5 Gefallene Söhne aus einer Familie

Im 1. Weltkrieg sind aus Reuthe 82 Soldaten eingerückt (7 Winkel-Brüder vom Hof), 20 davon sind gefallen. 5 der Gefallenen waren Söhne der Familie Anna Katharina und Anton Winkel vom Gasthaus Adler im Hof 2:

Lorenz Winkel: geb. 18.6.1886 - gest. 8.11.1914
Pius Winkel: geb. 5.5.1894 - gest. 2.5.1915
Anton Winkel: geb. 10.2.1896 - gest. 20.5.1916

Alois Winkel: geb. 3.2.1893 - vermisst 10.8.1916
Hermann Winkel: geb. 23.1.1899 - gest. 21.11.1917

Im Laufe der Jahre 2014 bis 2018 werden hier nach und nach chronologisch Briefe und Feldpostkarten bzw. die Briefe, die sie vor 100 Jahren bekommen haben und noch erhalten sind, veröffentlicht.

"Der Bregenzerwald im 1. Weltkrieg" - Bregenzerwald-Archiv

21.4.1914 - Anton Winkel an die Eltern und Geschwister in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister

 

Endlich finde ich Zeit Euch einmal zu schreiben,  konnte bisher keine Adresse schreiben. Da ich nicht wusste wo ich hingehörte, sind nämlich von einer Kaserne in die andere gekommen. Jetzt sind wir in dem gleichen Haus wo Pius und Wiese waren, es sind zirka 250 Mann hier, halt eine Kompanie.

Will Euch einmal berichten wie’s beim Militär zugeht: Morgens halb 5 Uhr heißt es auf es kommt die Tagwache ins Zimmer und ruft Guten Morgen meine Herrn alles gesund niemand marod, auf. Dann springt alles auf nachher heißt’s anziehen waschen u Bajon aufmachen, Decken zusammen legen u.s.w. nachher Kaffee holen und 6 Uhr heißt’s ausrücken.
Dann müssen wir exerzieren bis 11 Uhr, nachher geht’s heim, nun ins Zimmer Bürsten holen dann wieder in den Hof und Schuhe und Kleider putzen. Nun kommt das wichtigste nämlich Menage holen, da gibt’s Suppe, Fleisch und Gemüse, wie Bohnen, Reis, Hörnle und Kartoffelsalat. Wenn das vorüber ist Rast bis halb 2 Uhr, dann wieder ausrücken bis 5 Uhr, nachher ½ bis 1 Stunde Schule, 6 Uhr Menage holen. Bis jetzt haben wir abends nur Kaffee kriagt, erst heute auch Käsnudeln. 9 Uhr muß alles auf dem Strohsack sein, so geht’s alle Tage. Heute hatte ich Zimmer Tour bei 90 Mann, aber Morgen kriagts ein anderer. Das wäre so ziemlich alles, Bims fassen wir alle 5 Tag 2 Wecken aus, übrig genug, er ist doch …

Heute um 7 Uhr fassen wir die Löhnung aus macht ein Tag 8 Kreuzer 6 Tage 48 kein großer Lohn. Sind noch am Sonntag in Trient angekommen, waren also 3 Tage in Innsbruck gewesen. Bin froh dass ich einen Wecken mithab denn so lange wir in Innsbruck waren bekamen wir kein Brot, musste sogar noch kaufen, bekamen doch wenig zu essen. Sind viele Bekannte bei mir z.B. Gallers Tonnser, Koradles Alfred, Andreslesar Ellobogo, dann noch Andelsbucher und Schwarzenberger.

Hab meine Schuhe an, man sagte sie würden bezahlt, die Kleider mussten alle ins Magazin tun. Nun muß ich schließen denn es ist bald Vergatterung, nämlich zur Löhnung.

Viele Grüße an Euch alle Euer Sohn und Bruder Tone

 

In Innsbruck meldete sich am 2. Tage einer marod in unserem Nachbarraum und den anderen Tag war er eine Leiche, er hatte Genickstarre.

20.5.1914 - Anton Winkel an den Vater Anton Winkel in Reuthe

Absender: Anton Winkel, 3. Reg. d. Tiroler Kaiserschützen, 1. Komp., 3. Zug, 10. Marschbattalion, Grenzschutzkommando Lenzima, Post Rovereto

An Herrn Anton Winkel, Hof-Reuthe, Post Bezau, Vorarlberg

Liebe Eltern und Geschwister

Bin jetzt nicht mehr in Trient, sind von den 3 Ersatz-Kompanien je 50 Mann die besten und dauerhaftesten fortgekommen.

Bei mir sind auch Andreslesar und Gallers Tones Jokel. Wir sind zuerst nach Rovereto gekommen und dann mussten wir noch 3 Stunden auf einen Berg wo wir jetzt beim Marschbatallion sind. Tags müssen wir Befestigungsarbeiten machen und nachts Posten stehen. Schlafen ist’s wenigste. Die Menage ist auch schmäler und kaufen kann man nichts oder nur sündenmäßig teuer. Das Wetter ist sehr schön und die Gegend auch.

Anmerkung:
Andreslesar = Josef Albert Moosbrugger, geb. 10.12.1891 in Bezau, gest. 6.12.1914 - g
efallen im 1. Weltkrieg mit 23 Jahren, wohnhaft in Bezau, Ellenbogen 204

Gallers Tones Jokel = Jakob Albrecht, geb. 27.10.1896 in Bezau, gest. 13.8.1917 - als Soldat mit knapp 21 Jahren im 1. Weltkrieg gefallen, wohnhaft Bezau, Wilbinger 213

Ohne Datum, ca. 08/1914 - Lorenz Winkel an die Eltern in Reuthe

bin gut angekommen, was mit uns geschieht wissen wir noch nicht. Leute und Pferde sind viele tausende hier.

Herzlichen Gruß von Lorenz

Trient, 7.8.1914 - Lorenz Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Am Samstag früh 6h35 fahren wir ab von hier aufs Schlachtfeld; wohin wissen wir nicht. Es war eine kolossale Arbeit soviele tausende von Leuten auszurüsten. Heute habe ich endlich meinen Zug, 72 schneidige Burschen in Ordnung. Ritters Joko Jaköble von Au ist in meinem Zug der einzige Bregenzerwälder. Sonst habe ich sehr viele Kollegen aus meiner aktiven Dienstzeit, welche direkt beim Hptm. gebeten haben, mit dem Zgsf. Winkel gehen zu dürfen, da sie wüssten, dass der auch kein Feigling sei. Mit solchen Leuten ist’s eine Freude in den Krieg zu gehen. Jeder ist begeistert und erwartet es kaum bis er einmal fortkommt. Wenn Ihr nur bald einmal schreiben würdet wie es zuhause hergeht, würde es mich sehr freuen. Ich schliesse mit vielen herzlichen Grüssen an Euch alle und verbleibe Euer dankschuldiger Sohn Lorenz.

Trient, 27.8.1914 - Lorenz Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Habe die Karte von Alois am 23. d.M. erhalten, und danke Euch herzlich für Eure Grüße. Bin noch gesund und heil. Humor ist auch sehr gut. Man würde gar nicht glauben dass man im Kriege wäre. Jeder ist so gleichmütig und gut gelaunt als ob nur ein Manöver wäre. Wetter haben wir meistens gutes, selten einmal Regen, was ein großes Glück ist für uns, denn jetzt heißts immer im Freien kampieren. Strapazen gibt’s wohl genug und dort ist man dabei nicht mißmutig. Geld brauche ich keines; man bekommt hier mit und ohne Geld nichts. Götes haben mir geschrieben, sie hätten mir am 11. d.M. ein Paket geschickt, habe es aber bisher nicht erhalten und werde es auch wahrscheinlich nicht erhalten, da der Gepäckverkehr mit der Feldpost sehr beschränkt ist. Es wäre mir sehr willkommen gewesen, da der Magen oft bedenklich knurrt. Aber wie Gott will; Haut und Knochen werde ich dann wohl wieder heimbringen. Bitte mir also nichts zu schicken, da Geld nichts nützt und Pakete nur verloren gehen. Heute früh empfingen wir die Generalabsolution. Also lebt wohl, dass wir siegen für unser bedrohtes Vaterland und gesund wieder zurückkehren zu unseren Lieben in der Heimat. Seid alle herzlich gegrüßt von Eurem dankschuldigen Sohn Lorenz Winkel.

Grüßt auch Felderles und Räzles.

Franz Josef ist auch in der Nähe. Bin schon zweimal nahe an ihm vorbeimarschiert habe ihn aber nicht gesehen nur erfragt von seinen Kollegen dass er hier ist. Auf Wiedersehn! Laßt was hören.

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3.9.1914 - Lorenz Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Zum Zeichen dass ich noch am Leben bin sende ich diese Karte. Bei uns heißts nämlich, heute rot morgen tot. Gott hat mich zwar bis her gut geschützt, doch weiss man nie, wies weiter geht. Habe schon 4 Schüsse erhalten, davon 2 leichte Verletzungen. Wir siegen Schlag auf Schlag. Lebt wohl, und seid herzlich gegrüßt von Eurem Lorenz.

Betet für mich und alle meine Kollegen.

2.10.1914 - Lorenz Winkel an die Eltern in Reuthe (letzter Brief)

Liebe Eltern!

Muss jetzt fleißig schreiben da ich diese Tage gerade Zeit habe. Wir haben nämlich ein paar Rastlager bekommen. Ich bin gesund und wohl, und hoffe auf gleiches von Euch und Geschwistern.

Sonst hats uns schon ziemlich hergenommen. Von meinem stolzen Zuge mit 72 Mann mit denen ich von Trient weg bin, habe ich noch 23, die anderen sind teils tot, verwundet und versprengt. Aber wir haben jetzt wieder Ersätze bekommen aus dem Heimatlande und so habe ich wieder 60 Mann, mit denen wir aufs neue den Kampf beginnen auf Leben und auf Tod. Auch meinen Kollegen Ritter Jakob habe ich verloren am 10.9. Er war damals noch neben mir in der Schwarmlinie, kam mit mir unverwundet zurück, und verlor dann nachträglich sein Regiment, welches er bis heute nicht erreicht hat. Wie ich aber heute von zuverlässiger Seite erfahren habe, wurde er später leicht verletzt, sei aber jetzt wieder hergestellt und in irgend einem Orte als Wärter von Gefangenen etabliert. Wäsche wäre es besser Ihr hättet uns keine geschickt, da ich sie wahrscheinlich doch nicht bekomme, und auch nicht brauche, habe mir nämlich schon solche gekauft, fasse vom Ärar noch aus und mittragen kann ich sie nicht, da wir sonst schon gepackt sind wie Lasttiere.

Also ich bitte Euch noch einmal schickt mir nichts ohne daß ich um etwas schreibe; weder Geld noch sonst etwas. Es ist ja schade um alles. Vielleicht kann ich´s zurückschicken, vielleicht muss ich alles fortwerfen.

Herzlich dankend für alles Liebe und Gute das Ihr mir erwiesen habt grüßt Euch und Geschwister aufs herzlichste

Lorenz

18.10.1914 - Lorenz Winkel an Bruder Alois Winkel

Lieber Bruder!

Habe Deine Karte vom 7.10. heute erhalten und danke Dir sehr. Bin gesund und Heil obwohl mich vor 3 Tagen eine Schrappnellkugel getroffen hat, welcher aber nur meine Kappe zum Opfer fiel, der Kopf war zu hart. Auch 2 Wälder, Hallerles Lehrer aus Mellau und Josef Übelher, Senn, aus Schnepfau habe ich an diesem Tage verwundet aus dem Gefecht getrage. Haller hat einen Fußschuß, Übelher einen Bauchschuss, an welchem er bald darauf verschied. Letzte Tage hatten wir überhaupt hitzige Gefechte. Seid alle herzlich gegrüßt von Lorenz.

Von Michelis Kaspar weiss ich nichts.

