsere Familienverhältnisse und wie er erfuhr, das daß schon der zweite Bruder sei der gefallen ist, drückte er sein Bedauern aus u. meinte, unsere Familie habe es arg mitgenommen. Daraufhin sagte er, damit wenigstens ich noch nach Hause komme, wolle er mir um eine Stelle beim Train schauen, u. ich bin ihm auch recht dankbar dafür. Uns beide hatte er überhaupt gern, sonst ist er furchtbar streng, aber wenn einer seinen Dienst genau macht, u. a bissl a Schneid zeigte war er der beste Mensch.

Wir machen Euch wenigstens nicht zu Schanden. Feig sind wir nicht gewesen.

Nun seid tausendmal gegrüßt v. Eurem Sohn Alois

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11.6.1915 - Anton Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Habe Euren Brief wie auch den von Mutter und Theres erhalten die Post arbeitet jetzt gut, der Brief von Mutter und Theres hatte nur 4 Tage, Während wie von Anfang 15-20 Tage hatten. Wir sind bis jetzt immer vom Feinde verschont geblieben, weil er sich auf unserer Seite zurück zieht, um uns anders zu fassen, wir sind hier alle voller Siegeszuversicht und erwarten mit Sehnsucht den Feind. Wir hören jetzt nur Kanonendonner und sehen hie und da feindliche Schrapnelle krepieren, machen aber wenig Schaden. Kaufen kann man hier nichts, außer wenn der Koch einen Käs bringt und dann kostet 1 Kilo 5 Kronen, gewiss ein schönes Geld, hab noch 45 K bei mir, also genug.
Muss jetzt mein Schreiben schließen denn es geht zum arbeiten. Es grüßt Euch alle Euer Sohn und Bruder Anton. Grüße auch an die Nachbarn.

13.6.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Mutters Brief vom 31.5. Thereses Karte v. 2.6. u. Vaters Brief v. 4.6. erhalten. Von Franz Josef habe ich nie etwas erhalten. Ich weiß nicht, ob er vielleicht eine falsche Adresse hat, oder was da fehlt. Die Liebesgabenpakete sind immer noch nicht angekommen. Wenn Esswaren drin sind werden sie wohl verdorben sein. Heute wird man dem Pius das Kreuz gesteckt haben. Ich gedachte  immer auch im Gebete. Möge Euch der liebe Gott die Gnade u. die Kraft geben, auch diesen schweren Verlust  zu ertragen. Andermal mehr, der Arm tut mir weh. Wir werden alle Woche geimpft. Herz. Gruß v. Alois

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25.6.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Vorgestern kamen endlich die Liebesgaben an. Die Herren Transportleiter kamen mit, bis zu uns. Es kamen sehr viel schöne Sachen an, auch mein Paket, welches mich sehr freut. Gestern war bei uns großartige Custozzafeier mit Feldmesse u. Musik. Tone hat mir kürzlich auch geschrieben. Herr Pfarrer v. Reuthe schickt mir jetzt alle Wochen den Landboten. Der Ant. Feuerstein hat gestern die große silberne Tapferkeitsmedaille erhalten. Herz. Grüße Alois

2.7.1915 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Werthe Eltern und Geschwister.

Endlich finde ich Zeit euch einmal wieder ein paar Zeilen zu senden, bin gesund und munter was ich von Euch allen auch hoffe. Bei mir ist's immer s'Gleiche tags arbeiten und nachts Posten brennen, sind hier kalte Nächte der Wind bläst furchtbar und das Wetter hier ist unbeständig. Mit dem Italiener ist es immer s`gleiche der Kerl hat einfach keine Schneid, werden ihn aber schon noch bis nach Rom treiben helf ihm Gott dem Feigling. Wir habens sonst gar nicht so ohne, schlafen in den Schützengräben, wir sind wie Brüder miteinander einer hilft dem andern. Wie geht’s den Brüdern, habe beiden geschrieben, sind sie gesund, wir wollens hoffen. Müßt Ihr schon fest heuen wie geht’s mögt Ihrs ermachen.

Was hört man drin vom Krieg ist er bald aus, mit dem Russen wird man wohl bald fertig sein und der Welsche muß auch Haar lassen wenn wir ihn nur anpacken dürfen. Hurrah! Das wär ein Leben, da hätt das Leben einen neuen Reiz, so ist es furchtbar langweilig. Für die Schuhe hab ich 6 K bekommen das andere bekomm ich später. Geld hab ich genügend, man kann nur hie und da was kaufen und dann aber ists teuer. Löhnung bekommen wir alle 10 Tage 4 K. Hab heut mein Messer verloren und das ist lästig da man keines kaufen kann und wenn einer eines hat verlangt er 3-4 K dafür, eine Schurkerei. Möchte Euch also bitten mir ein Feldpostpaket zu schicken und ein Messer und einen Tintenblei beilegen. Muss jetzt mein Schreiben schließen mit vielen Grüßen an Euch alle Euer Sohn und Bruder Tone

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3.7.1915 - Anton Winkel an Bruder Jakob im Schwabenland

Lieber Bruder!

Endlich finde ich Zeit, dir eine Karte zu schreiben, bin gesund und munter, was ich von Dir auch hoffe. Bin jetzt schon 6 Wochen im Feld vom Krieg aber wenig gespürt, nur Artieleriekämpfe und Patrolenzusammenstösse gabs. Tags müssen wir arbeiten und Nachts Posten brennen. Die Gegend hier ist sehr schön, haben eine herrliche Aussicht auf den Gardasee, weiß sonst wenig neues, wie stets bei Euch mit Heuen und mit allem möglichen … , schreib mir auch einmal. Viele Grüsse dein Bruder Tone

Die herzlichsten Grüße an Familie Bräuchler

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10.7.1915 - Anton Winkel an Schwester Johanna

Liebe Schwester!

 

Habe Deine Karte gestern erhalten und hab mich sehr gefreut, dass du auch was hören lässt. Habe vom Pfarrer und Götes Josef gestern auch eine Karte erhalten. Den Koffer mussten wir in Trient lassen, wurde dann nach Lambach geschickt, wo jetzt das Kader ist. Hab’s Euch schon früher geschrieben. Habt ihr meinen Brief erhalten, ich glaub schon. Weiß nichts neues, bin gesund und geht mir gut was ich von Euch auch hoffen darf. Ich schlliesse mit den herzlichsten Grüssen an Dich und alle

dein Bruder Tone

11.7.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Erst heute komme ich dazu Euer letztes Schreiben zu beantworten. Wir befinden uns auf dem Vormarsch nach Russland und da gibt es wenig freie Zeit. Wir sind schon ein hübsches Stück drinnen im Reich der Molkali (?). Der Josef Anton Feurstein vulgo Sutter soll auch gefallen sein, wie ich gehört habe. Er hatte die große silberne Tapferkeitsmedaille gehabt. Schade um den Kerl er war hier ein ganz netter Kerl. Herzl. Grüße v. Alois

(Anmerkung: Josef Anton Feuerstein, geb. 25.10.1894 in Mellau, gefallen am 8.7.1915 in Lublin, Polen - Eltern Josef Anton Feuerstein aus Reuthe und Elisabeth Sutter aus Mellau)

1.8.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Heute in Wien. Auf nach Süden

Herz. Grüße v. Eurem dankschuldigen Sohn Alois

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1.8.1915 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern und Geschwister!

Die letzten Grüsse aus Süd Tirol, fahren heute weg, wohin unbekannt. Habe die Karte von Theres erhalten und auch 2 Pakete, eins mit Fleisch das andere mit Wäsche. Die herzlichsten Grüße, auf ein friedliches Wiedersehen.

Euer Sohn und Bruder Tone

Lebt wohl!

Heil und Sieg

2.8.1915 Villach - Anton Winkel an den Vater in Reuthe

Liebe Eltern und Geschwister

Soeben hier angekommen, geht an die Front, wollen den Pelz schon hauen, die Adresse schreib ich später.

Habe die Pakete alle 3 erhalten und danke vielmals dafür.

Es heißt einsteigen.

Gruss Tone

4.8.1915 im Felde - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Gestern feierten ich und Tone freudiges Wiedersehen. Wir kämpfen jetzt auch gegen den Welschen. Das Marschbattalion bei welchem Tone war ist jetzt ins Regiment eingeteilt und wir werden also fortan beieinander sein. Wollen wir sehen wie wir den Italiener nigeln können. Dem Russen haben wir es wüst gemacht.
Herzl. Grüße v. Euren Söhnen Alois u. Tone

5.8.1915 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern und Geschw.

Wie ich Euch mitgeteilt habe, bin ich am 1. August von Süd-Tirol weggefahren nach einer anderen Front. Hab vorgestern auch Bruder Alois getroffen und noch mehrere Bekannte. Ich treffe Alois alle Tageein paar Mal, gestern Abend machten wir Schweinsbraten mit Reis, war tadellos. Ich bin jetzt nicht mehr bei den alten Bekannten, wir sind alle anders eingeteilt worden, bin jetzt bei der 2. Komp., gefällt mir vorzüglich, haben einen guten Leutnant. Heut Vormittag war Feldmesse, war wunderschön. Wir waren Kompanieweise aufgestellt, während der Messe spielte die K.K. Regimentsmusik die deutsche Singmesse: Hier liegt vor deiner Majestät und Großer Gott wir loben dich, zuletzt das Kaiserlied, und Generalabsolution, auch eine schöne Predigt wurde gehalten. War wirklich rührend, vor uns Kanonendonner und hier die heimelige Messe. Wir marschieren schon bald an die Front, wann weiß ich noch nicht.

Sonst weiß ich wenig neues, werde wieder schreiben wenn ich in einem Gefecht gewesen bin. Hauen werden wir den Italiener daß a Freud ist. Lebt wohl, auf Wiedersehen! Es grüßt Euch herzlich Euer Sohn und Bruder

Tone

Gruß von Alois!

11.8.1915 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Werthe Eltern u. Geschw.

Hoffe dass Ihr meine Karten alle erhalten habt, daß ich von Tirol weg bin, und daß ich Alois getroffen habe werdet Ihr wissen.

Am 9. August kam hier Franz Josef Ratz unglücklicher weise ums Leben. Alois wird’s Euch schon geschrieben haben. Sonst geht’s mir ganz gut was ich von Euch auch hoffe.

Viele Grüsse von Tone

8.9.1915 im Felde - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Muss Euch leider mitteilen, daß ich mich gegenwärtig in finanziellen Schwierigkeiten befinde, was mir bisher im ganzen Feldzug noch nie passiert ist, und ich ersuche Euch daher freundlichst, mir etwas Geld zu senden, da ich mir noch dieses und jenes anschaffen möchte.  Meine bitte nochmals wiederholend grüßt Euch herzl. Euer dankschuldiger Sohn Alois

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9.9.1915 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern und Geschwister

Muss Euch auch wieder einige Zeilen zukommen lassen, weiß zwar nichts neues, ist immer der alte Tant. Alois hab ich 14 Tage nicht mehr gesehen, auch treffe ich bereits keine Bekannten mehr, die Bezauer sind alle von mir weg. Seit dem 1. ist die Feldpost 98 offen, gehen also kleine Pakete. Es grüßt Euch alle herzlich Tone

Schreibt auch wieder

10.9.1915 im Felde - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Nicht wenig überrascht haben mich heute die zwei Pakete von Euch. Ganz unerwartet kamen sie. Viel tausend Dank dafür. Die Spritzkrapfen waren ausgezeichnet. Schokolade schickt mir lieber keine mehr, ich mag ihn nicht gern. Meinen Dank nochmals wiederholend grüß ich Euch herzl. und verbleibe Euer dankschuldiger Sohn Alois.

19.9.1915 im Felde - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern und Geschw.!

Den Brief von Theres erhalten und hab Ihr gestern schon geschrieben. Die Paketle hab ich beider erhalten, wofür ich Euch herzlich danke. Das Zeug war gut blos wars halt wenig. Es gehen jetzt alle Wochen die ersten drei Tage größere Pakete, und möchte Euch bitten, mir eines zu schicken mit Esswaren, am besten Käse, hab nämlich die Scheiß daß es nur so spritzt und da möchte ich a bisserl etwas gutes zum Essen, denn der scharze Kaffee macht es immer ärger. Ihr werdet jetzt das meiste unterm Dach haben, habt ihr viel Heu? Ist das Vieh schon von den Alpen gekommen, der Hermann soll mir einmal etwas von der Ökonomie schreiben. Die sonstigen Neuigkeiten hat mir Theres geschrieben. Die Reuthinger Standschützen haben scheins Hoffnung auf baldige Heimkehr, was bei mir nicht der Fall ist, den Winter heißt’s schon noch mitmachen, oder gibt’s bald Frieden. Treffe hier wenig Bekannte, Alois hoffe ich bald zu treffen. Sonst weiß ich wenig neues, ist immer der alte Dreck. Am liebsten ging ich bald ins Ländle, kann vielleicht noch dauern. Schließe mein Schreiben mit den herzlichsten Grüssen an Euch alle von Eurem Sohn und Bruder

Tone

 

19.9.1915 - Anton Winkel an die Mutter

Liebe Mutter!

 

Muß Euch nun auch einmal eine Karte schreiben, hab vorgestern einen Brief nach Hause geschickt, werdet ihn erhalten haben. Winterwäsche brauche ich noch keine, Hosenträger könnt ich brauchen. Gehen jetzt auch größere Pakete, wenn ihr’s richten könnt so schickt mir Käs oder was, denn hier ist alles schrecklich teuer. Geld hab ich genug, hab Alois 14 Kreuzer gegeben, treffe ihn jetzt öfters.

Die herzlichsten Grüße von Eurem Sohn Tone

19.9.1915 im Felde - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Heute in den Besitz der 30 K. gelangt. Ich danke Euch vieltausend Mal dafür. Es war mir eigentlich recht unangenehm, Euch in dieser schlechten Zeit, wo niemand etwas verdienen kann, um Geld anzupumpen. Ich war schon längere Zeit ohne Geld u. ich verschob es so lange wie möglich Euch um Geld anzugehen, aber weil ich es nun so notwendig brauche mußte ich dann doch darum bitten. Ich weiß es gut genug, daß Ihr Euch jetzt Tag u. Nacht abmühen u. plagen müßt um etwas zu verdienen. Es ist wohl traurig genug wenn ein alter Vater u. eine Mutter in ihren alten Tagen noch mähen u. schinden müssen wie es heuer der Fall war. Wie ist es eigentlich mit der Unterstützung, zieht Ihr immer noch etwas? Hoffentlich wohl.

Tonen treffe ich jetzt wieder fast alle Tage. Jetzt wäre er wieder lieber Metzger als Kaiserjäger. Bisher war er noch nie in einem Gefecht, wenn er dann erst einmal in ein solches kommt, dann wird es erst einmal recht klar was es heißt Kaiserjäger zu sein.  

Wie ich aus den Zeitungen erfahren habe, ist wieder die Maul- Klauenseuche bei Euch. Ich glaube, die Leute daheim haben es bald schlechter wie wir im Felde. Wir haben doch gesorgtes Brot, die armen Leute daheim hingegen müssen sich darum streiten. Jetzt ist bei uns die Verpflegung weit besser wie anfänglich. Ich schau  besser aus wie daheim, ich bin nicht mehr so bleich. Tone hingegen ist etwas magerer.

Nun schließe ich für heute, indem ich meinen Dank nochmals wiederhole, u. verbleibe Euer dankschuldiger Sohn Alois

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22.9.1915 - Anton Winkel an Bruder Hermann in Reuthe

Lieber Bruder!

Wie geht’s dir zuhause bist gesund und munter was ich Gott sei Dank auch bin. Wie stehts mit der Ökonomie, ist das Vieh schön, habt Ihr viel Heu, schreib mir einmal solche Neuigkeiten? Meinst mußt auch bald spielen? Auf baldiges Wiedersehen hoffend grüßt dich und alle dein Bruder Tone

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25.9.1915 - Anton Winkel an die Familie

Liebe Eltern und Geschw.

Meine Post werdet Ihr wie ich hoffe erhalten haben, bin gesund was ich von Euch auch hoffe. Gestern besucht uns Seine Kaiserliche Hoheit Erzherzog Karl Franz Josef. Er war sehr freundlich. Bruder Alois treffe ich auch hie und da. Von Götes Emma habe ich letzte Woche ein Paketle Landjäger erhalten. Es gehen jetzt auch große Pakete, gestern kamen einige Wagen hier an. Es grüßt Euch alle herzlich Euer Sohn und Bruder Tone.

Schreibt mir von Götes Rosina die Adresse.

25.9.1915 im Felde - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Gestern in den Besitz der Karte vom 21.9. gelangt u. vernommen, daß Löchle Babl gestorben ist. Unsere Gemeinde hat seit Anfang des Krieges grad schon viele Leute verloren. Gestern besuchte uns sein K. Hoheit der Thronfolger. Ist ein recht freundlicher Mann, er sprach viele von unserer Mannschaft persönlich an. Daß ich das Geld erhalten habe, teilte ich Euch bereits früher schon mit. Herzl. Grüße von Eurem Sohn u. Bruder Alois

Anmerkung: "Löchle Babl" = Barbara Kaufmann (Schwester von Toblars Kaspar, Vorsteher), 14.1.1851 - 20.9.1915

7.10.1915 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern und Geschwister!

Endlich finde ich Zeit Euch eine Karte zu schreiben. Euer erstes Paket hab ich am 3. erhalten wofür ich Euch herzlich danke, hab Alois auch was gegeben. Am 4. fuhren wir weg wo wir waren und gestern kamen wir hier an. Kommen jetzt an eine andere Front, paken den Welschen in den Bergen. Die besten Grüße von Eurem Sohn und Bruder Tone

9.10.1915 im Felde - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Habe Euch bereits gestern mitgeteilt wo wir jetzt sind. Es ist hier recht schön, u. viel die gesündere Luft als im Küstenland. Wenn Ihr mir wieder schreibt, bitte die neue Feldpostnr. 207 zu beachten. Indessen herzl. Grüße v. Eurem dankschuldigen Sohn u. Bruder Alois

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10.10.1915 - Anton Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Muß Euch mitteilen, daß wir jetzt eine andere Feldpost Nr. 207 haben, und jetzt in einer anderen Gegend sind. Wär hier sehr schön wenn wir bleiben könnten aber es geht bald gegen den Verräter. Gestern hab ich wieder einmal die Kommunion erhalten. Es grüßt Euch alle herzlich Tone

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17.10.1915 im Felde - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!
Die herzl. Grüße aus dem Hochgebirge. Bin beinahe 3000 mt. hoch oben. Hat schon mehr als knietiefen Schnee, u. ist schon grimmig kalt dabei. Wenn möglich, würde es mich freuen, wenn Ihr mir Socken u. Handschuhe schicken würdet. nochmals herzl. Gruß v. Alois

22.10.1915 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern und Geschw.

Von Euch gestern das 2. Paket erhalten meinen herzlichen Dank, kann das Zeug schon brauchen, kaufen kann man nichts und Hunger hat man immer. Wenn auf Feldpost 207 kleine Pakete gehen, könntet ihr mir einige Paar Socken schicken. Neues weiß ich wenig, das Wetter ist schön, wenns so bleibt bin ich zufrieden. Die herzlichsten Grüße an Euch alle Tone

24.10.1915 im Felde, nachmittags 2 Uhr - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Gerade jetzt beschießen die Italiener unser Hüttlein mit Granaten. Wir kauern uns an die Wände, damit uns im Falle, daß sie uns in die Hütte treffen, nichts passieren kann. Auf uns haben sie es schon ganz extra abgesehen. Gott sei Dank haben sie uns noch nie herein getroffen. Recht gemütlich ist es nicht, wenn diese eisigen Ungeheuer einem überall aufs Leben gehen.
In der Hoffnung, daß uns heute keiner mehr trifft, grüßt herzlich Alois.

31.10.1915 in den Dolomiten - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe - Gedicht

Lb. Eltern!

Da mir manchmal die Zeit lang wird, habe ich zu dichten angefangen, u. folgendes Gedicht gemacht.

 

Italiener-Krieg

 

Wer kennt wohl  nicht von Euch Daheim

die rauhen Dolomiten,

In denen schon seit Monaten

so heiß wird rumgestritten

Wer uns zu diesem Streite zwang,

Brauch ich nicht zu erwähnen,

Das weiß heut wohl ein jeder Mann.

Es sind die Welschen, die Hyänen.

In diesem Kampfe griffen

nun wir auch tüchtig drein.

Wir wollen's den Hunden zeigen,

daß wir Kaiserjäger sein.

Bei uns da gibt es kein Zaudern,

wir kennen kein Pardon,

wenns manchmal auch erschaudernd,

wir rennen nicht davon.

Wenn auch Schrapnelle und Granaten,

Tod und Verderben speih`n,

das macht uns nicht verzagen,

wir blicken mutig drein.

Und wenn dann zum Schluß die Tschinggerl noch,

mit Sturmangriff probieren,

Deswegen verlieren wir nicht den Kopf,

wir werden's schon kurieren.

Wir lassen sie zuerst einmal,

ganz ruhig näher schleichen,

dann spannen wir den Hahnen an,

und lassens einmal pfeiffen.

Bumm! ein Krach! Ein Schrei,

Aus Dutzenden von Kehlen,

Ein Zeichen, daß bei den Kaiserjägern

nicht alle Schüsse fehlen.

So wiederholt sich dann das Spiel,

immer aufs neue wieder,

sodaß zum Schluß gar nicht mehr viel,

von dem G’sindel bleiben über.

Die anderen packt dann all ein Graus,

sie wollen nicht mehr weiter,

sie fliehn in alle Welt hinaus,

und der Angriff ist gescheitert.

So hauen  wir`s, die Kaiserjäger

vom dritten Regiment.

Und es weiß es auch bereits ein jeder,

der unsere Firma kennt.

Gedichtet am 30. Oktb. 1915 in den Dolomiten von Alois Winkel aus Reuthe.

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1.11.1915 im Felde - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Wir haben heute eine rauhe Allerheiligen; den ganzen Tag Schneesturm. Habt Ihr mein Gedicht erhalten, welches ich gestern an Euch abgesandt habe? Eine kleine Bitte hätte ich noch an Euch; nämlich eine Tabakspfeife hätte ich gern, damit ich für die Langeweile ein wenig rauchen könnte. Aber eine hölzerne möchte ich am liebsten, und dazu etwa 2 bis 3 Reserve Spitzen. Meine Bitte nochmals wiederholend, grüßt Euch herzlichst Euer dankschuldiger Sohn Alois.

7.11.1915 im Felde - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Paketle alle drei erhalten, wofür ich bestens danke. Pelzweste braucht Ihr mir nicht zu senden, da wir welche ausgefaßt haben.

Lepölder Jokele soll gefallen sein. Wo war er denn eigentlich in letzter Zeit? Früher war er doch bei der Festungsartillerie. u. da glaube ich kaum, daß ihm etwas passiert wäre. Woher wißt Ihr, daß Mahlers Josef gefallen ist?

Heute haben wir wieder wunderschönes Wetter, die letzten Tage aber waren miserabel. Mit nochmaligem Dank fürs Gesandte grüßt Euch alle Alois.

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7.11.1915 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.