29.10.1914 - Pius und Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Endlich sind wir eingeteilt, und wissen jetzt doch wohin wir gehören. Pius u. ich sind im gleichen Zug. In unserem Zug allein sind 12 Bregenzerwälder, alle 12 schlafen nebeneinander. Gefällt uns im großen ganzen recht gut. Menage ist annehmbar. Bisher bekamen wir immer weißes Brot. Zucker ist auch im Kaffee. Seid also unbesorgt, wir hauen schon durch. Ein andermal mehr, heute keine Zeit. Adresse für Beide wie folgt:

A. Winkel Rekrut b./3ten Regiment Tiroler Kaiserjäger

3te Rekrutenabteilung

Trient Postfach No 154

Oben am Kuvert auch den Absender drauf schreiben

Trient, 1.11.1914 - Alois und Pius Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Heut an Allerheiligen habe ich grad Zeit, Euch wieder ein Brieflein zu schreiben. Heute Morgen konnten wir Rekruten gemeinsam eine Messe anhören. Es war sehr erbaulich und schön anzusehen, wie die ganze 3te Kompagnie (280 Mann) in Reih u. Glied zur Kirche marschierte, u. dort mit größter Andacht dem Messopfer bewohnte, bei dem ein Rekrut ministrierte u. ein anderer die Orgel spielte. Gesang gab’s nicht. Nun dafür kriegen wir am Abend immer genügend Ersatz. Am Abend nach Feierabend da geht immer der Teufel los. Raufen, singen, Kartenspielen, tanzen, und weiß Gott was alles schönes. Ausgehen dürfen wir noch nicht, Putzzeug haben wir alles kaufen müssen. Für die Kleider ist uns bisher ausbezahlt worden. Montur haben wir ausgefasst, aber keine Unterwäsche, ausschauen tun wir wie die Vagabunden, fliken müssen wir das uns die Ohren schlappen. Pius hat einen Rock der ihm wirklich zu eng ist, so dass er ausschaut wir ein ausgestopfter Hühnervogel. Mit der Menage kann man insoweit zufrieden sein, nur etwas zu wenig Brot fassen wir aus. Erst heute bekamen wir den ersten Bims, sonst hatten wir immer weisses Brot. Was sagt man bei Euch denn eigentlich vom Krieg gegenwärtig? Wir erfahren gar nichts. Wäre mir recht lieb, wenn Ihr mir einige Nummern v. Volksblatt senden würdet. Der Soler v. Mellau ist auch bei uns. Der ist wirklich der ärgste Gaudibruder im ganzen 2ten Zug.

Hat Lorenz u. Franz noch nicht geschrieben? Ist Tone immer noch bei Metzger? Der Sutter war auch bei uns, wurde aber heut mit noch 11 Mann zur Festungsartillerie versetzt. Unser Chargen sind alle nette Kerle. Mir ist das lernen eine Spielerei. Manch sind rechte Pappschädel, aber die lässt man extra exerzieren.

Nun schließe ich mein Schreiben in der Erwartung baldiger Nachricht, nebst Zeitungen.

Tausend Grüße von Alois u. Pius

7.11.1914 - Pius Winkel an den Vater in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Da ich heute grad Zeit habe so will ich Euch einiges mitteilen. Ich und Alois sind immer noch beisammen das uns sehr angenehm ist. Gestern haben wir Strohsäcke bekommen aber zuwenig Stroh, da ging es ans Raufen so daß einige ohne Stroh abziehen mussten. Bims?? Haben wir heute auch wieder ausgefasst, von gestern ab bekommen wir kein weißes Brot mehr, im ganzen großen kann man von der Menage nichts sagen. Unterkleider haben wir noch keine ausgefasst, nichts als eine Decke. Sonst sind wir gesund u. wohlauf was wir von Euch auch hoffen. Da es jetzt Nacht wird so muß ich mein Schreiben enden mit vielen Grüßen von Eurem dankschuldigen Sohn Pius
nebst vielen Grüßen von Alois

Eines noch schreibt mir auch etwas vom Viehstand.

Wien 12.11.1914 - Dienstzettel

K.u.k. Reservespital Schwarzenbergkaserne Wien
Filiale des Rudolfspitales

Dienstzettel
Wien, am 12.11.1914

Bezüglich Ihrer Anfrage vom 10. d.M. wird mitgeteilt, dass Ihr Sohn, Zugführer Lorenz Winkel dem hiesigen Spital am 6. d.M. als an Ruhr erkrankt übergeben wurde und am 8. d.M. um 6 Uhr abends gestorben ist.

Ihr Sohn wurde im Kriegergrab des Wiener Zentralfriedhofes beerdigt.

Empfangen Sie zu dem betroffenen schmerzlichen Verluste unser wärmstes Beileid.

Unterschrift: Walke

Herrn Anton Winkel, Reute

Trient, 12.11.1914 - Alois und Pius Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Habe eure Karte erhalten, u. vernommen, dass Lorenz gestorben sei. Gott gebe ihm die ewige Ruhe; es ist ihm gut gegangnen, wenn er gut vorbereitet war, was auch unbedingt der Fall war. Er wird im Krieg genug auszustehen gehabt haben. Also lb. Eltern! trauert nicht zu sehr über ihn, er wird seinen Gott gefunden haben. Herzl. Grüße v. Alois u. Pius

15.11.1914 - Alois und Pius Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Habe den Brief von der Mutter gestern erhalten. Wie uns der Brief sagt, seid ihr alle tief betrübt über den Tod des lb. Sohnes u. Bruders. Auch uns geht es nicht besser. Wir trauern mit Euch. Dass Euch, liebe Eltern der Verlust am meisten schmerzt, begreifen wir wohl, denn so weit von der Heimat zu sterben und noch dazu unter den grössten Schmerzen. Doch! er starb ja den Heldentod, u. er wird im Himmel seinen Frieden gefunden haben. Wir werden ihn täglich in unser Gebet einschließen.

Bekommt Ihr auch Unterstützung? Wir haben schon zweimal Löhnung bekommen, im ganzen 7.62 K. Heute wurde das ganze Reg. mit Musik in die Kirche begleitet. Das war schön. Am 7ten haben wir ein kleines Manöver. Das wird interessant werden. Wir haben letzte Woche die ganze Rüstung ausgefasst. Die Praporitäten fassten wir auch aus. Alles Mögliche war da, Bürsten, Spiegel, Essbesteck, Seife, Zwirn, Wichse, Nadel, Faden, Schärpe, Putzgabel, Gewehrhut, sogar Zahnbürste. Heute dürfen wir zum erstenmal mit den Chargen ausgehen.

Herzliche Grüße v. Alois u. Pius

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29.11.1914 - Pius Winkel an die Eltern und Geschwister

Liebe Eltern,

da ich heute dienstfrei bin so will ich euch einiges über mein Soldatenleben mitteilen. Vaters Brief mit Freuden erhalten und danke schön für die Nachrichten die mir der Vater berichtete.

Die Wertsendung haben wir heute erhalten, wofür wir herzlich danken, ich habe vor 3 Wochen 2 Kilo Speck gekauft, aber es war nicht die Sorte wie der unsere von der Heimat. Vor 2 Wochen habe ich vom Wüstner ein Paket Würste bekommen, kurzum zu essen haben wir genug, aber am Abend zum schwarzen Kaffee kann man den Speck schon vertragen. Ich bin gesund und munter, was ich von euch auch hoffe. Dass dem Lorenz das Kreuz gesteckt wird, hat uns sehr hart. Wir sind heute im Kloster in einer Messe gewesen, die wir dem Lorenz aufopferten. Wir können jeden Sonntag in die Kirche gehen und jede 14 Tage beichten gehen, wer will.

Bleibe heute in der Kaserne und bewache Sträflinge, denn man sagte, wer freiwillig dableiben möchte. Dachte ich man spart sich wieder einige Sechser. Jetzt fassen wir jeden Tag etwas Rüstung aus, haben Gamaschen, Tornister, Spaten, Kochgeschirr, Mäntel und noch viel so Glumb. Am 2. Dezember haben wir eine 20 km weite Übung, welche mit einem Gefecht verbunden ist, das wird schön werden, der Leutnant sagte, dass wir den Feind aber schneidig packen, wir bekommen Manöverpatronen, die besseren Rekruten, die mit den Gewehren umzugehen verstehen, wahrscheinlich geht’s nach Pergine.

Hab den Kofferschlüssel verloren, aber ich mach ein anderes Schloss hin. Bis jetzt versorg ich die wertvollsten Sachen in Alois’s Koffer. Sage nochmals dank für die Sachen, die ihr uns schickten und schließe mein Schreiben mit vielen Grüßen von eurem dankschuldigen Sohn Pius, auch ein Gruß von Alois.

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Reuthe, 7.12.1914 - Mutter Anna Katharina Winkel an Alois und Pius

Liebe Söhne!

Habe gestern vergessen zu schreiben, ob ihr Leibbinden ausgefaßt habt, sonst werde ich euch schicken, schreibt mir blos gleich, damit ich alles miteinander schicken kann.

Wäre uns lieb, wenn ihr beide sich melden würdet, daß ihr könntet beisammen bleiben. Der Franz hat gesagt, daß Brüder diese Begünstigung bekommen, das wäre mir ein großer Trost. Habe sonst Kummer genug und der Vater auch.

Josef Kaufmann (Adeles) von Bezau lebt noch, er ist in russischer Gefangenschaft, er hat eine Karte geschrieben. Metzler August ist in Wien im Spital lebensgefährlich krank. Die Anna ist hinunter, er hat einen Leberschuß und Knieschuß und habe starkes Fieber. Semolars Bub ist ebenfalls in Wien mit Lungenschuß, ist aber auf Besserung. Micheles Kaspar ist am 7. Sept. in russische Gefangenschaft gekommen, er hat am 14. Sept. eine Karte aufgegeben und (diese) kam erst vor zirka 10 Tagen.

In Bezau ist Gallus Kaufmännlis Tone der älteste gefallen, man sagt auch Rudlers Brose und Kristars Thomas Tone.

Liebe Söhne, betet fleißig zur Mutter Gottes und zum hl. Schutzengel, damit sie euch beschützen und vertraut auf Gottes Hilfe und wir wollen euch täglich ins Gebet einschließen. Wir bringens bereits nicht übers Herz, daß der Lorenz nicht mehr heimkehrt, aber er wird halt eine schönere Heimat gefunden haben als diese Welt ist.

Lebt wohl und seid herzlich gegrüßt von der tiefbetrübten Mutter. 

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Anton Feurstein (Kristars Thomas Tone), August Metzler, Ambros Moosbrugger (Rudlers Brose)


Vorsäss Brand, 7.12.1914 - Nachbar Michael Felder an Alois und Pius Winkel

Liebe Nachbarn!

Die Karte von den Kosakentötern und eine von Pius habe ich erhalten besten Dank. Was ich vernommen habe müsst Ihr am 16.12. abreisen, ich wünsche Euch glückliche Reise. Die Landstürmer müssen was ich gehört habe schon am 6.1.1915 einrücken. Ich will gerne sehen wie es in 4 Tagen aus sieht, ich schreibe Euch von Bregenz dann eine Karte wie es mir gegangen ist. Wir sind alle gesund und munter was wir von Euch auch hoffen. Ich schließe mein Schreiben nebst vielen herzlichen Grüßen

von Ottil Kristin u. Michael Felder

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Trient, 9.12.1914 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Eure Briefe haben wir beide erhalten, und haben daraus vernommen, dass Ihr Westen aus Schafwolle für uns bestellt habt. Die Westen wären schon prächtig. Ich habe heute den Zugsführer gefragt, ob wir Pelzwesten und Leibbinden ausfassen, da sagt er: Leibbinden kriegen wir schon, aber von Pelzwesten wisse er nichts. Schicket daher die Westen; wenn wir dann allenfalls doch ausfassen, können wir sie ja wieder heimschicken.

Bezüglich des Zusammenkommens im Krieg könnt Ihr unbesorgt sein. Jedenfalls kommen wir ohne weiteres zusammen, da wir ja in der gleichen Compagnie sind. Und wenn es schon anders eingeteilt würde, kann ich es schon richten dass wir miteinander dürfen. Diese Bitte erfüllt man einem schon. Sonst brauch ich grad nichts, die Socken sind noch ganz, hab sie noch ganz wenig getragen. Einige Putzlappen hätte ich schon gern, zum Gewehr u. Knöpfe putzen. Wann wir fort müssen wissen wir noch nicht, das einemal sag man so, das anderemal wieder anders. Anfangs hieß es bis 16. Dezemb. marschbereit sein, aber das ist gar nicht möglich. Nach meiner Ansicht wird es schon noch Weihnachten bis wir fortkommen oder vielleicht noch mehr. Sonst haben wirs jetzt strenger als im Anfang.

Gestern an M. Empfängnis haben wir den ganzen Tag exerziert und am vorhergehenden Sonntag auch. Letzte Woche hatten wir eine Übung nach Perginn mit einem darauf folgenden Gefecht. Da hab ich fest gepulvert. Von Trient bis Perginn ist es etwa 3 Stund.

Lorenz ist auf den Bildern gut getroffen. Hat mich gefreut dass Ihr mir die Bildlein geschickt habt. Es ist eine schöne Erinnerung und ein Andenken an ihn. Die Nachrufe waren sehr schön.

Sonst sind wir Gott sei Dank immer gesund. Beim Metzger hat man uns schon wieder 2 Kilo Würst geschickt.

Der Josef Feuerstein v. Reuthe wird jedenfalls bald Heim kommen, er liegt jetzt im Spital, er hat sich überlupft. Morgen werden die Alten zum spielen kommen. Schreibt mir gleich was man in Reuthe genommen hat.

Nun schliesse ich mit den herzlichsten Grüßen an Euch Alle und verbleibe euer dankschuldiger Sohn Alois.

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Trient, 16.12.1914 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Mit Freuden haben wir heute Eure Sendung erhalten. Die Leibchen sind schon wunderbar u. warm; ich hab’s jetzt zum Briefschreiben an u. es wärmt besser als der ärarische Mantel. Im Krieg sind die schon prächtig wenn man ganze Tage lang auf dem nassen Boden liegen muss. Ich habe schon ein bisschen eine Ahnung wie angenehm und gesund es ist im Feld; denn am Montag mussten wir von morgens 4 Uhr bis Abends feldmäßig schießen, beim ärgsten Regen, so dass wir Abends bis auf die Haut naß waren. Dann konnten wir in den kalten Saal hineinliegen, u. Morgens wieder in die tropfnassen Kleider schlüpfen, u. wieder auf den gleichen Berg zum feldmäßig schießen. Pius war am anderen Tag schon marod, so dass er den zweiten Tag gar nicht mehr mitkonnte, u. ich habe mir einen zünftigen Husten und Katahr geholt. Heute ist Pius jedoch wieder munter.

Bezüglich des Abmarsches wissen wir noch gar nichts sicherer. Aber jeden falls geht es nicht mehr allzu lang. Den einen Tag sagt man so, den anderen wieder anders. Ausgerüstet sind wir noch nicht. Sobald ich etwas bestimmtes weiß, werde ich Euch benachrichtigen. Nach meiner Ansicht sind wir über Weihnachten schon noch hier.

Beim Göte hat man uns heute wieder geschrieben dass man uns ein kleines Weihnachtsgeschenk abgeschickt habe. Verhungern müssen wir amal nicht.

Nun schließe ich mit den herzlichsten Grüßen an Euch Alle u. verbleibe Euer dankschuldiger Sohn u. Bruder Alois.

Ebenfalls die besten Grüße v. Pius

Josesf Alois Wüstner - 28.12.1962 bis 18.11.1948

Josef Alois Wüstner, geboren in Schnepfau, Boden -Taufpaten Martin Lässer, Kronenwirt in Schnepfau und Maria Anna Baurenhaus, geb. 9.2.1829, beide ledig - Metzgermeister - er kaufte 1897 das Haus Bezau, Brugg 33 - dort gestorben mit 86 Jahren. 2. Ehe mit 63 Jahren. Foto Metzgerei Wüstner um 1900: siehe Heimatbuch "Bezau", 1995, von Meusburger Wilhelm, Seite 184

Trient, 18.12.1914 - Pius und Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Haben heute Eure werthe Sendung erhalten wofür wir Euch herzlich danken. Die Schafpelze die passen uns gut und freuen uns denn mit denen ist man gestellt nach Galizien. Die scharschen („Chargen“) sagten ja so was ist famos. Vom Göte haben wir schon ein Weihnachtsgeschenk bekommen Schokolade Zigarre Selchfleisch und Landjäger und Schweinsblasen.

Sind am 15. zur Marschkompagnie zugeteilt worden und werden jedenfalls die nächsten Tage ausgerüstet. Die erste Kopagnie wurde gestern mit Kleider und Schuhe versehen. Ein jeder bekam ein paar Winter unterhosen zwei paar Sommer Unterhosen zwei Sommer Hemden ein Winter Hemd und Socken. Aber Oberkleider bekommen nicht alle ganz neue aber doch zum aushalten drunten, will gerne sehen was wir für Ware bekommen. Sonst besondere Neuigkeiten weiß ich nicht viel als das der Ignaz sich zur Sanität gemeldet hat. Auch hat mir der Ignaz Wüstner Seiler meine Zivilkleider heim geschickt anstatt die seinen. Er schreibt jetzt heim und dann wird man Euch schon berichten oder es Euch bringen. Habe mit dem Feldmässig schießen verkühlt und bin zwei Tage marod gewesen und habe keinen obediet („Appetitt“) aber es wird schon wieder gehen. Wenn wir fort müssen so werden wahrscheinlich Koffern und alles nach Hause schicken was wir nicht brauchen. Nun schließe mein Schreiben und hoffe daß Euch der Brief gesund und munter antreffe von

Euren dankschuldigen Söhnen Pius und Alois

Trient, 29.12.1914 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Vor allem anderen entbieten wir Euch Allen die aufrichtigsten Glücks- u. Segenswünsche zum neuen Jahre. Obwohl uns das neue Jahr dem gegenwärtigen Anschein nach nicht viel Gutes verspricht, so wollen wir doch vertrauensvoll in die Zukunft blicken, in der Hoffnung, es werde doch einmal wieder ein Ende machen und sich alles wieder zum Besseren wenden. Das alte Jahr hat uns wirklich arg heimgesucht. Etwas besseres dürfen wir vom Neuen mit Recht erwarten.

Unser Abmarsch hat sich noch ein wenig verzögert, sodaß wir jeden falls erst Morgen abdampfen. Sagen tut man einem nichts, bis zur letzten Stunde. Heute Morgen konnte die ganze Komp. zur hl Beichte gehen. Ich hatte das Glück dass ich in der Sakristei dem Geistlichen gegenüber offen, ohne Beichtstuhl beichten konnte. Er war ein netter Priester. Beim Abschied drückte er mir noch die Hand u. gratulierte mir noch für die Zukunft, u. lud mich ein, ihn zu besuchen wenn ich wieder zurück komme. Ich bin also vorbereitet, komme was kommen mag. Heute Nachmittag werden wir den Kriegseid leisten, u. dann kanns losgehen wanns will. Pelzwesten haben wir ausgefasst, u. wir werden unsere heimschicken. Vielleicht schicken wir die Koffer auch. Photographieren haben wir uns lassen u. die Bilder werden Euch u. Photographen per Nachnahme gesandt. Nun schließe ich, u. sage Euch ein letztes „Lebwohl“, u. verbleibe Euer dankschuldiger Sohn u. Bruder Alois.

Von hier wird das wirkl. das letzte Schreiben sein.

28.12.1915 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Ein Paket gestern abend erhalten, herzlichen Dank für die guten Sachen, werde sie mir gut schmecken lassen. Wünsche Euch zum neuen Jahr alles gute, und wir wollen hoffen, daß dieser böse Krieg bald ein Ende nimmt. Neues weiß ich nichts besonderes, bin gesund und wohlauf. Nochmals das Beste wünschend grüsst Euch alle Tone

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1.1.1916 Mehrerau - Alois Winkel an den Vater in Reuthe

Lb. Vater!

Das Geld gestern dankend erhalten. Hätte jedoch vorläufig noch keines benötigt. Herzl. Grüße an Euch Alle v. Alois

 

6.1.1916 Mehrerau - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Alles gut gegangen. Frisch gewagt ist immer halb gewonnen. Schön war es halt doch. Vielleicht bietet sich wieder einmal eine Gelegenheit.

Neugierig wie lange ich noch in Mehrerau bleiben kann. Am Ende komme ich gar noch ins Hinterland. Nun lassen wir’s halt dem Schicksal über, wo es hin geht. Man lebt ja überall, nur nicht überall gleich gut.

Tausend Grüße v. Eurem dankschuldigen Sohn Alois.

11.1.1916 - Anton Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Zu Eurem heiligen Namensfeste, die herzlichsten Glück- und Segenswünsche, wir wollen hoffen, daß wir diesen Tag noch oft in vollster Gesundheit miteinander erleben können! So Gott will wird dieser unglückselige Krieg bald ein Ende nehmen, und dann werden wir als frohe Sieger ins Elternhaus zurückkehren und noch manches Jahr in Glück und Frieden miteinander verbringen. Den Brief von Mutter gestern erhalten und daraus vernommen, daß Euch Alois besucht hat. Wußte er nicht ob er schon bald wieder einrücken muß? Mit dem Urlaub geht’s hier nicht gut, es werden schon hie und da beurlaubt, aber dann nur die, die am längsten im Felde stehen. Was meine Gesundheit anbelangt bin ich ganz zufrieden, kann mich nicht beklagen. Von Franz Josef hab ich auch eine Karte erhalten, an welcher Front steht er eigentlich? Bekannte hab ich gar keine hier. Ich schließe mit vielen Grüßen an Euch und alle Euer dankschuldiger Sohn Tone

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13.1.1916 Res.Spital Mehrerau - Alois Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Vor allem anderen die aufrichtigsten Glück- und Segenswünsche zu Eurem Namenstage. Möge Euch der lb. Gott nur noch recht viele Jahre gesund erhalten. Die Eltern sind doch immerhin das kostbarste Gut, das ein Kind nur haben kann, und speziell in dieser schweren Zeit.

Gestern besuchte ich die Familie Jörg. Hat mir recht gut gefallen dort. Sind recht nette Leute. Man hat mir recht fein aufgewartet.

Habt Ihr von Franz noch keine Adresse? Wundert mich wo denn der hingekommen ist.

Meine Glückwünsche nochmals wiederholend grüßt Euch herzlich Euer dankschuldiger Sohn Alois.

P.S. Da ich mir noch verschiedenes angeschafft habe, und mein Geldbeutel deshalb die Schwindsucht bekommen hat, bitte ich Euch um etwas Geld.

19.1.1916 Bregenz - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Teile Euch mit, daß bei uns gestern ausgemustert wurde. Viele gehen wieder an die Front. Mir ging es auch nah daran, aber ich habe mich tüchtig gewehrt. Werde in Bälde in ein Rekonvaleszentenheim kommen. Herzl. Grüße Alois

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27.1.1916 Bregenz - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern,

Teile Euch kurz mit, daß ich morgen von hier abreise. Wohin weiß ich noch nicht. Jedenfalls ziemlich weit von hier.

Lebt wohl!

Herzl. grüßend Alois

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27.1.1916 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschw.

Karte und Paketle erhalten, wofür ich herzlich danke, konnte das Zeug gut brauchen hatte gerade Husten und Kathar. Hab jetzt wieder mehr Zeit zum schreiben, weil wir jetzt Reserve sind, waren 14 Wochen in Stellung 25 – 2800 m hoch. Es grüßt Euch alle herzlich Tone

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6.2.1916 Lambach - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Habe das Geld erhalten, wofür ich Euch bestens danke. War mir nicht angenehm Euch schon wieder um Geld bitten zu müssen. Habe allerdings etwas mehr gebraucht als unumgänglich notwendig gewesen wäre, aber wenn man bedenkt, wie teuer heute alles ist, so ist es auch zu begreifen wie geschwind ein Haufen Geld verbraucht ist. Ich habe das Geld ja nicht alles unnötig verklopft; ich habe mir noch verschiedene notwendige Sachen angeschafft. Ich werde jedoch in Zukunft so sparsam leben wie möglich, um Euch nach Möglichkeit weitere Auslagen zu ersparen. Bitte Euch also um Verzeihung, daß ich Euch so viele Kosten gemacht habe.

Könnte jetzt in die Chargenschule gehen, aber ich weiß nicht soll ich, oder nicht. Zur Marine hätte ich auch können, aber ich möchte nicht ohne Euer Wissen handeln.

Meinen innigsten Dank nochmals wiederholend grüßt Euch herzl. Euer dankschuldiger Sohn Alois

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8.2.1916 Lambach - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Meine lb. Eltern!

Mutters Brief vom 4. Feb. erhalten. Habe selbst schon daran gedacht, den Koffer von Lorenz zu beheben. Da ich aber jedenfalls noch Urlaub bekomme, möchte ich bis dorthin warten, damit ich dann den Koffer selbst mit nach Haus nehmen könnte.

Betreffend der Urlaubsgesuche, möchte ich noch folgendes bemerken: Wenn Ihr mir noch keines gemacht habt, braucht Ihr mir auch keines mehr zu machen, denn es sind inzwischen wieder andere Verordnungen eingetreten, welche auch ohne Gesuch immer Urlaub ermöglichen. Sollte ich aber trotzdem keinen kriegen, nun dann muss es halt anders auch wieder gehen.

Heute besuchte ich das erstemal die Chargenschule. Ging ganz gut.

In der Hoffnung, daß Euch dieser Brief alle gesund antreffe, grüßt Euch herzl. Euer dankschuldiger Sohn Alois.

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8.2.1916 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern und Geschw.!

Die Karte von Theres erhalten. Ihr schreibt mir ich soll Euch schreiben, hab Euch vor 10 Tagen eine Karte geschrieben. Paketle hab ich nur 2 erhalten, das eine mit Käse und eines mit Bärendreck und Gerstenzucker. Von Götes Emma hab ich gestern auch Landjäger erhalten. Franz Josef hab ich auch geschrieben, ich weiß nicht was das ist mit der Post.

Es grüßt euch herzlich Tone

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16.2.1916 Lambach - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Bin heute im Magazin gewesen wegen Montour. Da wurde mir gesagt, daß sie schon oft, durch Eure Schreiben ermahnt, nachgeschaut haben, aber bisher das Sakie noch nicht gefunden haben. Man versicherte mir, nächstens noch einmal genau nachschauen zu wollen, u. wenn sie es gefunden haben, sofort an Euch abzusenden. In dem Magazin herrscht ein furchtbarer Wirrwarr.

Auf baldiges Wiedersehen Euer Alois

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19.2.1916 im Feld - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschw.!

Endlich komm ich dazu Euch einige Zeilen zu schreiben. Hab das Paketle und die Karte schon längst erhalten, hab nur keine Zeit gehabt zum schreiben. Ihr müsst Euch nämlich nicht vorstellen, daß es in der Reserve so fein ist. Da heißt’s arbeiten und Proviant tragen in … (zensuriert) … Es grüßt Euch alle herzlich Euer Sohn und Bruder Tone

Bitte schickt mir Spielkarten, denn in Stellung können wirs brauchen.