Muß endlich wieder etwas hören lassen von mir, hab jetzt wenig Zeit zum schreiben. Eure Karten, Briefe und Pakete hab ich gesund und wohl erhalten, kann das Zeug wohl brauchen. Von Alois weiß ich nichts, hab ihm auch geschrieben. Schließe mein Schreiben denn ich bin ganz Schneeblind. Die herzlichsten Grüße an Euch alle Tone

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10.11.1915 im Felde - Alois Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Heute ist bei uns der Erlass heraus, das Urlaube verteilt werden können auf Angabe von Gründen, da ich aber immer noch beim Marschzug zugeteilt bin u. dieser Zug keinen Anspruch hat, so möchte ich es mit einem Gesuch versuchen, bei welchem Ihr mir behilflich sein könnt. Drum bitt ich Euch recht herzlich, mir ein ähnliches Gesuch wie früher nach Steiermark hierher zu senden. Ich hoffe das Beste!

Bin jetzt schon eine Woche krank geht aber bis in ein paar Tagen schon wieder. Anton hat  mir vor einer Woche auch geschrieben, er ist gesund nur Langweile hat er. Alois schreibt mir nie, habe gestern beiden geschrieben.

Die Karte von Schwester Theres hab ich erhalten wofür ich ihr herzlich danke.

Beim Vetter Lorenz war ich schon wieder öfters, er lässt Euch auch immer grüßen er will nächsten Sommer, wann der Krieg zuende ist Euch einmal auf Besuch kommen.

In der Hoffnung, dass Ihr diesem meinem Wunsche entgegen kommt schließe ich mein Schreiben und verbleibe Euer dankschuldiger Sohn

Grüße an Mama u. Geschwister

18.11.1915 - Anton Winkel an die Mutter in Reuthe

Liebe Mutter!

Vor allem anderen wünsch ich Euch liebe Mutter zum heiligen Namensfeste alles Gute und daß Ihr diesen Tag noch oft erleben könnt und wenn uns Söhnen das Glück beschieden sein wird, wieder in unser liebes Elternhaus zurück zukehren, so wollen wir noch manches Jahr diesen Tag im Kreise unserer Eltern und Geschwister verbringen. Die Post von Euch hab ich alle erhalten, auch die 2 Paketle vom 1. November, nur das eine fehlt noch. Ich bin so immer ziemlich gesund, was noch das beste ist, in diesen einsamen verschneiten Dolomiten. Haben in den letzten Tagen fürchterliche Schneestürme gehabt, wovon Ihr Euch überhaupt keinen Begriff macht und ist erst November, wie wird’s weiter gehen, aber hoffentlich wird’s nicht den ganzen Winter gehen. Denkt an die Kanisfluh und noch etwa 500 m höher oben stehen wir und rings um uns solche kahle Felsen wo der Sturm prasselnd drüber fegt wo tausende in kalter Nacht ihr Vaterland vor dem tükischen Feinde schützen und viele ihr Herzblut hergeben müssen aber so Gott will werden wir doch noch als Sieger aus diesem Weltringen heim gehen. Und wenn mir das Glück beschieden ist, wieder heimzukehren zu unseren Lieben dann wollen wir Gott auf den Knien danken. Jetzt muß ich aber schließen denn es friert mich. Meine Wünsche wiederholend grüßt Euch und alle Euer dankschuldiger Sohn Tone.

 

Geschrieben in einem Erdloch welches 13 Mann als Unterkunft dient.

19.11.1915 im Felde - Alois Winkel an die Mutter in Reuthe

Lb. Mutter!

Vor allem andern die aufrichtigsten Glück- u. Segenswünsche zu Eurem lb. Namenstag. Möge Euch dieser Tag noch recht oft in froher Gesundheit u. Zufriedenheit beschieden sein. Will Gott können wir Euren nächsten Namenstag bei Euch daheim feiern; dann braucht Ihr nicht mehr so viel Kummer und Sorgen über uns zu haben.

Nach der gegenwärtigen Kriegslage wäre doch bald auf einen Frieden zu hoffen. Bei uns  lassen die Wetterverhältnisse vorläufig keine größeren Operationen zu. Wer kann bei so hohem Schnee u. bei dieser grimmigen Kälte etwas machen. Ich meine der Krieg nimmt sein Ende dort, wo er seinen Anfang nahm.

Nun schließe ich aber mein Schreiben für heute; denn ich habe einen schlechten Schreibtisch. Auf den Knien in einem dunklen kalten Loch muss ich schreiben. Unsere Hütte ist ganz zu vergleichen mit einem Ziegenstall. Niedrig, dunkel, kalt und als Zierde Läuse u. Mäuse.

Paket bis jetzt noch nicht erhalten.

Indessen tausend herzl. Grüße v. Eurem dankschuldigen Sohn Alois.

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22.11.1915 im Felde - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Heute bei wunderschönem Wetter in der allergemütlichsten Seelenstimmung senden Euch die herzl. Grüße, die gesamte Mannschaft v. d. Feldwache N. 2 u. 3.

Alois Winkel

nur Paket mit Esswaren erhalten

23.11.1915 im Felde - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Soeben Mittag 12 h fuhr eine 15 cm Granate einige Meter vor unserer Hütte in den Felsen, worauf ein ganzer Hagel von Steinen und Granaten-Stücken in unsere Hütte flog. Das ganze Dach war zu Fetzen, 2 Uhren hin, ein paar Beulen wurden davongetragen, u. dann wars vorbei. Wir hätten ganz gut alle 14 Mann hin sein können. Herzl. Grüße von Alois

25.11.1915 im Felde - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Halbelf Uhr Nachts ist, u. wir sitzen vergnügt beim warmen Ofen u. plaudern von Daheim. Schläfrig sind wir noch nicht, weil wir meistens bis Mittag liegen. Ein schönes Leben nicht wahr. Ich muss sagen, mit geht es wirklich gut. Wenn mich schon die Katzelmacher alle Tage tüchtig ins Feuer nehmen, erwischen tun sie mich doch nicht.

Viel tausend Kugeln haben sie schon auf uns geschossen, aber nie getroffen. Hab ein Riesenglück. Herzl. Grüße von Alois

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27.11.1915 - Jod. Alois Felder an Familie Winkel , Französle

Werther Herr Winkel!

Im Auftrage Ihres Sohnes Alois theile ich Ihnen mit, daß derselbe gestern abends verwundet wurde und zwar ein Schuss durch die Schultern. Die Verwundung ist ganz ungefährlich und Ihr braucht Euch keinen Kummer zu machen. Wird heute ins Spital abtransportiert. Herzlichen Gruß Jod. Alois Felder, Holzhändler

2.12.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Geht mir ganz gut hier. Hab allerdings zeitweilig ziemliche Schmerzen, aber das muss man überwinden. Schreiben geht schlecht, weil ich die Hand nicht gut bewegen kann. Mit Besuchen wollt Ihr noch warten weil wir dieser Tage jedenfalls in ein anderes Spital transportiert werden. Bregenz oder Umgebung. Grüße von Alois

3.12.1915 - Anton Winkel an Bruder Jakob in Reuthe

Lieber Bruder!

Deinen lieben Brief erhalten, herzlichen Dank dafür. Die Ökonomie steht also demnach gut, sie wird einen tüchtigen Verwalter haben. Bin ganz gesund wenn ich nicht soviele Nagetiere hätte könnte ich zufrieden sein. Vielleicht könntest du mir ein Mittel senden gegen diese Plagen auch ein Tabakpfeifchen könnte ich brauchen. Sei vielmals gegrüßt von deinem Bruder Tone.

4.12.1915 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Heute Karte v. 2. Dez. erhalten. Ihr fragt mich, ob ich von Tone nichts wisse. Da muss ich zur Antwort geben, nein. Ich sah ihn nicht mehr seit 15. Oktober, wie wir in Stellung gegangen sind. Hat er schon länger nicht mehr geschrieben?

Heute werde ich jedenfalls in ein anderes Spital kommen, aber wahrscheinlich nicht weit von hier. Bregenz oder Umgebung. Wenn ich dann dorten bin, werde ich Euch mitteilen, wann Ihr mich besuchen könnt. Die ersten 5 Tage mußten wir natürlich ... in bleiben.

Schade, daß ich Bruder Franz nicht mehr getroffen habe. Mein Gesundheitszustand ist mit Ausnahme v. etwas Schmerzen gut. Die Wunde heilt schon ganz schön. Ihr braucht also keinen Kummer zu haben. Herzl. Grüße von Eurem dankschuldigen Sohn u. Bruder Alois

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4.12.1915 - Anton Winkel an die Mutter in Reuthe

Liebe Mutter!

Euren Brief und Paketle alle erhalten. Danke vielmals dafür, a Pelztüchle brauch ich keines, verzeihe wenn ich so wenig schreibe, ich hab wenig Zeit dazu und ist auch kalt. Bin gesund und munter was das beste ist, nur Läuse habe ich wie Ochsen. Neues weiß ich nichts, es geht immer im gleichen Tempo vorwärts. Es grüßt Euch recht herzlich Tone

10.12.1915 Bregenz - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Habe bezüglich der Transverierung nach Dornbirn bereits Vorkehrungen getroffen. Herr Chefarzt hat mir bewilligt. Werde wahrscheinlich nächster Tage hinkommen. Gestern besuchte mich Post Josefo Mari und brachte mir feine Torte u. Äpfel. Meine Besuche kommen immer ganz unerwartet. Herzl. Grüße Euer Alois

14.12.1915 Bregenz - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!
Wie ich vermute glaubt Ihr, daß ich schon in Dornbirn wäre. Schneiders Vere wird Euch den Bericht gebracht haben. Am selben Samstag hieß es nämlich ganz bestimmt, daß wir fortkommen, und z. Schluß erfuhr man, daß kein Platz mehr in Dornbirn sei, vorläufig. Muss man halt warten. Herzl. Grüße Alois

15.12.1915 Bregenz Spital - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!
Zugsführer Haller und ich sitzen heute Abend gemütlich bei einem Glas Wein u. er erzählt mir von Sibirien. Er ist nämlich als Invalide ausgetauscht worden. Herzl. Grüße Alois

Viele Grüße sendet Josef Haller. Der Lorenz war mein bester Kamerad in der Offiziers Dienstzeit.

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16.12.1915 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.!

Die 2 Paketle von Euch gestern abend erhalten hat mir gut gemundet, die Bäckerei ist besser als unser Bims, auch das Pfeiferl freut mich, hab gleich eins eingefüllt.

Herzlich dankend grüßt Euch alle Tone

Brief folgt

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21.12.1915 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern und Geschwister!

Nun muß ich Euch einmal ein Brieflein schreiben, es ist schon lange her seit dem letzten Mal. Die Post von Euch habe ich erhalten, auch den Landj. und Laussalbe. Die Salbe hab ich schon erprobt und bin zu der Überzeugung gelangt, daß sie wenig wert hat. Übrigens ist es jetzt mit den Ludern ein wenig besser. Was die Gesundheit anbelangt kann ich gerade nicht klagen, das Wetter ist jetzt ziemlich günstig, keine große Kälte. Nur noch einige Tage und das hochheilige Weihnachtsfest ist da, wenn ich so zurückdenke an das letzte Jahr da konnte ich Weihnachten noch zu Hause feiern und hauen in den heiß umstrittenen Dolomiten, welch ein Unterschied aber wegen dem wird’s feiern grad so feierlich werden, wenn wir das Stille Nacht Heilige Nacht im trauten Kreise singen werden und dabei an unsere Lieben in der Heimat denken. Ich schließe mit den besten Weihnachtsgrüßen Euer dankschuldiger Sohn und Bruder Tone.


Fröhliche Weihnachten! Heil und Sieg

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23.12.1915 Bregenz - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Bin seit drei Tagen in der Mehrerau. Böhl. ?? ließ bisher noch nichts hören. Wird jetzt auch nicht mehr kommen. Herzl. Grüße Euer Alois

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25.12.1915 Bregenz Mehrerau - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Meine lb. Eltern u. Geschwister!