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23.2.1916 im Feld - Anton Winkel an die Mutter in Reuthe

Liebe Mutter!

Deine Karte und Paketle mit Freuden erhalten, herzlichen Dank dafür, hab Euch gestern eine Karte geschickt, mit der Bitte mir Spielkarten zu schicken. Von Götes Gebhard hab ich keine Post erhalten. Mit Urlaub geht es ziemlich schwer und im Frühjahr … (zensuriert) … dann gibt’s so wie so keinen mehr.

Viele Grüße von Tone

("Götes Gebhard" = Gebhard Wüstner, Bezau, Greben 242 - geb. 28.11.1895, gest. 3.2.1979)

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28.2.1916 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern!

Muß Euch noch eine Karte senden jedenfalls die letzte aus den Dolomiten, gehen nämlich die nächsten Tage weg von hier, wohin, ist mir ein Rätsel, entweder ins Südtirol oder an Isonzo zur Offensive. Habe mehrere Bekannte getroffen, darunter Brogers Vere, Hagers Michel der zweite und Sutters Michel.

Herzlichen Gruß Tone

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4.3.1916 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschw.

Gestern 2 Paketle erhalten, meinen herzlichen Dank, haben schon einen Jasser gemacht. Von Alois hab ich die Karte auch erhalten. Der Kerl hat Glück den ganzen Winter im Hinterland. Sonstige Neuigkeiten weiß ich keine. Herzlichen Gruß an Euch alle Tone

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5.3.1916 im Feld - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.

Die beiden Paketle erhalten, und auch die Karte von Mutter. Ihr müsst verzeihen wenn ich nicht öfter schreibe, über das was hier vor geht, darf man gar nichts schreiben und sonst weiß ich nichts. Hauptsache ist Gesundheit. Es grüßt Euch alle herzlich Tone

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19.3.1916 Wimbsbach - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Teile Euch mit, daß ich in einigen Tagen von hier abreise. Bin ganz gern hier, sind lustige Kollegen beieinander. Gestern haben wir wieder den Fahneneid geleistet.

Haben recht schönes Wetter gegenwärtig. Schwitzen muss man schon den ganzen Tag.

Herzl. Grüße Alois

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20.3.1916 - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.

Endlich komm ich wieder einmal dazu Euch einige Zeilen zu schreiben, hab von Euch auch schon ziemlich lange nichts mehr gehört, ist halt eine kleine Stokung auf der Post. Wir haben jetzt eine andere Feldpost Nr. nämlich 323. Ich schließe mit vielen herzlichen Grüßen Tone

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24.3.1916 Lambach - Alois Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.

Lb. Eltern, Gott sei Dank habe ich die ?? überstanden. Nun frißt er halt wieder, mit frischem Mut voran. Mein zukünftiger Aufenthalt ist mir noch ein Rätsel. Sobald ich näheres weiß, werde ich Euch berichten.

Mit tausend Grüßen Euer dankschuldiger Sohn u. Bruder Alois

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25.3.1916 Wimsbach - Alois Winkel an die Familie in Reuthe

Lb. Eltern!

Ist doch endlich die Natur in Schwung gekommen. Ich bin den Herren einmal anders hinein gefahren. Da haben sie gelernt suchen.

Jetzt sind wir keinen Tag unser sicher, wann wir fort müssen.

Herzl. grüßend Alois

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29.3.1916 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern und Geschw.!

Vor allem grüße ich Euch alle recht herzlich, ich bin gesund und munter, was ich von Euch allen auch hoffe. Ich habe von Euch schon lange nichts mehr erhalten, bekomme überhaupt keine Post jetzt. Hab gestern Baschan aus Bersbuch getroffen, einen schönen Gruß von ihm. Ich schließe mit vielen Grüßen Tone

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1.4.1916 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschw.!

Muß es endlich noch einmal versuchen, was ist denn mit Euch, hab schon 4 Wochen nichts mehr gehört von Euch. Ihr werdet hoffentlich gesund sein wie ich es auch von mir sagen kann. Hab gestern wieder mehrere Bekannte getroffen, darunter auch Rösles Gebhard. Von Alois hab ich gestern auch eine Karte erhalten. Es grüßt Euch alle herzlich Tone

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11.4.1916 im Felde - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.!

Muß nun endlich einmal fragen was es denn mit Euch ist, daß ihr nichts von Euch hören lasset. Hoffentlich ist alles gesund und munter was ich auch von mir sagen kann. Neues kann ich Euch nichts schreiben, weil man doch nichts schreiben kann. Es grüßt euch alle herzlich Tone

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22.4.1916 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.!

Eure beiden Paketle gestern abend mit Freuden erhalten, meinen herzlichsten Dank dafür, die Sachen schmecken mir tadellos. Ich hab einmal um Kerzen geschrieben, schickt mir lieber einen Wachsrodel weil er kleiner ist. Herzliche Grüße von Eurem Tone

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30.4.1916 im Felde - Anton Winkel an die Familie in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschw.!

Weil heut weißer Sonntag, und so schönes Wetter ist, so muß ich euch ein Kärtchen senden. Gestern das Paketle mit den Kerzen erhalten, Danke vielmals dafür. Von Bäsle Katharina hab ich auch ein Päkle bekommen. Vielleicht komm ich bald auf Urlaub. Herzliche Grüsse an Euch alle Tone

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5.5.1916 - Anton Winkel an die Eltern in Reuthe - letzte Karte von Anton

Liebe Eltern u. Geschw.!

Die Karte von Theres hab ich erhalten auch die Paketle alle drei, meinen herzlichsten Dank. Joko Anton ist auch in meiner Nähe, treffen uns öfters. Wie geht’s denn Franz Josef und Alois, wo sind sie denn? Zündhölzer und Schmirgelpapier könnt ich brauchen. Hier ist es noch saumäßig kalt, spüren also vom schönen Mai noch wenig. Viele herzliche Grüße an Euch alle Tone

 

Vermerk auf der Karte (wahrscheinlich von der Mutter):

„Letzte Karte vom lieben unvergesslichen Toni“

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13.5.1916 - Alois Winkel an die Familie in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Teile Euch mit, daß ich schon wieder meinen Aufenthaltsort gewechselt habe. Bin der Front bedeutend näher gerückt. Wird jedenfalls nicht mehr allzulange dauern bis ich zur Front komme. Dann werden wir den Italienern gemeinsam an den Leib rücken. Befinden den Verhältnissen angemessen. An Gewicht bedeutend verloren; aber man ist ja schließlich nicht zum mästen da. Herzl. Grüße v. Sohn u. Bruder A. Winkel

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20.5.1916 Innsbruck - an Vater Anton Winkiel

Anton Winkel heute gestorben. Beerdigung 22. Mai 2.30h Nachmittag.

Klinisches Reservespital Innsbruck

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Anton Winkel

Anton Winkel, geboren in Reuthe, Hof 2 - Als 3. Sohn gefallen im 1. Weltkrieg mit 20 Jahren, gestorben in der Klinik in Innsbruck an den Folgen eines Kopfschusses - Anton rückte am 15.4.1915 nach Trient ein und kam zur Grenzsicherung nach Südtirol. 23.5.1915 Kriegserklärung Italiens, bis 4.10.1915 Isonzofront; bis 23.1.1916 im Pustertal. Nachher Maioffensive bei Folgaria (Pioverna) und wurde am 15.5.1916 bei einem Sturmangriff durch Kopfschuß schwer verwundet. Kam ins Spital nach Innsbruck, wo er am 20.5.1916 starb und im Soldatenfriedhof beerdigt wurde - Kaufmann Oswald: "Kriegschronik Reuthe 1914-1918", Seite 87

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24.5.1916 - Lotte Winkel, Innsbruck, an Familie Anton Winkel in Reuthe über Tod von Pius

Liebe Verwandte!

Vor allem unser innigstes Beileid zu dem schweren Verluste, den Ihr erlitten habt! Heute erst haben wir Euren lb. Brief erhalten, der uns den Tod Eures lb. Sohnes Anton anzeigte. Natürlich sind wir sofort in das Klinische Reserve Spital gegangen und hielten Nachfrage. Die Spitalsverwaltung hatte gerade auch einen Brief von Euch bekommen. Wir haben es dann übernommen Alles zu berichten was man erfahren kann. Es kommen ja so schrecklich viele Anfragen an das Spital, dass es der Verwaltung unmöglich ist alle gleich zu beantworten.

Ich war heute selbst im Spital und habe mit den Schwestern die Euren Sohn pflegten gesprochen. Er hatte einen schweren Kopfschuss! Zuerst war er noch bei Besinnung und wurde mit den hl. Sterbsakramenten versehen. Die Schwestern haben noch mit ihm gesprochen, 4 oder fünf kamen her, und sagten sie hätten ihn so gern gehabt er wäre so nett gewesen. Einige Zeit vor seinem Tode verlor er die Besinnung. Sie sagten Alle er hätte eigentlich einen leichten Tod gehabt. Versehen mit den hl. Sterbsakramenten war er, Schmerzen hatte er jedenfalls keine mehr und er war auch nicht mehr beim Verstand um zu fühlen, dass er sterben musste. Wir wären so gerne zur Beerdigung Eures lb. Anton gegangen er wurde aber schon am 22.5. begraben. Auf dem Soldatenfriedhof, der draußen beim Garnisonsspital ist wurde ihm das Kreuz gesteckt. Morgen gehen wir hinaus und beten ein paar Vaterunser und geben ihm das Weihwasser. Da liegen noch viel Krieger draußen und kommen jeden Tag viele hinaus! Trösten kann Euch, dass er als Held in getreuer Pflichterfüllung für sein Vaterland gestorben ist. Bitter ist es ja einen jungen hoffnungsvollen Menschen zu verlieren und die Angehörigen sind immer tief zu bedauern. Es tut uns leid dass wir gar nicht davon wussten, dass Euer lb. Sohn in Innsbruck im Spital lag. Es kommen aber jeden Tag hunderte von verwundeten Soldaten von der Südfront! Jeden Tag sterben auch viele, hin und wieder liest man einen in der Zeitung, aber lange nicht Alle stehen darin. Wenn Ihr uns den Tod Eures Sohnes nicht mitgeteilt hättet, wir hätten nur durch einen Zufall davon erfahren können. Die Spitalsverwaltung wird nicht mehr schreiben, weil weiter nichts mehr zu berichten ist. Nochmals im Namen meiner lb. Angehörigen drücke ich das tiefste Beileid aus!

Mit besten Grüßen
Eure Base Lotte Winkel

(Anmerkung: Lotte Winkel war die Tochter von Lorenz Winkel, geboren in Oberbezau 168, und die Schwester von Dr. Herbert Winkel - siehe Sterbebilder unten)

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25.5.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern u. Geschwister!

Soeben erfahre ich durch Hochwdg. Herrn Pfarrer, daß Bruder Anton am 20. Mai gefallen ist. Gott gebe ihm den Frieden. Mich hat das nicht gar so arg erschreckt, denn ich hatte schon längst eine Ahnung v. Kommenden. Der Krug geht eben so lange zum Brunnen bis er bricht. Ja meine lb. Eltern! Da wird einem das Herz wie ein Stein, wenn man das alles mitmachen muss. Doch viel härter noch als mich wird es Euch ankommen. Ich bin wirklich schon ganz abgestumpft, und eine Träne ist mir bald etwas fremdes, und das liebste wäre mir dort zu sein wo meine drei Brüder sind. Was wird mir schließlich auch anderes beschieden sein. Ich ahne, und meine Ahnungen täuschen mich selten. Wie wird mein lb. altes Mütterlein sich wieder grämen und kränken über diesen Verlust, und der greise Vater muss das alles auch noch erleben.

Doch meine Lieben tröstet Euch es gibt ja einmal ein Wiedersehen an einem anderen Ort.

In der Erwartung bald näheres zu erfahren grüßt Euch Euer danksch. Alois

Mein innigstes Beileid Euer Bekannter Hans Meusburger

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8.6.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Besten Dank für die zwei Paketle und Karte. Bin recht froh um die Sachen. Hätte noch ganz gern ein paar Sacktüchlein. Ich habe in der gelben Komode in meiner Kammer einige Zigaretten-Etuis. Schicket mir das gelblederne davon, aber nicht das silberne.

Wann steckt man Tonen s`Kreuz? Mir geht’s soweit gut. Bin zufrieden.

Tausend Grüße v. Sohn u. Bruder Alois

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21.6.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Zwei Paketle erhalten. Ist mir recht wenn Ihr mir alle Wochen etwas schickt. Kanns gut brauchen. Morgen werde ich Euch einen längeren Brief senden. Bin zufällig auf dem Pivenna Alta auf welchem Tone verwundet wurde. Näheres morgen. Herzl. grüßend Alois

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27.6.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Bin jetzt beim Regiment. Geht mir gut. Bitte meine neue Adresse zu beobachten. Herzl. Gruß Alois

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29.6.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Gedachte heute auch meines lb. Bruders Tone im Gebet. Waren viele Leute bei der Kreuzsteckung? Wie schade, daß er nicht mehr hier ist, jetzt könnten wir so schön beieinander sein. Habt Ihr meine letzten Schreiben erhalten wo ich Euch mitteilte, daß ich auf jenem Berg war auf welchem Tone verwundet wurde? Gruß Alois

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2.7.1916 - Alois Winkel an Bruder August in Reuthe

Lieber Bruder!