Heute will ich euch nun wieder einmal einiges über mein Befinden mitteilen. Die letzten fünf Tage bin ich wieder gelegen, hatte Fieber und auch noch Angina dazu bekommen. Heute konnte ich wieder das erste mal das Bett verlassen.

Langweilige Weihnachten. Hatten gestern allerdings auch eine Christbaum-Feier, aber ich konnte nicht teilnehmen. Dafür bekamen wir auf unser Zimmer einen extra Christbaum. Wir sind nur zwei Mann allein in einem schönen Zimmer. Herr Landeshauptmann Rhomberg mit Frau u. Herr Hofrath Baldauf mit Frau u. Sohn besuchten uns und brachten Geschenke. Könnt Euch denken, daß wir uns da sehr geehrt gefühlt haben. Ich glaubte ich wäre wenigstens ein türkischer Pascha.

Von Böhl. kommt doch nichts, er bringt scheints den Mut doch nicht auf gegen mich aufzutreten.

Viele Grüße an Euch alle v. Eurem dankschuldigen Sohn u. Bruder Alois

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28.12.1915 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Ein Paket gestern abend erhalten, herzlichen Dank für die guten Sachen, werde sie mir gut schmecken lassen. Wünsche Euch zum neuen Jahr alles gute, und wir wollen hoffen, daß dieser böse Krieg bald ein Ende nimmt. Neues weiß ich nichts besonderes, bin gesund und wohlauf. Nochmals das Beste wünschend grüsst Euch alle Tone

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1.1.1916 Mehrerau - Alois Winkel an den Vater in Reuthe

Lb. Vater!

Das Geld gestern dankend erhalten. Hätte jedoch vorläufig noch keines benötigt. Herzl. Grüße an Euch Alle v. Alois

 

28.12.1915 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Ein Paket gestern abend erhalten, herzlichen Dank für die guten Sachen, werde sie mir gut schmecken lassen. Wünsche Euch zum neuen Jahr alles gute, und wir wollen hoffen, daß dieser böse Krieg bald ein Ende nimmt. Neues weiß ich nichts besonderes, bin gesund und wohlauf. Nochmals das Beste wünschend grüsst Euch alle Tone

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1.1.1916 Mehrerau - Alois Winkel an den Vater in Reuthe

Lb. Vater!

Das Geld gestern dankend erhalten. Hätte jedoch vorläufig noch keines benötigt. Herzl. Grüße an Euch Alle v. Alois

 

6.1.1916 Mehrerau - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Alles gut gegangen. Frisch gewagt ist immer halb gewonnen. Schön war es halt doch. Vielleicht bietet sich wieder einmal eine Gelegenheit.

Neugierig wie lange ich noch in Mehrerau bleiben kann. Am Ende komme ich gar noch ins Hinterland. Nun lassen wir’s halt dem Schicksal über, wo es hin geht. Man lebt ja überall, nur nicht überall gleich gut.

Tausend Grüße v. Eurem dankschuldigen Sohn Alois.

11.1.1916 - Anton Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Zu Eurem heiligen Namensfeste, die herzlichsten Glück- und Segenswünsche, wir wollen hoffen, daß wir diesen Tag noch oft in vollster Gesundheit miteinander erleben können! So Gott will wird dieser unglückselige Krieg bald ein Ende nehmen, und dann werden wir als frohe Sieger ins Elternhaus zurückkehren und noch manches Jahr in Glück und Frieden miteinander verbringen. Den Brief von Mutter gestern erhalten und daraus vernommen, daß Euch Alois besucht hat. Wußte er nicht ob er schon bald wieder einrücken muß? Mit dem Urlaub geht’s hier nicht gut, es werden schon hie und da beurlaubt, aber dann nur die, die am längsten im Felde stehen. Was meine Gesundheit anbelangt bin ich ganz zufrieden, kann mich nicht beklagen. Von Franz Josef hab ich auch eine Karte erhalten, an welcher Front steht er eigentlich? Bekannte hab ich gar keine hier. Ich schließe mit vielen Grüßen an Euch und alle Euer dankschuldiger Sohn Tone

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13.1.1916 Res.Spital Mehrerau - Alois Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Vor allem anderen die aufrichtigsten Glück- und Segenswünsche zu Eurem Namenstage. Möge Euch der lb. Gott nur noch recht viele Jahre gesund erhalten. Die Eltern sind doch immerhin das kostbarste Gut, das ein Kind nur haben kann, und speziell in dieser schweren Zeit.

Gestern besuchte ich die Familie Jörg. Hat mir recht gut gefallen dort. Sind recht nette Leute. Man hat mir recht fein aufgewartet.

Habt Ihr von Franz noch keine Adresse? Wundert mich wo denn der hingekommen ist.

Meine Glückwünsche nochmals wiederholend grüßt Euch herzlich Euer dankschuldiger Sohn Alois.

P.S. Da ich mir noch verschiedenes angeschafft habe, und mein Geldbeutel deshalb die Schwindsucht bekommen hat, bitte ich Euch um etwas Geld.

19.1.1916 Bregenz - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Teile Euch mit, daß bei uns gestern ausgemustert wurde. Viele gehen wieder an die Front. Mir ging es auch nah daran, aber ich habe mich tüchtig gewehrt. Werde in Bälde in ein Rekonvaleszentenheim kommen. Herzl. Grüße Alois

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27.1.1916 Bregenz - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern,

Teile Euch kurz mit, daß ich morgen von hier abreise. Wohin weiß ich noch nicht. Jedenfalls ziemlich weit von hier.

Lebt wohl!

Herzl. grüßend Alois

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27.1.1916 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschw.

Karte und Paketle erhalten, wofür ich herzlich danke, konnte das Zeug gut brauchen hatte gerade Husten und Kathar. Hab jetzt wieder mehr Zeit zum schreiben, weil wir jetzt Reserve sind, waren 14 Wochen in Stellung 25 – 2800 m hoch. Es grüßt Euch alle herzlich Tone

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6.2.1916 Lambach - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Habe das Geld erhalten, wofür ich Euch bestens danke. War mir nicht angenehm Euch schon wieder um Geld bitten zu müssen. Habe allerdings etwas mehr gebraucht als unumgänglich notwendig gewesen wäre, aber wenn man bedenkt, wie teuer heute alles ist, so ist es auch zu begreifen wie geschwind ein Haufen Geld verbraucht ist. Ich habe das Geld ja nicht alles unnötig verklopft; ich habe mir noch verschiedene notwendige Sachen angeschafft. Ich werde jedoch in Zukunft so sparsam leben wie möglich, um Euch nach Möglichkeit weitere Auslagen zu ersparen. Bitte Euch also um Verzeihung, daß ich Euch so viele Kosten gemacht habe.

Könnte jetzt in die Chargenschule gehen, aber ich weiß nicht soll ich, oder nicht. Zur Marine hätte ich auch können, aber ich möchte nicht ohne Euer Wissen handeln.

Meinen innigsten Dank nochmals wiederholend grüßt Euch herzl. Euer dankschuldiger Sohn Alois

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8.2.1916 Lambach - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Meine lb. Eltern!

Mutters Brief vom 4. Feb. erhalten. Habe selbst schon daran gedacht, den Koffer von Lorenz zu beheben. Da ich aber jedenfalls noch Urlaub bekomme, möchte ich bis dorthin warten, damit ich dann den Koffer selbst mit nach Haus nehmen könnte.

Betreffend der Urlaubsgesuche, möchte ich noch folgendes bemerken: Wenn Ihr mir noch keines gemacht habt, braucht Ihr mir auch keines mehr zu machen, denn es sind inzwischen wieder andere Verordnungen eingetreten, welche auch ohne Gesuch immer Urlaub ermöglichen. Sollte ich aber trotzdem keinen kriegen, nun dann muss es halt anders auch wieder gehen.

Heute besuchte ich das erstemal die Chargenschule. Ging ganz gut.

In der Hoffnung, daß Euch dieser Brief alle gesund antreffe, grüßt Euch herzl. Euer dankschuldiger Sohn Alois.

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8.2.1916 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern und Geschw.!

Die Karte von Theres erhalten. Ihr schreibt mir ich soll Euch schreiben, hab Euch vor 10 Tagen eine Karte geschrieben. Paketle hab ich nur 2 erhalten, das eine mit Käse und eines mit Bärendreck und Gerstenzucker. Von Götes Emma hab ich gestern auch Landjäger erhalten. Franz Josef hab ich auch geschrieben, ich weiß nicht was das ist mit der Post.

Es grüßt euch herzlich Tone

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16.2.1916 Lambach - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Bin heute im Magazin gewesen wegen Montour. Da wurde mir gesagt, daß sie schon oft, durch Eure Schreiben ermahnt, nachgeschaut haben, aber bisher das Sakie noch nicht gefunden haben. Man versicherte mir, nächstens noch einmal genau nachschauen zu wollen, u. wenn sie es gefunden haben, sofort an Euch abzusenden. In dem Magazin herrscht ein furchtbarer Wirrwarr.

Auf baldiges Wiedersehen Euer Alois

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19.2.1916 im Feld - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschw.!

Endlich komm ich dazu Euch einige Zeilen zu schreiben. Hab das Paketle und die Karte schon längst erhalten, hab nur keine Zeit gehabt zum schreiben. Ihr müsst Euch nämlich nicht vorstellen, daß es in der Reserve so fein ist. Da heißt’s arbeiten und Proviant tragen in … (zensuriert) … Es grüßt Euch alle herzlich Euer Sohn und Bruder Tone

Bitte schickt mir Spielkarten, denn in Stellung können wirs brauchen.

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23.2.1916 im Feld - Anton Winkel an die Mutter in Reuthe

Liebe Mutter!

Deine Karte und Paketle mit Freuden erhalten, herzlichen Dank dafür, hab Euch gestern eine Karte geschickt, mit der Bitte mir Spielkarten zu schicken. Von Götes Gebhard hab ich keine Post erhalten. Mit Urlaub geht es ziemlich schwer und im Frühjahr … (zensuriert) … dann gibt’s so wie so keinen mehr.

Viele Grüße von Tone

("Götes Gebhard" = Gebhard Wüstner, Bezau, Greben 242 - geb. 28.11.1895, gest. 3.2.1979)

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28.2.1916 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern!

Muß Euch noch eine Karte senden jedenfalls die letzte aus den Dolomiten, gehen nämlich die nächsten Tage weg von hier, wohin, ist mir ein Rätsel, entweder ins Südtirol oder an Isonzo zur Offensive. Habe mehrere Bekannte getroffen, darunter Brogers Vere, Hagers Michel der zweite und Sutters Michel.

Herzlichen Gruß Tone

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4.3.1916 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschw.

Gestern 2 Paketle erhalten, meinen herzlichen Dank, haben schon einen Jasser gemacht. Von Alois hab ich die Karte auch erhalten. Der Kerl hat Glück den ganzen Winter im Hinterland. Sonstige Neuigkeiten weiß ich keine. Herzlichen Gruß an Euch alle Tone

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5.3.1916 im Feld - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.

Die beiden Paketle erhalten, und auch die Karte von Mutter. Ihr müsst verzeihen wenn ich nicht öfter schreibe, über das was hier vor geht, darf man gar nichts schreiben und sonst weiß ich nichts. Hauptsache ist Gesundheit. Es grüßt Euch alle herzlich Tone

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19.3.1916 Wimbsbach - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Teile Euch mit, daß ich in einigen Tagen von hier abreise. Bin ganz gern hier, sind lustige Kollegen beieinander. Gestern haben wir wieder den Fahneneid geleistet.

Haben recht schönes Wetter gegenwärtig. Schwitzen muss man schon den ganzen Tag.