Wirst schon entschuldigen, daß ich Deinen letzten Brief erst heute beantworte, aber wenn Du meine Einrichtung sähest würdest Du es auch ganz gut begreifen, daß ich manchmal lange warten lasse, denn erstens muss ich am Bauch liegend schreiben, und zudem mußte ich heute einigemale schleunigst fliehen, weil die Italiener immer Granaten auf mich herschossen? Also nicht besonders gemütlich zum Schreiben.

Sendet mir gelegentlich einen Bogen Schmirgelpapier. Herzl. Grüße an alle v. Bruder Alois

 

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15.7.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Lb. Eltern!

Heute seit drei Wochen wieder die erste Nachricht v. Euch erhalten, 2 Briefe v. 2.7. u. 4.7. Wundert mich daß Ihr jenen Brief in dem ich bezüglich Tones Tod schrieb nicht erhalten habt. Hab Göte u. Bäsle Anna ebenfalls davon berichtet. Fragt mal nach ob selben erhalten. War allerdings etwas vielsagender Inhalt. Paketle mit Bäckerei, Zucker, Landjäger, Sacktücher u. etc. erhalten. Herzl. Grüße v. Alois. Brief folgt

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17.7.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Meine lieben Eltern u. Geschwister!

Gott sei dank bin ich wieder einige Tage außer Gefecht. Ihr werdet wohl wieder Kummer gehabt haben, weil so lange kein Schreiben mehr von mir eingelangt war. Leider war es mir in den letzten Tagen unmöglich, denn wir standen ununterbrochen dicht an dem Feind und kämpften auf Tod und Leben. Ja meine Lieben: Wer hier lebend davon kam, der muss offenbar von höchster Seite Schutz gehabt haben; denn sonst wäre es nicht mehr möglich gewesen. Ich habe in Galizien (Karpathen) auch hitzige Schlachten mitgemacht, aber noch furchtbarer als jene waren diese letzten Tage. Aber trotzalldem hielten wir wacker stand und machten es den Schweinehunden trotz wiederholter Versuche ganz unmöglich auch nur einen Schritt vor zu kommen. Für unsere tapferen Leistungen sind wir nun in großer Anzahl zur Tapferkeitsmedaille eingegeben worden, auch ich soll dabei sein. Völlig wahnsinnig sind wir bald alle gewesen, von den furchtbaren, einfach nicht zu beschreibenden Feuer der Welschen Bagage.

Am meisten kränkt es mich daß ich meine besten Kameraden alle verloren habe, teils verwundet, u. teils tot. Wie gesagt, ich hätte für mein Leben keinen Heller mehr gegeben.

Ist die Feldpost noch nicht offen? Hab immer Zündholzmangel, Briefpapier u. Feldpostkarten sollte ich auch notwendig haben. Rüschers Michle Hans ist am 13. Juli v. einer Handgranate am rechten Aug leicht verwundet worden.

Kann von Glück reden. Ich würde ihm gleich tauschen.

Seid Ihr bald fertig mit heuen? Hat es viel Heu gegeben?

Hier hat es massenhaft Alpenrosen, aber kalte Winde fegen über dieses Gebirge, so daß man sich schon bald wieder um Winterwäsche schauen muss.

Hat Tone etwas gezogen aus der Kriegsverschreibung?

In der Hoffnung, daß Euch dieser Brief alle gesund antreffe, grüßt herzlich Euer dankschuldiger Sohn u. Bruder Alois

 

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18.7.1916 - Alois Winkel an Bruder Jakob

Lieber Bruder!

Die aufrichtigsten Glückwünsche zum Namenstage sendet Dir Dein Bruder Alois.

Hast du auch fest gemäht? Sage den anderen, ich erhalte sehr wenig Nachricht, ob sie meine Post nicht kriegen. Ich schreib ja oft.

21.7.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Meine Lieben!

Staunen mußte ich wirklich, als ich gestern v. Euch zwei Karten erhielt, durch die Ihr mir mitteilt, daß Ihr schon einige Wochen keine Nachricht mehr von mir erhalten habt. Seit dem 21. Juni hab ich zum mindesten zehnmal an Euch geschrieben, u. hoffe auch, daß Ihr mittlerweile in dessen Besitz gelangt seid.- Mit tausend Grüßen an Euch alle Euer danksch. Sohn Alois

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23.7.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Meine Lieben!

Wie es jetzt den Anschein hat, will bei unserer Feldpost jetzt doch wieder eine bessere Funktion eintreten. Hab gestern wieder einen Brief v. Mama v. 16.7. erhalten. Jenen Brief in dem ich Näheres von Tone mitteilte hab ich am 23. Juni schon abgesandt, aber die Zensur wird sich über dessen Inhalt auch ein wenig interessiert haben. War schon etwas deutlich. Bitte sendet mir doch Papier u. Karten, kann sonst nicht mehr schreiben. Wenn Paket nicht geht in Couverts. Einfach einige Couvert, in jedes einige Stück hinein u. wie einen Brief absenden. Das geht, aber möglichst bald.

Indessen herzl. Grüße v. Alois

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1.8.1916 - Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Soeben hörte ich, daß die Feldpost 323 wieder offen sei. Jedenfalls werdet Ihr es schon wissen. Sogar große Pakete sollen gehen. Wenn Ihr mir was sendet, legt auch ein Hemd, 1 Paar warme Socken bei. Sonst wißt Ihr schon was mein Herz u. Magen begehrt, Eine Tafel Cokolade hätte ich auch gern. In freudiger Erwartung Euer dankschuldiger Alois

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6.8.1916 - Letzter Brief von Alois Winkel an die Eltern in Reuthe

Meine lb. Eltern u. Geschwister!

Das war gestern ein Freudentag, als Euer Paket ankam. Das ist wirklich so schnell hergegangen wie ein Brief. Danke viel tausendmal für all die guten Sachen. Da werde ich jetzt eine Zeit lang in Saus u. Braus leben. Ich dachte mir schon oft es ist doch gut wenn man noch Eltern hat, denn über gute Eltern geht ja nichts. Erst wenn einem mal recht schlecht geht, dann lernt man erst deren Wert recht schätzen. Wenn ich das Glück habe heimzukehren, dann werde ich Euch dafür auch Dank wissen.

Möchte Euch ferner noch auf etwas aufmerksam machen. Ich werde mich nämlich an einem besonderen Unternehmen beteiligen. Bitte Euch aber deswegen keine Sorgen zu machen. Bis dieser Brief in Eurem Besitz ist, wird es jedoch schon längst vorüber sein. Ist alles gelungen, und ich mit dem Leben davongekommen, dann werde ich Euch gleich benachrichtigen. Ich vertrau jedoch auf Gott, u. sehe dem Kommenden mit größter Ruhe u. Siegeszuversicht entgegen.

Also meine Lieben, seid bis dahin unbesorgt, es muss gelingen.

Mit tausend herzl. Grüßen an Euch Alle v. eurem dankschuldigen Sohn u. Bruder Alois

Karten v. Anna u. Mama v. 30. Juli erhalten. Besten Dank

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Alois Winkel, geboren in Reuthe, Hof 2 - Musterzeichner - Als 4. Sohn gefallen im 1. Weltkrieg mit 23 Jahren (vermisst) - Alois rückte Mitte Okt. 1914 nach Trient ein und kam zu Weihnachten an die Front gegen Rußland nach Galizien. Kam am 29.7.1915 an den ital. Kriegsschauplatz (Küstenland in Selo); am 5.10.1915 ins Pustertal; 26.11. Schulterschuß - kam ins Spital nach Bregenz. 30.1.1916 nach Lambach, Juni 1916 Südfront Pasubiogebiet; schrieb am 6.8.1916 zum letzten Mal und gilt seither als vermißt - gesetzlich erklärter Todestag 1.3.1919 - Kaufmann Oswald: "Kriegschronik Reuthe 1914-1918", Seite 83

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31.8.1916 - Georg Hefel, Feldkirch, an Anton Winkel in Reuthe

Sehr geehrter Herr Winkel!

Erlaube mir heute an Ihnen, Herr Winkel, die Bitte zu richten, ob Sie nicht die Güte hätten, mir von Ihrem lieben Sohn Alois die Adresse  … sein Aufenthaltsort bekannt geben möchten.

Ich war nämlich stets bei Ihrem Sohn Alois, gingen dann als beste Freunde am 11. Juni an die Südfront ab, wo ich dann aber alsbald, zum großen Glück; wie man schon sagen muß; am rechten Ober- sowie Unterarm durch einen italienischen Gewehrschuß verwundet wurde, am 15. Juni deshalb leider von meinem liebsten Alois, den ich mehr als einen Bruder liebte, traurigen Abschied nehmen musste. Hat mir stets leid getan ihn zu verlassen. Weilte dann noch kurze Zeit in verschiedenen Spitälern, erfuhr dann am 29. Juni zu meiner größten Freude, daß ich mit dem nächsten Transport nach Feldkirch, also in meine Heimat überführt werde.

Glücklich, …. unverhofft von meinen Lieben Eltern, Schwester hier angekommen, so wurde ich dann inniger Freude begrüßt. Gleich am anderen Tag erhielt dann meine Schwester Hanni von Alois einen längeren Brief, worin er meinen Lieben meine Verwundung schilderte. Sehr erfreut über dessen Zeilen überbrachte sie mir’s gleich ins Spital, welches auch mir noch die größten Freuden bereiteten. Hanni beantwortete dann noch am selben Tage dankbarst daßelbe Schreiben, später dann noch meinen Wunsch befolgend, einige Karten, deren Antwort ich aber stets vergeblich erwartete, es blieb alles still, nur die letzte Karte, welche sie sandte, kam mit dem Vermerk „retour Spital“ zurück. Ich erhielt aber noch vor cirka drei Wochen eine Karte von einem Freund, welcher in der Reg.Stabsküche beschäftigt ist, auf welcher sich Alois mit dem Bemerken, daß Loisl ein größeres Unternehmen vorhabe, unterschrieb.

Also „geehrtester Herr Winkel“ ersuche Sie nun nochmals höchst freundlich, lassen Sie mich nicht allzu lange deren Bitte warten, indem ich fürchte in Bälde wieder ins Hinterland verschoben zu werden. Sehe derselben dankbarst entgegen, zeichne mit vorzüglichster Hochachtung, als unbekannt Georg Hefel, ebenfalls von meiner Mutter, Schwester Hanni.

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13.9.1916 - Familie Ammerer, Taxenbach, an Anton Winkel in Reuthe

Werter Herr Winkel!

Erlaube mir einige Zeilen an Sie zu richten. Möchte Sie recht freundlich ersuchen, mir Auskunft betreffs Ihres lieben Sohnes Loisl zu erteilen. Waren 4 Wochen hier in Kaserne, und hat uns dann öfter geschrieben und jetzt schon längere Zeit nicht mehr. Können auch von seinen Kollegen nichts erfahren.

Bitte nochmals um gütige Auskunft.

Grüße erlaubt sich Familie Ammerer, Bahnhofsrestauration Taxenbach, Salzburg

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16.9.1916 - Tiroler Kaiserjäger an Anna Fröis, Bezau

In Beantwortung Ihrer Karte vom 8.9.1916 wird Ihnen mitgeteilt, daß Jäger Winkel, Alois, 1890/1914, zuständig in Reuthe-Bregenz, Vorarlberg, am 12. 8. 1916 mit einer Verwundung an der linken Hand an den Regiment-Hilfsplatz abgegangen ist. Wohin er von dort abgeschoben wurde, ist h.o. nicht bekannt.

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18.9.1916 - Armin Rüf an Anton Winkel in Reuthe

Geehrter Herr Winkel!

Wie Ihnen bekannt sein dürfte, hat Ihr Sohn, ein guter Freund zu mir, am 10. August an einem Unternehmen teilgenommen, und dürfte als Verwundeter in ein Spital gekommen sein, nach Aussage seiner Kollegen. Trotz meiner öfteren Nachfrage u. Erkundigungen habe ich bis heute noch keine Nachricht erhalten. Ist Ihnen vielleicht schon etwas bekannt wo er sich befindet? Sobald mir etwas Bestimmtes bekannt wird werde ich Ihnen verständigen. Mit Achtungsvollem Gruß Armin Rüf

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19.9.1916 - Adam Metzler an Frau Winkel zum Adler

Werte Frau Winkel

Kann Ihnen leider nichts Genaues mitteilen von Eurem Sohn Alois. Habe wohl einige gefragt, alle sagen er ist verwundet ins Spital abgegangen. Mit dem Rechnungsunteroffizier kann ich nicht sprechen, denn ich weiß nicht wo er sich befindet. Aber bitte, sobald der Alois aus dem Spital schreibt, mir seine Adresse bekannt machen.