Herzl. Grüße Alois

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20.3.1916 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.

Endlich komm ich wieder einmal dazu Euch einige Zeilen zu schreiben, hab von Euch auch schon ziemlich lange nichts mehr gehört, ist halt eine kleine Stokung auf der Post. Wir haben jetzt eine andere Feldpost Nr. nämlich 323. Ich schließe mit vielen herzlichen Grüßen Tone

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24.3.1916 Lambach - Alois Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.

Lb. Eltern, Gott sei Dank habe ich die ?? überstanden. Nun frißt er halt wieder, mit frischem Mut voran. Mein zukünftiger Aufenthalt ist mir noch ein Rätsel. Sobald ich näheres weiß, werde ich Euch berichten.

Mit tausend Grüßen Euer dankschuldiger Sohn u. Bruder Alois

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25.3.1916 Wimsbach - Alois Winkel an die Familie in Reuthe

Lb. Eltern!

Ist doch endlich die Natur in Schwung gekommen. Ich bin den Herren einmal anders hinein gefahren. Da haben sie gelernt suchen.

Jetzt sind wir keinen Tag unser sicher, wann wir fort müssen.

Herzl. grüßend Alois

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29.3.1916 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern und Geschw.!

Vor allem grüße ich Euch alle recht herzlich, ich bin gesund und munter, was ich von Euch allen auch hoffe. Ich habe von Euch schon lange nichts mehr erhalten, bekomme überhaupt keine Post jetzt. Hab gestern Baschan aus Bersbuch getroffen, einen schönen Gruß von ihm. Ich schließe mit vielen Grüßen Tone

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1.4.1916 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschw.!

Muß es endlich noch einmal versuchen, was ist denn mit Euch, hab schon 4 Wochen nichts mehr gehört von Euch. Ihr werdet hoffentlich gesund sein wie ich es auch von mir sagen kann. Hab gestern wieder mehrere Bekannte getroffen, darunter auch Rösles Gebhard. Von Alois hab ich gestern auch eine Karte erhalten. Es grüßt Euch alle herzlich Tone

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11.4.1916 im Felde - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.!

Muß nun endlich einmal fragen was es denn mit Euch ist, daß ihr nichts von Euch hören lasset. Hoffentlich ist alles gesund und munter was ich auch von mir sagen kann. Neues kann ich Euch nichts schreiben, weil man doch nichts schreiben kann. Es grüßt euch alle herzlich Tone

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22.4.1916 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.!

Eure beiden Paketle gestern abend mit Freuden erhalten, meinen herzlichsten Dank dafür, die Sachen schmecken mir tadellos. Ich hab einmal um Kerzen geschrieben, schickt mir lieber einen Wachsrodel weil er kleiner ist. Herzliche Grüße von Eurem Tone

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30.4.1916 im Felde - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.!

Weil heut weißer Sonntag, und so schönes Wetter ist, so muß ich euch ein Kärtchen senden. Gestern das Paketle mit den Kerzen erhalten, Danke vielmals dafür. Von Bäsle Katharina hab ich auch ein Päkle bekommen. Vielleicht komm ich bald auf Urlaub. Herzliche Grüsse an Euch alle Tone

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5.5.1916 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe - letzte Karte von Anton

Liebe Eltern u. Geschw.!

Die Karte von Theres hab ich erhalten auch die Paketle alle drei, meinen herzlichsten Dank. Joko Anton ist auch in meiner Nähe, treffen uns öfters. Wie geht’s denn Franz Josef und Alois, wo sind sie denn? Zündhölzer und Schmirgelpapier könnt ich brauchen. Hier ist es noch saumäßig kalt, spüren also vom schönen Mai noch wenig. Viele herzliche Grüße an Euch alle Tone

 

Vermerk auf der Karte (wahrscheinlich von der Mutter):

„Letzte Karte vom lieben unvergesslichen Toni“

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13.5.1916 - Alois Winkel an die Familie in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Teile Euch mit, daß ich schon wieder meinen Aufenthaltsort gewechselt habe. Bin der Front bedeutend näher gerückt. Wird jedenfalls nicht mehr allzulange dauern bis ich zur Front komme. Dann werden wir den Italienern gemeinsam an den Leib rücken. Befinden den Verhältnissen angemessen. An Gewicht bedeutend verloren; aber man ist ja schließlich nicht zum mästen da. Herzl. Grüße v. Sohn u. Bruder A. Winkel

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20.5.1916 Innsbruck - an Vater Anton Winkiel

Anton Winkel heute gestorben. Beerdigung 22. Mai 2.30h Nachmittag.

Klinisches Reservespital Innsbruck

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Anton Winkel

Anton Winkel, geboren in Reuthe, Hof 2 - Als 3. Sohn gefallen im 1. Weltkrieg mit 20 Jahren, gestorben in der Klinik in Innsbruck an den Folgen eines Kopfschusses - Anton rückte am 15.4.1915 nach Trient ein und kam zur Grenzsicherung nach Südtirol. 23.5.1915 Kriegserklärung Italiens, bis 4.10.1915 Isonzofront; bis 23.1.1916 im Pustertal. Nachher Maioffensive bei Folgaria (Pioverna) und wurde am 15.5.1916 bei einem Sturmangriff durch Kopfschuß schwer verwundet. Kam ins Spital nach Innsbruck, wo er am 20.5.1916 starb und im Soldatenfriedhof beerdigt wurde - Kaufmann Oswald: "Kriegschronik Reuthe 1914-1918", Seite 87

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24.5.1916 - Lotte Winkel, Innsbruck, an Familie Anton Winkel in Reuthe über Tod von Pius

Liebe Verwandte!

Vor allem unser innigstes Beileid zu dem schweren Verluste, den Ihr erlitten habt! Heute erst haben wir Euren lb. Brief erhalten, der uns den Tod Eures lb. Sohnes Anton anzeigte. Natürlich sind wir sofort in das Klinische Reserve Spital gegangen und hielten Nachfrage. Die Spitalsverwaltung hatte gerade auch einen Brief von Euch bekommen. Wir haben es dann übernommen Alles zu berichten was man erfahren kann. Es kommen ja so schrecklich viele Anfragen an das Spital, dass es der Verwaltung unmöglich ist alle gleich zu beantworten.

Ich war heute selbst im Spital und habe mit den Schwestern die Euren Sohn pflegten gesprochen. Er hatte einen schweren Kopfschuss! Zuerst war er noch bei Besinnung und wurde mit den hl. Sterbsakramenten versehen. Die Schwestern haben noch mit ihm gesprochen, 4 oder fünf kamen her, und sagten sie hätten ihn so gern gehabt er wäre so nett gewesen. Einige Zeit vor seinem Tode verlor er die Besinnung. Sie sagten Alle er hätte eigentlich einen leichten Tod gehabt. Versehen mit den hl. Sterbsakramenten war er, Schmerzen hatte er jedenfalls keine mehr und er war auch nicht mehr beim Verstand um zu fühlen, dass er sterben musste. Wir wären so gerne zur Beerdigung Eures lb. Anton gegangen er wurde aber schon am 22.5. begraben. Auf dem Soldatenfriedhof, der draußen beim Garnisonsspital ist wurde ihm das Kreuz gesteckt. Morgen gehen wir hinaus und beten ein paar Vaterunser und geben ihm das Weihwasser. Da liegen noch viel Krieger draußen und kommen jeden Tag viele hinaus! Trösten kann Euch, dass er als Held in getreuer Pflichterfüllung für sein Vaterland gestorben ist. Bitter ist es ja einen jungen hoffnungsvollen Menschen zu verlieren und die Angehörigen sind immer tief zu bedauern. Es tut uns leid dass wir gar nicht davon wussten, dass Euer lb. Sohn in Innsbruck im Spital lag. Es kommen aber jeden Tag hunderte von verwundeten Soldaten von der Südfront! Jeden Tag sterben auch viele, hin und wieder liest man einen in der Zeitung, aber lange nicht Alle stehen darin. Wenn Ihr uns den Tod Eures Sohnes nicht mitgeteilt hättet, wir hätten nur durch einen Zufall davon erfahren können. Die Spitalsverwaltung wird nicht mehr schreiben, weil weiter nichts mehr zu berichten ist. Nochmals im Namen meiner lb. Angehörigen drücke ich das tiefste Beileid aus!

Mit besten Grüßen
Eure Base Lotte Winkel

(Anmerkung: Lotte Winkel war die Tochter von Lorenz Winkel, geboren in Oberbezau 168, und die Schwester von Dr. Herbert Winkel - siehe Sterbebilder unten)

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25.5.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Soeben erfahre ich durch Hochwdg. Herrn Pfarrer, daß Bruder Anton am 20. Mai gefallen ist. Gott gebe ihm den Frieden. Mich hat das nicht gar so arg erschreckt, denn ich hatte schon längst eine Ahnung v. Kommenden. Der Krug geht eben so lange zum Brunnen bis er bricht. Ja meine lb. Eltern! Da wird einem das Herz wie ein Stein, wenn man das alles mitmachen muss. Doch viel härter noch als mich wird es Euch ankommen. Ich bin wirklich schon ganz abgestumpft, und eine Träne ist mir bald etwas fremdes, und das liebste wäre mir dort zu sein wo meine drei Brüder sind. Was wird mir schließlich auch anderes beschieden sein. Ich ahne, und meine Ahnungen täuschen mich selten. Wie wird mein lb. altes Mütterlein sich wieder grämen und kränken über diesen Verlust, und der greise Vater muss das alles auch noch erleben.

Doch meine Lieben tröstet Euch es gibt ja einmal ein Wiedersehen an einem anderen Ort.

In der Erwartung bald näheres zu erfahren grüßt Euch Euer danksch. Alois

Mein innigstes Beileid Euer Bekannter Hans Meusburger

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8.6.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Besten Dank für die zwei Paketle und Karte. Bin recht froh um die Sachen. Hätte noch ganz gern ein paar Sacktüchlein. Ich habe in der gelben Komode in meiner Kammer einige Zigaretten-Etuis. Schicket mir das gelblederne davon, aber nicht das silberne.

Wann steckt man Tonen s`Kreuz? Mir geht’s soweit gut. Bin zufrieden.

Tausend Grüße v. Sohn u. Bruder Alois

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21.6.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Zwei Paketle erhalten. Ist mir recht wenn Ihr mir alle Wochen etwas schickt. Kanns gut brauchen. Morgen werde ich Euch einen längeren Brief senden. Bin zufällig auf dem Pivenna Alta auf welchem Tone verwundet wurde. Näheres morgen. Herzl. grüßend Alois

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27.6.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Bin jetzt beim Regiment. Geht mir gut. Bitte meine neue Adresse zu beobachten. Herzl. Gruß Alois

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29.6.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Gedachte heute auch meines lb. Bruders Tone im Gebet. Waren viele Leute bei der Kreuzsteckung? Wie schade, daß er nicht mehr hier ist, jetzt könnten wir so schön beieinander sein. Habt Ihr meine letzten Schreiben erhalten wo ich Euch mitteilte, daß ich auf jenem Berg war auf welchem Tone verwundet wurde? Gruß Alois

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2.7.1916 - Alois Winkel an Bruder August in Reuthe

Lieber Bruder!

Wirst schon entschuldigen, daß ich Deinen letzten Brief erst heute beantworte, aber wenn Du meine Einrichtung sähest würdest Du es auch ganz gut begreifen, daß ich manchmal lange warten lasse, denn erstens muss ich am Bauch liegend schreiben, und zudem mußte ich heute einigemale schleunigst fliehen, weil die Italiener immer Granaten auf mich herschossen? Also nicht besonders gemütlich zum Schreiben.

Sendet mir gelegentlich einen Bogen Schmirgelpapier. Herzl. Grüße an alle v. Bruder Alois

 

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15.7.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Heute seit drei Wochen wieder die erste Nachricht v. Euch erhalten, 2 Briefe v. 2.7. u. 4.7. Wundert mich daß Ihr jenen Brief in dem ich bezüglich Tones Tod schrieb nicht erhalten habt. Hab Göte u. Bäsle Anna ebenfalls davon berichtet. Fragt mal nach ob selben erhalten. War allerdings etwas vielsagender Inhalt. Paketle mit Bäckerei, Zucker, Landjäger, Sacktücher u. etc. erhalten. Herzl. Grüße v. Alois. Brief folgt

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17.7.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Meine lieben Eltern u. Geschwister!

Gott sei dank bin ich wieder einige Tage außer Gefecht. Ihr werdet wohl wieder Kummer gehabt haben, weil so lange kein Schreiben mehr von mir eingelangt war. Leider war es mir in den letzten Tagen unmöglich, denn wir standen ununterbrochen dicht an dem Feind und kämpften auf Tod und Leben. Ja meine Lieben: Wer hier lebend davon kam, der muss offenbar von höchster Seite Schutz gehabt haben; denn sonst wäre es nicht mehr möglich gewesen. Ich habe in Galizien (Karpathen) auch hitzige Schlachten mitgemacht, aber noch furchtbarer als jene waren diese letzten Tage. Aber trotzalldem hielten wir wacker stand und machten es den Schweinehunden trotz wiederholter Versuche ganz unmöglich auch nur einen Schritt vor zu kommen. Für unsere tapferen Leistungen sind wir nun in großer Anzahl zur Tapferkeitsmedaille eingegeben worden, auch ich soll dabei sein. Völlig wahnsinnig sind wir bald alle gewesen, von den furchtbaren, einfach nicht zu beschreibenden Feuer der Welschen Bagage.

Am meisten kränkt es mich daß ich meine besten Kameraden alle verloren habe, teils verwundet, u. teils tot. Wie gesagt, ich hätte für mein Leben keinen Heller mehr gegeben.

Ist die Feldpost noch nicht offen? Hab immer Zündholzmangel, Briefpapier u. Feldpostkarten sollte ich auch notwendig haben. Rüschers Michle Hans ist am 13. Juli v. einer Handgranate am rechten Aug leicht verwundet worden.

Kann von Glück reden. Ich würde ihm gleich tauschen.

Seid Ihr bald fertig mit heuen? Hat es viel Heu gegeben?

Hier hat es massenhaft Alpenrosen, aber kalte Winde fegen über dieses Gebirge, so daß man sich schon bald wieder um Winterwäsche schauen muss.

Hat Tone etwas gezogen aus der Kriegsverschreibung?

In der Hoffnung, daß Euch dieser Brief alle gesund antreffe, grüßt herzlich Euer dankschuldiger Sohn u. Bruder Alois

 

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18.7.1916 - Alois Winkel an Bruder Jakob

Lieber Bruder!

Die aufrichtigsten Glückwünsche zum Namenstage sendet Dir Dein Bruder Alois.

Hast du auch fest gemäht? Sage den anderen, ich erhalte sehr wenig Nachricht, ob sie meine Post nicht kriegen. Ich schreib ja oft.

21.7.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Meine Lieben!

Staunen mußte ich wirklich, als ich gestern v. Euch zwei Karten erhielt, durch die Ihr mir mitteilt, daß Ihr schon einige Wochen keine Nachricht mehr von mir erhalten habt. Seit dem 21. Juni hab ich zum mindesten zehnmal an Euch geschrieben, u. hoffe auch, daß Ihr mittlerweile in dessen Besitz gelangt seid.- Mit tausend Grüßen an Euch alle Euer danksch. Sohn Alois

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23.7.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Meine Lieben!

Wie es jetzt den Anschein hat, will bei unserer Feldpost jetzt doch wieder eine bessere Funktion eintreten. Hab gestern wieder einen Brief v. Mama v. 16.7. erhalten. Jenen Brief in dem ich Näheres von Tone mitteilte hab ich am 23. Juni schon abgesandt, aber die Zensur wird sich über dessen Inhalt auch ein wenig interessiert haben. War schon etwas deutlich. Bitte sendet mir doch Papier u. Karten, kann sonst nicht mehr schreiben. Wenn Paket nicht geht in Couverts. Einfach einige Couvert, in jedes einige Stück hinein u. wie einen Brief absenden. Das geht, aber möglichst bald.

Indessen herzl. Grüße v. Alois

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1.8.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Soeben hörte ich, daß die Feldpost 323 wieder offen sei. Jedenfalls werdet Ihr es schon wissen. Sogar große Pakete sollen gehen. Wenn Ihr mir was sendet, legt auch ein Hemd, 1 Paar warme Socken bei. Sonst wißt Ihr schon was mein Herz u. Magen begehrt, Eine Tafel Cokolade hätte ich auch gern. In freudiger Erwartung Euer dankschuldiger Alois

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6.8.1916 - Letzter Brief von Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Meine lb. Eltern u. Geschwister!

Das war gestern ein Freudentag, als Euer Paket ankam. Das ist wirklich so schnell hergegangen wie ein Brief. Danke viel tausendmal für all die guten Sachen. Da werde ich jetzt eine Zeit lang in Saus u. Braus leben. Ich dachte mir schon oft es ist doch gut wenn man noch Eltern hat, denn über gute Eltern geht ja nichts. Erst wenn einem mal recht schlecht geht, dann lernt man erst deren Wert recht schätzen. Wenn ich das Glück habe heimzukehren, dann werde ich Euch dafür auch Dank wissen.

Möchte Euch ferner noch auf etwas aufmerksam machen. Ich werde mich nämlich an einem besonderen Unternehmen beteiligen. Bitte Euch aber deswegen keine Sorgen zu machen. Bis dieser Brief in Eurem Besitz ist, wird es jedoch schon längst vorüber sein. Ist alles gelungen, und ich mit dem Leben davongekommen, dann werde ich Euch gleich benachrichtigen. Ich vertrau jedoch auf Gott, u. sehe dem Kommenden mit größter Ruhe u. Siegeszuversicht entgegen.

Also meine Lieben, seid bis dahin unbesorgt, es muss gelingen.

Mit tausend herzl. Grüßen an Euch Alle v. eurem dankschuldigen Sohn u. Bruder Alois

Karten v. Anna u. Mama v. 30. Juli erhalten. Besten Dank

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Alois Winkel, geboren in Reuthe, Hof 2 - Musterzeichner - Als 4. Sohn gefallen im 1. Weltkrieg mit 23 Jahren (vermisst) - Alois rückte Mitte Okt. 1914 nach Trient ein und kam zu Weihnachten an die Front gegen Rußland nach Galizien. Kam am 29.7.1915 an den ital. Kriegsschauplatz (Küstenland in Selo); am 5.10.1915 ins Pustertal; 26.11. Schulterschuß - kam ins Spital nach Bregenz. 30.1.1916 nach Lambach, Juni 1916 Südfront Pasubiogebiet; schrieb am 6.8.1916 zum letzten Mal und gilt seither als vermißt - gesetzlich erklärter Todestag 1.3.1919 - Kaufmann Oswald: "Kriegschronik Reuthe 1914-1918", Seite 83

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31.8.1916 - Georg Hefel, Feldkirch, an Anton Winkel in Reuthe

Sehr geehrter Herr Winkel!

Erlaube mir heute an Ihnen, Herr Winkel, die Bitte zu richten, ob Sie nicht die Güte hätten, mir von Ihrem lieben Sohn Alois die Adresse  … sein Aufenthaltsort bekannt geben möchten.

Ich war nämlich stets bei Ihrem Sohn Alois, gingen dann als beste Freunde am 11. Juni an die Südfront ab, wo ich dann aber alsbald, zum großen Glück; wie man schon sagen muß; am rechten Ober- sowie Unterarm durch einen italienischen Gewehrschuß verwundet wurde, am 15. Juni deshalb leider von meinem liebsten Alois, den ich mehr als einen Bruder liebte, traurigen Abschied nehmen musste. Hat mir stets leid getan ihn zu verlassen. Weilte dann noch kurze Zeit in verschiedenen Spitälern, erfuhr dann am 29. Juni zu meiner größten Freude, daß ich mit dem nächsten Transport nach Feldkirch, also in meine Heimat überführt werde.

Glücklich, …. unverhofft von meinen Lieben Eltern, Schwester hier angekommen, so wurde ich dann inniger Freude begrüßt. Gleich am anderen Tag erhielt dann meine Schwester Hanni von Alois einen längeren Brief, worin er meinen Lieben meine Verwundung schilderte. Sehr erfreut über dessen Zeilen überbrachte sie mir’s gleich ins Spital, welches auch mir noch die größten Freuden bereiteten. Hanni beantwortete dann noch am selben Tage dankbarst daßelbe Schreiben, später dann noch meinen Wunsch befolgend, einige Karten, deren Antwort ich aber stets vergeblich erwartete, es blieb alles still, nur die letzte Karte, welche sie sandte, kam mit dem Vermerk „retour Spital“ zurück. Ich erhielt aber noch vor cirka drei Wochen eine Karte von einem Freund, welcher in der Reg.Stabsküche beschäftigt ist, auf welcher sich Alois mit dem Bemerken, daß Loisl ein größeres Unternehmen vorhabe, unterschrieb.

Also „geehrtester Herr Winkel“ ersuche Sie nun nochmals höchst freundlich, lassen Sie mich nicht allzu lange deren Bitte warten, indem ich fürchte in Bälde wieder ins Hinterland verschoben zu werden. Sehe derselben dankbarst entgegen, zeichne mit vorzüglichster Hochachtung, als unbekannt Georg Hefel, ebenfalls von meiner Mutter, Schwester Hanni.

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13.9.1916 - Familie Ammerer, Taxenbach, an Anton Winkel in Reuthe

Werter Herr Winkel!

Erlaube mir einige Zeilen an Sie zu richten. Möchte Sie recht freundlich ersuchen, mir Auskunft betreffs Ihres lieben Sohnes Loisl zu erteilen. Waren 4 Wochen hier in Kaserne, und hat uns dann öfter geschrieben und jetzt schon längere Zeit nicht mehr. Können auch von seinen Kollegen nichts erfahren.

Bitte nochmals um gütige Auskunft.

Grüße erlaubt sich Familie Ammerer, Bahnhofsrestauration Taxenbach, Salzburg

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16.9.1916 - Tiroler Kaiserjäger an Anna Fröis, Bezau

In Beantwortung Ihrer Karte vom 8.9.1916 wird Ihnen mitgeteilt, daß Jäger Winkel, Alois, 1890/1914, zuständig in Reuthe-Bregenz, Vorarlberg, am 12. 8. 1916 mit einer Verwundung an der linken Hand an den Regiment-Hilfsplatz abgegangen ist. Wohin er von dort abgeschoben wurde, ist h.o. nicht bekannt.

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18.9.1916 - Armin Rüf an Anton Winkel in Reuthe

Geehrter Herr Winkel!

Wie Ihnen bekannt sein dürfte, hat Ihr Sohn, ein guter Freund zu mir, am 10. August an einem Unternehmen teilgenommen, und dürfte als Verwundeter in ein Spital gekommen sein, nach Aussage seiner Kollegen. Trotz meiner öfteren Nachfrage u. Erkundigungen habe ich bis heute noch keine Nachricht erhalten. Ist Ihnen vielleicht schon etwas bekannt wo er sich befindet? Sobald mir etwas Bestimmtes bekannt wird werde ich Ihnen verständigen. Mit Achtungsvollem Gruß Armin Rüf

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19.9.1916 - Adam Metzler an Frau Winkel zum Adler

Werte Frau Winkel

Kann Ihnen leider nichts Genaues mitteilen von Eurem Sohn Alois. Habe wohl einige gefragt, alle sagen er ist verwundet ins Spital abgegangen. Mit dem Rechnungsunteroffizier kann ich nicht sprechen, denn ich weiß nicht wo er sich befindet. Aber bitte, sobald der Alois aus dem Spital schreibt, mir seine Adresse bekannt machen.