Herzl. Gruß Adam

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1.10.1916 - Anton Winkel an Batallionskommando

An das k.u.k. Baons-Kommando!

Erhielt auf meine Anfrage vom 29.8.1916 betreff meines Sohnes Alois Winkel Kaiserjäger im 3ten Reg. 14. Feldkomp. Feldpost No. 323 geb. 1893 eingerückt Oktober 1914 noch immer keine Antwort und ersuche ich daher nochmals höflichst, mir mitzutheilen, wo? und in wasfür einem Spital sich derselbe befindet? Da wir seit 6. Aug. 1916 von ihm selbst keine Nachricht mehr erhalten, uns aber, auf Anfrage bei der Komp. vom Herrn Oberleutnant mitgetheilt wurde, daß derselbe am 12.8. als verwundet an den Regiments-Hilfsplatz abgegangen sei, wohin er von dort abgeschoben worden, sei Ihm unbekannt.

In Erwartung baldiger Erledigung meiner Bitte zeichnet achtungsvollst Anton Winkel z. „Adler“, Reuthe b. Bezau Bregenzerwald, Vorarlberg.

K.u.k. Ersatz-Bataillon des 3. Regimentes der Tiroler-Kaiser-Jäger, Lambach, Ob.-Öst., am 5. Oct. 1916, Transenenabteilung
Zur Nachforschung. (Spitalsevidenz. G.R. 6. Oct. 1916

Transenenabteilung … am 7. Okt. 1916
Ers.Baonskmdo
Bis heute ist hier kein Nachrichtenstreifen eingelangt.

K.u.k. Ersatz-Bataillon des 3. Regiments der Tiroler-Kaiser-Jäger… 10. Oct 1916
Gemeindeamt Reuthe b/Bezau
Zur gfl. Verständigung der Partei, daß der Spitalsaufenthalt des … bis nun hierorts nicht bekannt wurde.

Gemeinde-Vorstehung Reuthe
Wird der Partei zur Kenntnisnahme übermittelt.
Reuthe, am 16. Oktober 1916, J. Feurstein

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8.11.1916 - Chefarzt Rössler an Herrn Anton Winkel

Jgr Alois Winkel hat den Reg. Hilfsplatz nicht sattiniert, alles was ich erfahren konnte war, daß er am 12. Aug. mit einer Verwundung an der l. Hand die Stellung verlassen hat. Ich werde meine Nachforschungen fortsetzen u. das Resultat bekannt geben. Ergebenst W. Rössler

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13.11.1916 - Reg. der Tiroler Kaiserjäger an Anton Winkel

Weitere Erhebungen haben zu keinem Resultat geführt. Jgr. Alois Winkel hat weder den Batallions- noch den Regimentshilfsplatz passiert.

Ergebenst W. Rössler

 

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5.12.1916 - Rotes Kreuz an Josef Steurer, Pfarrer in Reuthe

Auskunfts-Bureau Rotes Kreuz Wien

An den hochwürdigen Steurer Josef, Pfarrer in Reuthe, Post Bezau

Wien, am 5. Dezember 1916

Im Nachhange unserer Zuschrift vom 24. Nov. 1916 wird diensthöflich mitgeteilt, daß h.a. gemeldet ist:

Winkel Alois, Jäg., TJR rd r3, Komp 14, geboren 1893 Vorarlberg, Bregenz, Reuthe, verwundet.

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7.12.1916 - Rotes Kreuz an Pfarrer Josef Steurer in Reuthe

Auskunfts-Bureau Rotes Kreuz, Wien

An den hochwürdigen Herrn Steurer Josef, Pfarrer, in Reuthe, Post Bezau

Wien, 7. Dezember 1916

Im Nachhange unserer Mitteilung vom 24. Nov. 1916 wird diensthöflichst mitgeteilt, daß in den hieramtlichen Ausweisen eine Neumeldung eingelangt ist u.zw.

Winkel Alois, TJRrd 3, Komp 14, Vorarlberg, Bregenz, Reuthe 1893, verwundet. Verlustliste 491 vom 17.11.1916 - Weitere Meldungen werden bei Einlangen ohne neuerliche Anfrage sofort mitgeteilt werden.

23.12.1916 - Tiroler Kaiserjäger an Pfarrer Josef Steurer

K.u.k. 3. Regiment der Tiroler Kaiserjäger

Josef Steurer, Reuthe, Vorarlberg

Beim Rgte. ist nur bekannt, daß Jg. Winkler Alois am 13.8.1916 verwundet wurde.

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10.3.1917 Innsbruck - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Berichte Euch, daß wir in Innsbruck gut angekommen sind und hier einige Tage verbleiben. Hernach geht’s nach Lambach. Zugeteilt dem 3. Jägerregiment.

Herzliche Grüße sendet Euch allen Euer Sohn und Bruder Hermann.

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14.3.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Endlich am Ziele angelangt nach vielem hin und her aber doch alles gut gegangen. Der Koffer ist schon etwas leichter geworden mußten meistens von unserem Essen leben, müßt mir aber noch lang nichts schicken. Sind heute schon ausgerückt hat uns gut gefallen. Herzliche Grüße send Euch allen Euer Sohn Hermann.

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17.3.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Endlich kann ich Euch einmal richtige Aufklärung geben über mein Befinden, ist jedoch nicht das glänzenste, da geht’s nämlich bloß auf Kommando anders wollen sies nicht. Am 13. sind wir hier in Stadlpaura angekommen abends und gleich hat man uns in Kaisers Rock gesteckt am andern Tag gabs zum flicken und putzen und hernach zum ausrücken. Menage ist so wie sie ist, morgens schwarzen Kaffee oder Suppe, aber alles halt wie es beim Militär ist Schmalhans ist hier Koch wenn man nicht immer zum zulegen hät so müßt einer kurjos Hunger haben. Mit tuts schon noch eine Zeit lang aber sparen muss man sakrisch hier ist nämlich alles sehr teuer.

Wenn Ihr mir etwas schickt, so schickt mir Zucker und Käs das ist mir das liebste. Sonst bin ich so ziemlich gesund und munter was ich auch von Euch allen hoffe. Sonst wird so alles im alten sein? Was hört man vom Kriege? Geht’s noch nicht bald aus? Von Alois habe ich noch nichts erfragt. Bei mir sind Galles Ludwig und Himelestones Bub. Lepoldo Hermann ist in Innsbruck von uns gekommen wohin weiß ich nicht. Zündo Josef ist minder tauglich und ist wieder nach Innsbruck gekommen. Ich bin bei der Präsentierung felddiensttauglich gesprochen worden.

In der Hoffnung daß Euch dieser Brief gesund antrifft grüßt Euch alle herzlich Euer Sohn und Bruder Hermann.

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17.6.1917 Steyr - Hermann an Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Vor allem andern muss ich Euch berichten daß ich die 50 K. mit Freuden und bestem Dank erhalten habe, es hätte nicht müßen soviel Geld sein ich wäre mit halb soviel auch zufrieden gewesen. Aber ich hab jetzt eine schöne Zeit Geld genug. Das Paketle mit Käs hab ich auch erhalten sowie das Kistle vom 4.6. wofür ich Euch nochmal Dank sage, auch habe ich vom Egger Vorsteher eine Gesuchsbestätigung erhalten mit welcher ich morgen zum Rapport gehe ich will gern sehen was der Oberleutnant sagt, ob er mich weg tut von der Marsch oder ob er mich für abschlägig erklärt-. Sind jetzt gänzlich ausgerüstet und gehen wahrscheinlich am Mittwoch ab von hier. Den Koffer werde ich auf der Post senden mit den Blechdosen und der Winterwäsche und sonstigen Artikeln. Morgen haben wir Beichte und Beeidigung. August soll mir schreiben wie es in der Unteralp ausgeschaut hat, wie wär ich so gern selbst mitgegangen. Wie geht Euch mit dem heuen, macht Ihr recht gutes Heu.

Heute vormittag haben wir gemeinsamen Kirchgang gehabt und da hat uns der Pfarrer eine schöne Predigt gehalten zum Abschied von der Heimat und hat besonders die Tiroler Kaiserjäger hervorgetan durch Ihren Mut und Ihre Ausdauer und Tapferkeit.

Dies wird wahrscheinlich mein letztes Schreiben sein von hier aus, drum Lebet alle wohl bis ich Euch wieder schreibe aus einem anderen Weltteil, nun seid alle recht herzlich gegrüßt von Eurem dankschuldigen Sohne u. Bruder Hermann.

Aufs Wiedersehen.

18.3.1917 Lambach - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Aus Lambach senden aus dem Kreise einer Gruppe Bregenzerwälder die besten Grüße

Hermann Winkel, Kaspar Zünd, Franz Xaver Meusburger Bizau, Gebrüder Moosbrugger Schoppernau, Josef Ludwig Moosbrugger Ellenbogen, Vettergrüße von Eurem Vetter Albert Innauer

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19.3.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Bin genötigt zu Papier und Bleistift zu greifen, denn der hungrige Magen läßt mir keine Ruhe er murrt und knurrt Tag und Nacht. Hier schauts nämlich schlecht aus mit dem Essen aber halt leider nichts schreiben sonst gibt’s Rapport und das andere folgt. Gestern haben wir Wälder Abschied gefeiert aber großartig wir haben nämlich nur Tee gehabt. Seid so gut und sendet mir ein Kistchen aber recht bald. Fleisch hab ich noch das meiste aber Käs Butter Zucker und Brot hab ich fast keines mehr wir fassen nur einen halben per Tag und das ist grad soviel als ich zu Hause abends zum Kaffee gegessen habe und hier soll man drei Mahlzeiten haben daran. Sonst ist es grad schon zum aushalten scharfes Kommando, Gehorsam und Pünktlichkeit ist des Soldaten Pflicht und Schuldigkeit.

Indessen seid herzlich gegrüßt von Eurem Sohn und Bruder Hermann.

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28.3.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Mutter in Reuthe

Liebe Mutter!

Nochmals ein Brieflein an meine liebe Mutter, denn ich hab im letzten Brief so manches noch vergessen was ich zu wünschen hätte. Sind die Karten wo wir uns fotografieren lassen haben noch nicht gekommen, wenn schon so schickt mir eine die andern könnt Ihr aufbewahren. Habt Ihr von mir schon ziemlich Post erhalten ich schreibe halt alle andern Tag nach Haus. Anna hat mir gestern eine Karte geschrieben sonst hab ich noch gar keine Post erhalten. Schreibt mir hie und da eine Karte oder ein Brieflein damit ich weiß wie es bei Euch zu und hergeht. Jakob und Johanna sollen auch was hören lassen. Schickt mir auch hie und da ein Kistchen je mehrmal je lieber hier kann mans schon brauchen, ich weiß schon daß Ihr nichts übriges habt aber sendet was Ihr mangeln könnt hauptsächlich Zucker und Käs wenn Ihr bekommt schickt mir einmal fetten auch Insutt verschmäh ich nicht, ich käme den Sommer gern heim zum helfen heuen möchte arbeiten was wär wenn ich nur dem Hungerschwindel abkäme. Wenn ich jetzt heim käme könntet Ihr mich fast nicht mehr erfüttern so hungrig bin ich. Sonst kann ich mich schon drein schicken in das exerzieren die Chargen sagen ich sei einer von den besten und habe Anspruch auf die Chargenschule. Der Oberjäger bei dem ich bin hat gesagt er habe den Lorenz gut gekannt er sei ein tapferer Held gewesen der habe kein weichen gekannt sie waren beisammen am Sauflusse er sagt es wurde Tag und Nacht furchtbar gekämpft. Sendet mir einmal in einem Musterpaket einige Dutzend Briefmarken 10 u. 15 h ich muss sonst alleweil Briefmarken kaufen. Geld sendet mir so rasch wie möglich meine Bekannten haben alle schon Pakete und Geld erhalten von zu Hause. Was habt Ihr für Wetter könnt Ihr nicht bald auslassen aper ist es hier überall und ein bissl grün aber immer ein kalter Wind geht in dem Sauloch. Laßt mir alles schön grüßen wer mir nachfragt – August wird noch bei Batles sein hab ihm auch geschrieben er soll mir etwas schicken wenn er was hat. Indessen sendet Euch u. den Geschwistern die herzlichsten Grüße Euer dankschuldiger Sohn und Bruder Hermann

 

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13.4.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Ihr werdet wohl denken ich sei narrisch da ich schon wieder um etwas zu essen bitte, aber mein Gott mit einem solchen Kistl ist es gerade ob man einen Bettler in die Hölle werfe. Haben diese Woche 3 Tage kein Brot bekommen und etwas muss man essen sonst ermacht man es nicht. Die andern sagen ich habe mich schon bedeutend gebösert. Um etwas Geld tät ich Euch auch bitten wir lassen uns abphotographieren denn wir kommen schon bald hinaus ins Feld. Lepoldo Hermann hat mir auch geschrieben u. schreibt die Menasch sei bei Ihnen nicht so schmal. Der Oberjäger sagt immer im Feld bekomme man viel mehr zu essen als im Hinterland er geht mit dem nächsten Marsch wahrscheinlich hinaus. Indessen seid herzlich gegrüßt von Eurem dankschuldigen Sohne Hermann.

(Anmerkung: Lepoldo Hermann = Hermann Kaufmann, Reuthe, Baien, 24.10.1899 - 16.5.1966)

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13.4.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Gestern das Kistel und die 2 Karten von Euch mit großer Freude und besten Dank erhalten. Das Kistel war in bester Ordnung und der Inhalt hat mich riesig gefreut. Schwester Anna hat mir vor 3 Tagen auch eine Kiste geschickt mit 1 ½ Weggen 1 Kilo Käs und 1 Kilo Zucker ist mir sehr recht gewesen daß sie mir Brot geschickt hat haben gestern eine Marschierübung gehabt und zugleich Gefechtmarsch mit voller Ausrüstung 32 km weit das war ein Stand bei dieser fürchterlichen Hitze schier zum kaputt werden. Dabei ist mir das Brot und der Käs sehr zugute gekommen. Hab gelesen daß Ihr schon 8 Kühe habt bekommt Ihr noch mehr? Rautzokalbel hat eine schönes Geld geschlagen! Arbeit und Gras glaub ich daß Ihr jetzt genug habt aber ich glaub daß Ihr auch ein bissl anständiges Wetter habt. Hier haben wir jetzt immer schönes Wetter ein Tag-schöner wie der andere. Was machen die Kälber sind recht groß und fressen sie schon Gras möcht sie gern einmal sehen. Seid so gut und macht mir wenn Ihr diesen Brief erhalten habt ein Urlaubsgesuch und sendet es mir gleich dann könnte es sein daß ich 14 Tage heim könnte. Briefmarken und Faden schickt mir auch man bekommt hier absolut keinen Faden.

Am 1. Juni kommen wir wahrscheinlich mit der 29. Marschkompanie ins Feld ist mir aber gleich mehr Hunger haben müssen wir nicht als wie hier. Sonst bin ich immer gesund was ich von Euch allen auch hoffe. Nochmals herzlichen Dank für die Kiste und grüße Euch alle recht herzlich Euer Sohn u. Bruder Hermann!

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23.4.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Heute Euer Paketle erhalten welches mich riesig freute weil so ein guter Butter drinnen war. Hat Euch Päklers-Hans den Brief mit den zwei Photographien gebracht, hoffentlich schon. Er war bei mir im Kloster einquartiert. Den Brief in dem ich Euch um Geld geschrieben werdet Ihr auch erhalten haben. Neuigkeiten weiß ich keine schließe nun und seid herzlich gegrüßt von Eurem Sohne Hermann.

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24.4.1917 Reuthe - Bruder Jakob Winkel an Bruder Hermann

Lieber Bruder!

Die Mutter hat gestern ein Kistchen abgesandt. Du sollst das Honigglas wenn Du es leer hast waschen und dann mit dem Koffer schicken. Morgen geht’s ins Schwabenland. Schreibe mir auch. Du wirst die Adresse vom Loränzler schon wissen. Lebewohl aufs Wiedersehn. Es grüßt Dich Jakob.

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1.5.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Muss Euch wieder einmal ein Brieflein schreiben zum Zeichen daß ich immer gesund und munter bin was ich von Euch allen auch hoffe. Jetzt haben wir sehr schönes Wetter was hoffentlich bei Euch auch der Fall sein wird, das Gras ist schon ziemlich groß und die Halmfrucht wächst alle Tage bedeutend. Bablers Engelbert hat mir geschrieben Ihr habt aufgefüttert aber ich glaub daß es nicht wahr ist. Wieviel hat Rauzokalbel gewogen und wieviel hat man bezahlt fürs Kilo? Gestern ist eine Alarmkomp. zusammengestellt im Fall daß irgendwo Feuer ausbricht daß man nur alarmieren muss. Tagwach machen wir uns jetzt immer um ½ 7 und um ½ 8 Uhr morgens zur Schonung der Mannschaft sie sehen es jetzt schon ein da ihnen einer nach dem andern ins Marodenzimmer gegangen ist. Kisten kommen alle Tage furchtbar viel besonders den Lustenauern die hier sind. Es sind hier sehr wenige die nicht alle Wochen 1-2 Kistl kriegen aber sie können es alle brauchen wie ich auch.

In der Hoffnung daß Euch dieser Brief gesund antrifft grüße ich Euch alle herzlich Euer Sohn und Bruder Hermann.

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4.5.1917 Hohenems - Ambros Fröis an die Familie Winkel in Reuthe

Werte Familie!

Leider konnte ich trotz meinem Bemühen vom k.u.k. Kriegsministerium über den Verbleib Ihres Sohnes Alois nur folgendes erfahren.

Nach den Aussagen eines Jägers wurde er am 13. Aug. zum Hilfsplatz geführt. Letzter, der behauptete, daß er Alois geführt habe, ist aber einer Lawine zum Opfer gefallen und er kann nun nimmer mehr, ob sich dieses wirklich zugetragen, gefragt werden, daß das vielleicht auf einem Irrtum beruht, indem er vielleicht einen anderen Winkel meinte, beweist die Nachforschung bei den noch lebenden Kameraden seiner Kompanie (14.) diese geben an: daß Alois bei der Sturmaktion auf Cosmagnon (Pasubio) am 9. August schon teilnahm und dabei nicht mehr zurückkam.

Wir wollen annehmen, daß er wahrscheinlich verwundet in Gefangenschaft geriet und nicht, wie man Euch sage, in einem „Krüppelhaus“ liege, das allen Angehörigen verschlossen bleibt.

Solche Häuser gibt es nicht.

Nur wenn einer phantasiert und im Sterben liegt, werde niemand oder nur der Vater zugelassen. Sollte angeführte Annahme nicht stimmen, so wird er auf dem Transport bei den Ital. gestorben sein und nicht bei uns, da sonst jemand etwas wüßte.

Die Nachforschungen werden weiter gepflogen.

Gruß Fröis Ambros, k.k. Leutnant

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21.5.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Es fährt nun wieder ein Wälder in Urlaub und da will ich ihm einen Brief für Euch mitgeben. Es handelt sich nämlich um einen Urlaub und zwar gerade nicht um einen langen aber möchte ihn doch ausnützen. Wir könnten also Urlaub haben 5 Tage mit 4 Reisetagen also im ganzen 9 Tage müßten aber für die 9 Tage 100 Kronen Kriegsanleihe zeichnen die Fahrt wird einem hin und her vom Ärar vergütet die Kriegsanleihe kann man zeichnen wo man will nur muss beim Einrücken vom Urlaub die Bestätigung vorgewiesen werden. Ich möchte Euch darum bitten daß Ihr mir meine Bitte nicht für übel habt ich möchte nämlich noch sehr gern in Urlaub vor wir mit der Marsch weggehn.

Wenn Ihr mir die Bitte erfüllt so schickt mir gleich etwas Geld damit ich die 17 Kronen welche man vor Abgang einzahlen muss bezahlen kann und schreibt mir auch einen Brief ob ich kommen soll oder nicht. Dieser Tage wird die Marschkompagnie zusammengestellt und ich glaube daß es uns auch trifft, drum möchte ich so gern noch einmal nach Hause zu meinen Lieben in der Heimat, sollte es mich nicht treffen zur Marsch so gibt es nachher vielleicht einen längeren Urlaub ich werde Euch es gleich berichten wie es für mich ausgefallen ist.

Also macht nach Eurem Besserdünken nur berichtet mir gleich welches.

Also seid herzlich gegrüßt von Eurem dankschuldigen Sohne Hermann.

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24.5.1917 Stadl-Paura - Hermann Winkel an Schwester Johanna in Reuthe

Liebe Schwester!

Deine Karte heute erhalten aber das Geld und die Wäsche noch nicht. Ein Paket habt Ihr mir noch keines abgeschickt, hab einmal keins bekommen. Bin Gottlob nicht zur Marsch eingeteilt bisher bin froh. Für das Geld danke ich meinen Eltern recht herzlich Gott lohne es Euch. Von Bruder Franz demnächst die Adresse. Habt Ihr die Kühe noch haben sie sich jetzt gebessert. Meine Landsmänner fahren jetzt die meisten auf Enthebung heim. Viele Grüße von Bruder Hermann

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1.6.1917 Winsbach - Hermann Winkel an Schwester Theresia in Reuthe

Liebe Schwester!

Muss Dir auch einmal eine Karte schreiben damit Du weißt wo ich bin. Sind heute nach Lambach und nach Winsbach gegangen von wo aus wir nach Steyr fahren. Werde dann sofort schreiben wenn wir dort angekommen sind wir fahren erst nachts um 10 h von hier weg damit wir bei dunkler Nacht die Quartiere beziehen können warum später. Heute haben wir wieder etwas auszustehen nichts essen den ganzen Tag marschieren.

Herzlichen Gruß Hermann

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2.6.1917 Steyr - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe (zensuriert)

Liebe Eltern u. Geschwister!

Sind nun in der neuen Garnison angelangt nach 16stündiger Fahrt und sind in einer Industriehalle einquartiert in sehr schönen Zimmern auch die Gegend ist schön nur nicht in die Ortschaft hinein darf man. Sind jetzt die 1. Marschkompanie die wieder weg geht, schaut nur daß das Gesuch bewilligt wird damit ich einmal diesem Schwindel abkomme. Denkt Euch jetzt sind wir am 31.5. von Stadl-Paura weg und jetzt ist es mittags um 1 Uhr und noch kein Brot und keine Menage gefaßt, habe folgedessen das Kistl samt dem Geld sozusagen aufgebraucht und wäre mir schon sehr lieb wenn Ihr mir etwas senden würdet.

ZENSIERT

….das Koffer haben wir müssen in Stadl-Paura lassen, durften nichts mitnehmen als wie was wir am notwendigsten brauchten. Laßt mir die Nachbarn alle schön grüßen sie sollen auch etwas hören lassen. Hab die letzten 14 Tage nur 3 Stück Post bekommen. Also nochmals schickt mir gleich etwas ist gleich was.

Schließe nun mein Schreiben mit vielen herzlichen Grüßen Euer dankschuldiger Sohn und Bruder Hermann.

Das Gesuch sollte halt bald bewilligt werden.

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17.6.1917 Steyr - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Vor allem andern muss ich Euch berichten daß ich die 50 K. mit Freuden und bestem Dank erhalten habe, es hätte nicht müßen soviel Geld sein ich wäre mit halb soviel auch zufrieden gewesen. Aber ich hab jetzt eine schöne Zeit Geld genug. Das Paketle mit Käs hab ich auch erhalten sowie das Kistle vom 4.6. wofür ich Euch nochmal Dank sage, auch habe ich vom Egger Vorsteher eine Gesuchsbestätigung erhalten mit welcher ich morgen zum Rapport gehe ich will gern sehen was der Oberleutnant sagt, ob er mich weg tut von der Marsch oder ob er mich für abschlägig erklärt-. Sind jetzt gänzlich ausgerüstet und gehen wahrscheinlich am Mittwoch ab von hier. Den Koffer werde ich auf der Post senden mit den Blechdosen und der Winterwäsche und sonstigen Artikeln. Morgen haben wir Beichte und Beeidigung. August soll mir schreiben wie es in der Unteralp ausgeschaut hat, wie wär ich so gern selbst mitgegangen. Wie geht Euch mit dem heuen, macht Ihr recht gutes Heu.

Heute vormittag haben wir gemeinsamen Kirchgang gehabt und da hat uns der Pfarrer eine schöne Predigt gehalten zum Abschied von der Heimat und hat besonders die Tiroler Kaiserjäger hervorgetan durch Ihren Mut und Ihre Ausdauer und Tapferkeit.

Dies wird wahrscheinlich mein letztes Schreiben sein von hier aus, drum Lebet alle wohl bis ich Euch wieder schreibe aus einem anderen Weltteil, nun seid alle recht herzlich gegrüßt von Eurem dankschuldigen Sohne u. Bruder Hermann.

Aufs Wiedersehen.

27.6.1917 Steyr - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Endlich komme ich wieder dazu Euch einige Zeilen mitzuteilen. Bin jetzt wieder in der Industriehalle immer noch bei der Marsch. Wir sind nämlich 60 Mann zurück geblieben weil wir nicht abgeschossen hatten und gehen nun jetzt am ..(zensiert) ins Feld. Was ist denn mit meinem Gesuch ist es noch nicht bewilligt vom Landeskulturrat es hätte nämlich jetzt höchste Zeit weil ich jetzt noch enthoben würde, später gehts nicht mehr. Schwester Anna hat mir ein Paket abgeschickt am 13.6. habe es aber noch nicht erhalten bisher, es wird wahrscheinlich verloren gegangen sein. Wenn mir das Gesuch nicht bewilligt ist so bin ich froh daß ich bald ins Feld kann, denn die Hinterland-Hockerei hab ich schon furchtbar dick alle Tage den gleichen Schmarren und dabei nichts zu fressen da möchte man schon ich weiß nicht lieber was tun. Seid Ihr schon gut dran mit heuen und habt Ihr gutes Wetter? Ist Felderles Hansmichel immer noch im Brand ich habe ihm schon zirka ein Dutzend Schreiben abgehen lassen aber noch keine Antwort erhalten. Schreibt mir auch wieder einmal ein Brieflein!