Herzl. Gruß Adam

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1.10.1916 - Anton Winkel an Batallionskommando

An das k.u.k. Baons-Kommando!

Erhielt auf meine Anfrage vom 29.8.1916 betreff meines Sohnes Alois Winkel Kaiserjäger im 3ten Reg. 14. Feldkomp. Feldpost No. 323 geb. 1893 eingerückt Oktober 1914 noch immer keine Antwort und ersuche ich daher nochmals höflichst, mir mitzutheilen, wo? und in wasfür einem Spital sich derselbe befindet? Da wir seit 6. Aug. 1916 von ihm selbst keine Nachricht mehr erhalten, uns aber, auf Anfrage bei der Komp. vom Herrn Oberleutnant mitgetheilt wurde, daß derselbe am 12.8. als verwundet an den Regiments-Hilfsplatz abgegangen sei, wohin er von dort abgeschoben worden, sei Ihm unbekannt.

In Erwartung baldiger Erledigung meiner Bitte zeichnet achtungsvollst Anton Winkel z. „Adler“, Reuthe b. Bezau Bregenzerwald, Vorarlberg.

K.u.k. Ersatz-Bataillon des 3. Regimentes der Tiroler-Kaiser-Jäger, Lambach, Ob.-Öst., am 5. Oct. 1916, Transenenabteilung
Zur Nachforschung. (Spitalsevidenz. G.R. 6. Oct. 1916

Transenenabteilung … am 7. Okt. 1916
Ers.Baonskmdo
Bis heute ist hier kein Nachrichtenstreifen eingelangt.

K.u.k. Ersatz-Bataillon des 3. Regiments der Tiroler-Kaiser-Jäger… 10. Oct 1916
Gemeindeamt Reuthe b/Bezau
Zur gfl. Verständigung der Partei, daß der Spitalsaufenthalt des … bis nun hierorts nicht bekannt wurde.

Gemeinde-Vorstehung Reuthe
Wird der Partei zur Kenntnisnahme übermittelt.
Reuthe, am 16. Oktober 1916, J. Feurstein

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8.11.1916 - Chefarzt Rössler an Herrn Anton Winkel

Jgr Alois Winkel hat den Reg. Hilfsplatz nicht sattiniert, alles was ich erfahren konnte war, daß er am 12. Aug. mit einer Verwundung an der l. Hand die Stellung verlassen hat. Ich werde meine Nachforschungen fortsetzen u. das Resultat bekannt geben. Ergebenst W. Rössler

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13.11.1916 - Reg. der Tiroler Kaiserjäger an Anton Winkel

Weitere Erhebungen haben zu keinem Resultat geführt. Jgr. Alois Winkel hat weder den Batallions- noch den Regimentshilfsplatz passiert.

Ergebenst W. Rössler

 

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5.12.1916 - Rotes Kreuz an Josef Steurer, Pfarrer in Reuthe

Auskunfts-Bureau Rotes Kreuz Wien

An den hochwürdigen Steurer Josef, Pfarrer in Reuthe, Post Bezau

Wien, am 5. Dezember 1916

Im Nachhange unserer Zuschrift vom 24. Nov. 1916 wird diensthöflich mitgeteilt, daß h.a. gemeldet ist:

Winkel Alois, Jäg., TJR rd r3, Komp 14, geboren 1893 Vorarlberg, Bregenz, Reuthe, verwundet.

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7.12.1916 - Rotes Kreuz an Pfarrer Josef Steurer in Reuthe

Auskunfts-Bureau Rotes Kreuz, Wien

An den hochwürdigen Herrn Steurer Josef, Pfarrer, in Reuthe, Post Bezau

Wien, 7. Dezember 1916

Im Nachhange unserer Mitteilung vom 24. Nov. 1916 wird diensthöflichst mitgeteilt, daß in den hieramtlichen Ausweisen eine Neumeldung eingelangt ist u.zw.

Winkel Alois, TJRrd 3, Komp 14, Vorarlberg, Bregenz, Reuthe 1893, verwundet. Verlustliste 491 vom 17.11.1916 - Weitere Meldungen werden bei Einlangen ohne neuerliche Anfrage sofort mitgeteilt werden.

23.12.1916 - Tiroler Kaiserjäger an Pfarrer Josef Steurer

K.u.k. 3. Regiment der Tiroler Kaiserjäger

Josef Steurer, Reuthe, Vorarlberg

Beim Rgte. ist nur bekannt, daß Jg. Winkler Alois am 13.8.1916 verwundet wurde.

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10.3.1917 Innsbruck - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Berichte Euch, daß wir in Innsbruck gut angekommen sind und hier einige Tage verbleiben. Hernach geht’s nach Lambach. Zugeteilt dem 3. Jägerregiment.

Herzliche Grüße sendet Euch allen Euer Sohn und Bruder Hermann.

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14.3.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Endlich am Ziele angelangt nach vielem hin und her aber doch alles gut gegangen. Der Koffer ist schon etwas leichter geworden mußten meistens von unserem Essen leben, müßt mir aber noch lang nichts schicken. Sind heute schon ausgerückt hat uns gut gefallen. Herzliche Grüße send Euch allen Euer Sohn Hermann.

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17.3.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Endlich kann ich Euch einmal richtige Aufklärung geben über mein Befinden, ist jedoch nicht das glänzenste, da geht’s nämlich bloß auf Kommando anders wollen sies nicht. Am 13. sind wir hier in Stadlpaura angekommen abends und gleich hat man uns in Kaisers Rock gesteckt am andern Tag gabs zum flicken und putzen und hernach zum ausrücken. Menage ist so wie sie ist, morgens schwarzen Kaffee oder Suppe, aber alles halt wie es beim Militär ist Schmalhans ist hier Koch wenn man nicht immer zum zulegen hät so müßt einer kurjos Hunger haben. Mit tuts schon noch eine Zeit lang aber sparen muss man sakrisch hier ist nämlich alles sehr teuer.

Wenn Ihr mir etwas schickt, so schickt mir Zucker und Käs das ist mir das liebste. Sonst bin ich so ziemlich gesund und munter was ich auch von Euch allen hoffe. Sonst wird so alles im alten sein? Was hört man vom Kriege? Geht’s noch nicht bald aus? Von Alois habe ich noch nichts erfragt. Bei mir sind Galles Ludwig und Himelestones Bub. Lepoldo Hermann ist in Innsbruck von uns gekommen wohin weiß ich nicht. Zündo Josef ist minder tauglich und ist wieder nach Innsbruck gekommen. Ich bin bei der Präsentierung felddiensttauglich gesprochen worden.

In der Hoffnung daß Euch dieser Brief gesund antrifft grüßt Euch alle herzlich Euer Sohn und Bruder Hermann.

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17.6.1917 Steyr - Hermann an Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Vor allem andern muss ich Euch berichten daß ich die 50 K. mit Freuden und bestem Dank erhalten habe, es hätte nicht müßen soviel Geld sein ich wäre mit halb soviel auch zufrieden gewesen. Aber ich hab jetzt eine schöne Zeit Geld genug. Das Paketle mit Käs hab ich auch erhalten sowie das Kistle vom 4.6. wofür ich Euch nochmal Dank sage, auch habe ich vom Egger Vorsteher eine Gesuchsbestätigung erhalten mit welcher ich morgen zum Rapport gehe ich will gern sehen was der Oberleutnant sagt, ob er mich weg tut von der Marsch oder ob er mich für abschlägig erklärt-. Sind jetzt gänzlich ausgerüstet und gehen wahrscheinlich am Mittwoch ab von hier. Den Koffer werde ich auf der Post senden mit den Blechdosen und der Winterwäsche und sonstigen Artikeln. Morgen haben wir Beichte und Beeidigung. August soll mir schreiben wie es in der Unteralp ausgeschaut hat, wie wär ich so gern selbst mitgegangen. Wie geht Euch mit dem heuen, macht Ihr recht gutes Heu.

Heute vormittag haben wir gemeinsamen Kirchgang gehabt und da hat uns der Pfarrer eine schöne Predigt gehalten zum Abschied von der Heimat und hat besonders die Tiroler Kaiserjäger hervorgetan durch Ihren Mut und Ihre Ausdauer und Tapferkeit.

Dies wird wahrscheinlich mein letztes Schreiben sein von hier aus, drum Lebet alle wohl bis ich Euch wieder schreibe aus einem anderen Weltteil, nun seid alle recht herzlich gegrüßt von Eurem dankschuldigen Sohne u. Bruder Hermann.

Aufs Wiedersehen.

18.3.1917 Lambach - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Aus Lambach senden aus dem Kreise einer Gruppe Bregenzerwälder die besten Grüße

Hermann Winkel, Kaspar Zünd, Franz Xaver Meusburger Bizau, Gebrüder Moosbrugger Schoppernau, Josef Ludwig Moosbrugger Ellenbogen, Vettergrüße von Eurem Vetter Albert Innauer

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19.3.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Bin genötigt zu Papier und Bleistift zu greifen, denn der hungrige Magen läßt mir keine Ruhe er murrt und knurrt Tag und Nacht. Hier schauts nämlich schlecht aus mit dem Essen aber halt leider nichts schreiben sonst gibt’s Rapport und das andere folgt. Gestern haben wir Wälder Abschied gefeiert aber großartig wir haben nämlich nur Tee gehabt. Seid so gut und sendet mir ein Kistchen aber recht bald. Fleisch hab ich noch das meiste aber Käs Butter Zucker und Brot hab ich fast keines mehr wir fassen nur einen halben per Tag und das ist grad soviel als ich zu Hause abends zum Kaffee gegessen habe und hier soll man drei Mahlzeiten haben daran. Sonst ist es grad schon zum aushalten scharfes Kommando, Gehorsam und Pünktlichkeit ist des Soldaten Pflicht und Schuldigkeit.

Indessen seid herzlich gegrüßt von Eurem Sohn und Bruder Hermann.

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28.3.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Mutter in Reuthe

Liebe Mutter!

Nochmals ein Brieflein an meine liebe Mutter, denn ich hab im letzten Brief so manches noch vergessen was ich zu wünschen hätte. Sind die Karten wo wir uns fotografieren lassen haben noch nicht gekommen, wenn schon so schickt mir eine die andern könnt Ihr aufbewahren. Habt Ihr von mir schon ziemlich Post erhalten ich schreibe halt alle andern Tag nach Haus. Anna hat mir gestern eine Karte geschrieben sonst hab ich noch gar keine Post erhalten. Schreibt mir hie und da eine Karte oder ein Brieflein damit ich weiß wie es bei Euch zu und hergeht. Jakob und Johanna sollen auch was hören lassen. Schickt mir auch hie und da ein Kistchen je mehrmal je lieber hier kann mans schon brauchen, ich weiß schon daß Ihr nichts übriges habt aber sendet was Ihr mangeln könnt hauptsächlich Zucker und Käs wenn Ihr bekommt schickt mir einmal fetten auch Insutt verschmäh ich nicht, ich käme den Sommer gern heim zum helfen heuen möchte arbeiten was wär wenn ich nur dem Hungerschwindel abkäme. Wenn ich jetzt heim käme könntet Ihr mich fast nicht mehr erfüttern so hungrig bin ich. Sonst kann ich mich schon drein schicken in das exerzieren die Chargen sagen ich sei einer von den besten und habe Anspruch auf die Chargenschule. Der Oberjäger bei dem ich bin hat gesagt er habe den Lorenz gut gekannt er sei ein tapferer Held gewesen der habe kein weichen gekannt sie waren beisammen am Sauflusse er sagt es wurde Tag und Nacht furchtbar gekämpft. Sendet mir einmal in einem Musterpaket einige Dutzend Briefmarken 10 u. 15 h ich muss sonst alleweil Briefmarken kaufen. Geld sendet mir so rasch wie möglich meine Bekannten haben alle schon Pakete und Geld erhalten von zu Hause. Was habt Ihr für Wetter könnt Ihr nicht bald auslassen aper ist es hier überall und ein bissl grün aber immer ein kalter Wind geht in dem Sauloch. Laßt mir alles schön grüßen wer mir nachfragt – August wird noch bei Batles sein hab ihm auch geschrieben er soll mir etwas schicken wenn er was hat. Indessen sendet Euch u. den Geschwistern die herzlichsten Grüße Euer dankschuldiger Sohn und Bruder Hermann

 

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13.4.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Ihr werdet wohl denken ich sei narrisch da ich schon wieder um etwas zu essen bitte, aber mein Gott mit einem solchen Kistl ist es gerade ob man einen Bettler in die Hölle werfe. Haben diese Woche 3 Tage kein Brot bekommen und etwas muss man essen sonst ermacht man es nicht. Die andern sagen ich habe mich schon bedeutend gebösert. Um etwas Geld tät ich Euch auch bitten wir lassen uns abphotographieren denn wir kommen schon bald hinaus ins Feld. Lepoldo Hermann hat mir auch geschrieben u. schreibt die Menasch sei bei Ihnen nicht so schmal. Der Oberjäger sagt immer im Feld bekomme man viel mehr zu essen als im Hinterland er geht mit dem nächsten Marsch wahrscheinlich hinaus. Indessen seid herzlich gegrüßt von Eurem dankschuldigen Sohne Hermann.

(Anmerkung: Lepoldo Hermann = Hermann Kaufmann, Reuthe, Baien, 24.10.1899 - 16.5.1966)

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13.4.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Gestern das Kistel und die 2 Karten von Euch mit großer Freude und besten Dank erhalten. Das Kistel war in bester Ordnung und der Inhalt hat mich riesig gefreut. Schwester Anna hat mir vor 3 Tagen auch eine Kiste geschickt mit 1 ½ Weggen 1 Kilo Käs und 1 Kilo Zucker ist mir sehr recht gewesen daß sie mir Brot geschickt hat haben gestern eine Marschierübung gehabt und zugleich Gefechtmarsch mit voller Ausrüstung 32 km weit das war ein Stand bei dieser fürchterlichen Hitze schier zum kaputt werden. Dabei ist mir das Brot und der Käs sehr zugute gekommen. Hab gelesen daß Ihr schon 8 Kühe habt bekommt Ihr noch mehr? Rautzokalbel hat eine schönes Geld geschlagen! Arbeit und Gras glaub ich daß Ihr jetzt genug habt aber ich glaub daß Ihr auch ein bissl anständiges Wetter habt. Hier haben wir jetzt immer schönes Wetter ein Tag-schöner wie der andere. Was machen die Kälber sind recht groß und fressen sie schon Gras möcht sie gern einmal sehen. Seid so gut und macht mir wenn Ihr diesen Brief erhalten habt ein Urlaubsgesuch und sendet es mir gleich dann könnte es sein daß ich 14 Tage heim könnte. Briefmarken und Faden schickt mir auch man bekommt hier absolut keinen Faden.

Am 1. Juni kommen wir wahrscheinlich mit der 29. Marschkompanie ins Feld ist mir aber gleich mehr Hunger haben müssen wir nicht als wie hier. Sonst bin ich immer gesund was ich von Euch allen auch hoffe. Nochmals herzlichen Dank für die Kiste und grüße Euch alle recht herzlich Euer Sohn u. Bruder Hermann!

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23.4.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Heute Euer Paketle erhalten welches mich riesig freute weil so ein guter Butter drinnen war. Hat Euch Päklers-Hans den Brief mit den zwei Photographien gebracht, hoffentlich schon. Er war bei mir im Kloster einquartiert. Den Brief in dem ich Euch um Geld geschrieben werdet Ihr auch erhalten haben. Neuigkeiten weiß ich keine schließe nun und seid herzlich gegrüßt von Eurem Sohne Hermann.

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24.4.1917 Reuthe - Bruder Jakob Winkel an Bruder Hermann

Lieber Bruder!

Die Mutter hat gestern ein Kistchen abgesandt. Du sollst das Honigglas wenn Du es leer hast waschen und dann mit dem Koffer schicken. Morgen geht’s ins Schwabenland. Schreibe mir auch. Du wirst die Adresse vom Loränzler schon wissen. Lebewohl aufs Wiedersehn. Es grüßt Dich Jakob.

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1.5.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Muss Euch wieder einmal ein Brieflein schreiben zum Zeichen daß ich immer gesund und munter bin was ich von Euch allen auch hoffe. Jetzt haben wir sehr schönes Wetter was hoffentlich bei Euch auch der Fall sein wird, das Gras ist schon ziemlich groß und die Halmfrucht wächst alle Tage bedeutend. Bablers Engelbert hat mir geschrieben Ihr habt aufgefüttert aber ich glaub daß es nicht wahr ist. Wieviel hat Rauzokalbel gewogen und wieviel hat man bezahlt fürs Kilo? Gestern ist eine Alarmkomp. zusammengestellt im Fall daß irgendwo Feuer ausbricht daß man nur alarmieren muss. Tagwach machen wir uns jetzt immer um ½ 7 und um ½ 8 Uhr morgens zur Schonung der Mannschaft sie sehen es jetzt schon ein da ihnen einer nach dem andern ins Marodenzimmer gegangen ist. Kisten kommen alle Tage furchtbar viel besonders den Lustenauern die hier sind. Es sind hier sehr wenige die nicht alle Wochen 1-2 Kistl kriegen aber sie können es alle brauchen wie ich auch.

In der Hoffnung daß Euch dieser Brief gesund antrifft grüße ich Euch alle herzlich Euer Sohn und Bruder Hermann.

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4.5.1917 Hohenems - Ambros Fröis an die Familie Winkel in Reuthe

Werte Familie!

Leider konnte ich trotz meinem Bemühen vom k.u.k. Kriegsministerium über den Verbleib Ihres Sohnes Alois nur folgendes erfahren.

Nach den Aussagen eines Jägers wurde er am 13. Aug. zum Hilfsplatz geführt. Letzter, der behauptete, daß er Alois geführt habe, ist aber einer Lawine zum Opfer gefallen und er kann nun nimmer mehr, ob sich dieses wirklich zugetragen, gefragt werden, daß das vielleicht auf einem Irrtum beruht, indem er vielleicht einen anderen Winkel meinte, beweist die Nachforschung bei den noch lebenden Kameraden seiner Kompanie (14.) diese geben an: daß Alois bei der Sturmaktion auf Cosmagnon (Pasubio) am 9. August schon teilnahm und dabei nicht mehr zurückkam.

Wir wollen annehmen, daß er wahrscheinlich verwundet in Gefangenschaft geriet und nicht, wie man Euch sage, in einem „Krüppelhaus“ liege, das allen Angehörigen verschlossen bleibt.

Solche Häuser gibt es nicht.

Nur wenn einer phantasiert und im Sterben liegt, werde niemand oder nur der Vater zugelassen. Sollte angeführte Annahme nicht stimmen, so wird er auf dem Transport bei den Ital. gestorben sein und nicht bei uns, da sonst jemand etwas wüßte.

Die Nachforschungen werden weiter gepflogen.

Gruß Fröis Ambros, k.k. Leutnant

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21.5.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Es fährt nun wieder ein Wälder in Urlaub und da will ich ihm einen Brief für Euch mitgeben. Es handelt sich nämlich um einen Urlaub und zwar gerade nicht um einen langen aber möchte ihn doch ausnützen. Wir könnten also Urlaub haben 5 Tage mit 4 Reisetagen also im ganzen 9 Tage müßten aber für die 9 Tage 100 Kronen Kriegsanleihe zeichnen die Fahrt wird einem hin und her vom Ärar vergütet die Kriegsanleihe kann man zeichnen wo man will nur muss beim Einrücken vom Urlaub die Bestätigung vorgewiesen werden. Ich möchte Euch darum bitten daß Ihr mir meine Bitte nicht für übel habt ich möchte nämlich noch sehr gern in Urlaub vor wir mit der Marsch weggehn.

Wenn Ihr mir die Bitte erfüllt so schickt mir gleich etwas Geld damit ich die 17 Kronen welche man vor Abgang einzahlen muss bezahlen kann und schreibt mir auch einen Brief ob ich kommen soll oder nicht. Dieser Tage wird die Marschkompagnie zusammengestellt und ich glaube daß es uns auch trifft, drum möchte ich so gern noch einmal nach Hause zu meinen Lieben in der Heimat, sollte es mich nicht treffen zur Marsch so gibt es nachher vielleicht einen längeren Urlaub ich werde Euch es gleich berichten wie es für mich ausgefallen ist.

Also macht nach Eurem Besserdünken nur berichtet mir gleich welches.

Also seid herzlich gegrüßt von Eurem dankschuldigen Sohne Hermann.

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24.5.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an Schwester Johanna in Reuthe

Liebe Schwester!

Deine Karte heute erhalten aber das Geld und die Wäsche noch nicht. Ein Paket habt Ihr mir noch keines abgeschickt, hab einmal keins bekommen. Bin Gottlob nicht zur Marsch eingeteilt bisher bin froh. Für das Geld danke ich meinen Eltern recht herzlich Gott lohne es Euch. Von Bruder Franz demnächst die Adresse. Habt Ihr die Kühe noch haben sie sich jetzt gebessert. Meine Landsmänner fahren jetzt die meisten auf Enthebung heim. Viele Grüße von Bruder Hermann

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1.6.1917 Winsbach - Hermann Winkel an Schwester Theresia in Reuthe

Liebe Schwester!

Muss Dir auch einmal eine Karte schreiben damit Du weißt wo ich bin. Sind heute nach Lambach und nach Winsbach gegangen von wo aus wir nach Steyr fahren. Werde dann sofort schreiben wenn wir dort angekommen sind wir fahren erst nachts um 10 h von hier weg damit wir bei dunkler Nacht die Quartiere beziehen können warum später. Heute haben wir wieder etwas auszustehen nichts essen den ganzen Tag marschieren.

Herzlichen Gruß Hermann

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2.6.1917 Steyr - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe (zensuriert)

Liebe Eltern u. Geschwister!

Sind nun in der neuen Garnison angelangt nach 16stündiger Fahrt und sind in einer Industriehalle einquartiert in sehr schönen Zimmern auch die Gegend ist schön nur nicht in die Ortschaft hinein darf man. Sind jetzt die 1. Marschkompanie die wieder weg geht, schaut nur daß das Gesuch bewilligt wird damit ich einmal diesem Schwindel abkomme. Denkt Euch jetzt sind wir am 31.5. von Stadl-Paura weg und jetzt ist es mittags um 1 Uhr und noch kein Brot und keine Menage gefaßt, habe folgedessen das Kistl samt dem Geld sozusagen aufgebraucht und wäre mir schon sehr lieb wenn Ihr mir etwas senden würdet.

ZENSIERT

….das Koffer haben wir müssen in Stadl-Paura lassen, durften nichts mitnehmen als wie was wir am notwendigsten brauchten. Laßt mir die Nachbarn alle schön grüßen sie sollen auch etwas hören lassen. Hab die letzten 14 Tage nur 3 Stück Post bekommen. Also nochmals schickt mir gleich etwas ist gleich was.

Schließe nun mein Schreiben mit vielen herzlichen Grüßen Euer dankschuldiger Sohn und Bruder Hermann.

Das Gesuch sollte halt bald bewilligt werden.