Schließe nun mein Schreiben mit vielen herzlichen Grüßen Euer dankschuldiger Sohn Hermann.

8.7.1917 - Hermann Winkel an Schwester Johanna in Reuthe

Liebe Schwester!

Deinem Brief vom 3.7. am 7.7. richtig erhalten und danke Dir recht herzlich für ihn. Habe gelesen daß Floras Kalb erfallen ist schade um das schöne Tierchen. Ist Bruder Franz noch hier im Urlaub oder ist er schon wieder fort, am Dienstag dampfen wir auch ab von hier, wohin ist mir unbekannt. Ein Paket erwarte ich noch hier auf die Fahrt wäre es mir sehr willkommen. Das 2.te Gesuch wird wahrscheinlich auch abschlägig kommen. Nun sei herzlich gegrüßt von Bruder Hermann.

12.7.1917 Innsbruck - Hermann Winkel an die Familie in Reuthe

Die herzlichsten Grüße von der Durchreise sendet Euch aus Innsbruck

Euer Sohn Hermann

23.7.1917 im Feld - Hermann Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Kann Euch nun mit Freuden berichten daß ich das Paket gestern erhalten habe wofür ich Euch herzlich Dank sage. Der Inhalt war noch in gutem Zustand. Die 2 Feldpostpaketle hab ich noch nicht erhalten. Seid Ihr alle gesund u. munter und wie geht’s mit der Heuernte habt Ihr schon bald alles unter Dach. Mit geht soweit ganz gut nur die Enthebung sollt ich jetzt dann bald bekommen. Einen herzlichen Gruß an Euch alle sendet Euer dankschuldiger Sohn Hermann.

27.7.1917 - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Komme nun endlich dazu Euch einige Zeilen zu schreiben und hoffe Euch in bester Gesundheit die herzlichsten Grüße bieten zu können. Vor allem andern bin ich gesund und munter was hier die Hauptsache ist, geht mir immer ganz gut, trotzdem es hin und wieder größere Übungen gibt. Letzte Woche war ich mit auf Patrolle und erreichten eine Höhe von beinahe 3000 m hat mir sehr gut gefallen auf den hohen Bergen, wir waren3 Offiziere, 1 Zugsführer, 1 Patrollführer und 9 Jäger im ganzen 14 Mann sind alle wieder gesund und wohl zurück gekommen. Wie steht es mit meinem Alpgesuch ist erledigt oder nicht, schaut daß es bewilligt wird denn jetzt ist es höchste Zeit, es fahren nächster Tage wahrscheinlich wieder einige Enthobene weg. Das Kistel habe ich erhalten wie ich Euch bereits schon mitgeteilt habe. Ein klein wenig Geld schickt mir auch aber es hat keine Eile und ein Paket mit Wäsche. Fußlappen Socken und Hemd u. Unterhose. Neuigkeiten wird es bei Euch auch nicht viele geben wie hier auch. Ist Franz Josef wieder eingerückt, was hat er für eine Adresse? August soll auch wieder einmal etwas hören lassen.

In der Hoffnung daß Euch dieses Schreiben gesund antrifft grüße ich Euch alle recht herzlich Euer dankschuldiger Sohn Hermann.

30.7.1917 - Hermann Winkel an die Mutter in Reuthe

Liebe Mutter!

Im Anfang meines Schreibens seid mir herzlich gegrüßt. Bin gesund was ich von Euch auch hoffe. Sendet mir sofort eine Garnitur Winterwäsche u. eine Garnitur Sommerwäsche, halt von beiden Sorten Hemd u. Gattl. Brief und Karten werdet Ihr erhalten haben. Schwester Anna hat mir heute auch geschrieben. Die Wäsche sendet mir sofort. Mit vielen herzlichen Grüßen schließe ich mein Schreiben Euer Sohn Hermann.

30.7.1917 - Hermann Winkel an die Mutter in Reuthe

Liebe Mutter!

Habe Euch gestern eine Karte geschrieben aber dabei etwas vergessen, ich hätte nämlich so gern eingesottene Butter sowie Kümmel Pfeffer und die gewünschte Wäsche, nämlich die 2 Garnituren schickt mir aber noch ziemlich gute Wäsche und recht bald. Die eingesottene Butter sendet mir in einer Blechdose am liebsten wäre es mir, wann Ihr ihn ablassen würdet weil er weniger verdirbt. Die Post und Pakete sind in 2-3 Tagen immer hier. Brief folgt später. Nun die herzlichsten Grüße von Eurem dankschuldigen Sohn Hermann

30.7.1917 Cavedago - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Will Euch nun einmal mitteilen wie es hier steht und wie es mir gefällt. Vor allem andern bin ich immer gesund und munter was die Hauptsache ist, sonst ist es hier halt auch wie überall, zu wenig Menasch u. Brot wie überall, ich sag nicht daß hier das Essen nicht schlechter und weniger ist als wie beim Kader, aber dafür müssen wir hier mehr arbeiten und große beschwerliche Märsche machen. Wein bekommen wir jetzt nur noch all 8 Tage ½ l so ist uns schon abgezogen worden. Wir fassen auch hin und wieder einmal Marmelade und Ölsardinen aber da trifft es einem immer nur einen Löffel voll und da meinen sie wunder was sie einem damit für eine Freude machen. Schlaf gibt’s hier auch wenig wir haben oft Nachtübungen und da gibt es immer sehr wenig Schlaf wann um 4 Uhr schon wieder Tagwache wird. Mit dem Hunger geht’s jetzt gerade schon, essen tät man natürlich noch viel aber man leidet sich halt auch mit den andern.

Übermorgen geh ich in den Sturmkurs nach Leviko zu einer 4wöchentlichen Ausbildung hoffe daß es mir dort gut geht und gesund wieder davon komme. Wir kommen nach der Ausbildung zum Regiment ins Feld, hoffe aber zuvor auf einen kurzen Urlaub.

Es hat im Kompaniebefehl geheißen man soll nicht um Pakete heim schreiben damit die daheim es eher glauben daß wir es hier gut haben. Die 2 Karten werdet Ihr erhalten haben auf welchen ich Euch um Wäsche, Kuhschmalz Kümmel u. Pfeffer gebeten habe. Schickt mir diese Sachen recht bald. Sonst mit dem Pakete senden macht wie Ihr wollt, wann Ihr mir etwas sendet ist mir auch recht und sonst ist mirs auch gleich. In der Hoffnung daß ich auch bald einmal persönlich Euch grüßen kann unterzeichnet sich dankbarst Euer Sohn Hermann

2.8.1917 - Hermann Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Sind nun gut angekommen bei unserem Sturmkursbaon und werden auch gleich anfangen üben. Es ist hier eine öde Gegend, denn es ist kein Zivil mehr hier, in einer so großen Ortschaft macht es einen düstern Eindruck. Doblers Hermann hab ich am herfahren getroffen er kam soeben aus dem Sturmkurs er sieht gut aus. Sonst gefällt es mir wie überall nirgends besser als wie zu Hause und da lassen sie mich nicht hin. Herzlichen Gruß von Hermann

Schickt mir ein Kistchen hier her.

5.8.1917 - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Die herzlichsten Grüße aus dem Sturmkurs sendet Euch allen mit bester Gesundheit Euer dankschuldiger Sohn Hermann.

8.8.1917 - Hermann Winkel an die Mutter in Reuthe

Liebe Mutter!

Nun was ist mit meinem Gesuch ist es bewilligt worden oder nicht, bitte schreibt sofort habe schon lange keine Post mehr erhalten. Seid Ihr mit der Heuernte fertig. August soll mir einmal etwas von der Ökonomie schreiben oder der Vater. Schickt mir auch wieder einmal ein großes Kistchen kann schon eines brauchen. Was gibt’s Neues bei Euch? In der Hoffnung auf baldige Antwort grüßt Euch alle Euer Sohn Hermann.

10.8.1917 - Hermann Winkel an Bruder August in Reuthe

Lieber Bruder!

Deine Karte vom 7.8. gestern und den Brief von der Mutter vom 6.8. am 8.8. mit bestem Dank und Freuden erhalten. Schreibe mir einmal einen Brief über Ökonomie und deine Leistungen den Sommer hindurch. Auf die Musterung freue Dich nur nicht so sehr, sei froh wenn sie Dich nicht behalten es wird wohl genug sein mit 6 es wird nicht der 7te auch noch dabei sein müssen. Das Paket mit Wäsche u. Geld noch nicht erhalten. Bitte schickt mir gleich ein Kistchen kann schon eins brauchen. Mit den Kälbern habt Ihr wirklich kein Glück heuer. Nun sei herzlich gegrüßt von Deinem Bruder Hermann.

10.8.1917 - Hermann Winkel an Bruder Jakob in Reuthe

Lieber Bruder!

Deine Karte vom 7.8. gestern und den Brief von der Mutter vom 6.8. am 8.8. mit bestem Dank und Freuden erhalten. Schreibe mir einmal einen Brief über Ökonomie und deine Leistungen den Sommer hindurch. Auf die Musterung freue Dich nur nicht so sehr, sei froh wenn sie Dich nicht behalten es wird wohl genug sein mit 6 es wird nicht der 7te auch noch dabei sein müssen. Das Paket mit Wäsche u. Geld noch nicht erhalten. Bitte schickt mir gleich ein Kistchen kann schon eins brauchen. Mit den Kälbern habt Ihr wirklich kein Glück heuer. Nun sei herzlich gegrüßt von Deinem Bruder Hermann.

11.8.1917 - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern u. Geschwister!

Kann Euch mit Freuden mitteilen daß ich das Geld und Paket erhalten habe wofür ich Euch recht herzlich Dank sage. Im Paket habe erhalten 2 Hemden, 2 Hosen, 3 Paar Fußlappen, Feldpostkarten, Fleisch, Butter, Käs, Landjäger Kümmel u. Pfeffer. Ihr werdet wohl denken was ich mit dem Butter anfange aber da wird gebraten nach Herzenslust da kann ich mir den Magen wieder einmal einfetten. Ich bekomme von Trient Kartoffeln und da brate ich mir immer zum Kaffee. Die Fußlappen sind tadellos und die Wäsche auch. Schickt mir nach dem 22.8. kein Paket mehr hieher weil der Kurs dann aus ist und ich jetzt noch nicht weiß wohin wir kommen. Mit dem Paket bin ich wirklich sehr zufrieden und kann Euch nicht genug danken dafür, Butter schickt mir noch einmal eine Büchse ich werde Euch diese dann wieder schicken wann sie leer ist, bitte schickt mir den Butter aber recht geschwind, sonstige Sachen könnt Ihr mir schicken was für Ihr wollt mit Ausnahme von Käs.

Seid Ihr fest am Ohmat heuen, wann Ihr solches Wetter habt wie wir so macht Ihr tadelloses Heu. Habt Ihr Milch genug von den 2 Kühen.

Also nochmals bestens dankend grüßt Euch alle aufs innigste Euer Sohn und Bruder Hermann.

17.8.1917 - Hermann Winkel an die Mutter in Reuthe

Liebe Mutter!

Euere Karte vom 12.8. und einen Brief vom 29.7. gestern mit Freuden und bestem Dank erhalten. Heute feiern wir unseres geliebten Monarchen Geburtstag deshalb frei. Hier beging man diesen Tag ganz feierlich, hatten eine Feldmesse und am Abend vorher einen Fackelzug mit Gesang. Wann man ein tüchtiges Kistchen gehabt hätte, so hätte man diesen Tag können leben.

Herzliche Grüße von Eurem Sohne Hermann.

19.8.1917 - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Im Anfange meines Schreibens seid mir herzlich gegrüßt. Habt Ihr meine Post alle erhalten aus dem Sturmkurs, bleibe weil ich mich freiwillig zum Sturmbattallion gemeldet habe noch zirka 2 Monate hier und bin wenigstens kugelsicher. Möchte Euch darum bitten mir ein Urlaubgesuch zu senden und zwar Ernteurlaub kann möglich sein daß ich einen kleinen Urlaub bekomme. Der erste Kursus ist jetzt aus und da geht halt gleich der zweite an und in der Zeit gibt es schon Urlaub. Was schreibt Bruder Franz und wo ist er, schickt mir seine Adresse damit ich ihm auch wieder einmal schreiben kann. Jetzt werdet Ihr schon bald fertig sein mit Ohmad heuen, hat es auf Kohlerstuk viel Heu gegeben. Ich kann Euch dann helfen das Obermoos heuen. Daß ich das Paket u. Geld erhalten habe, hab ich Euch schon berichtet. Sonst weiß ich gerade nichts zu schreiben und schließe nun mit vielen herzlichen Grüßen Euer dankschuldiger Sohn Hermann.

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25.8.1917 - Hermann Winkel an die Mutter in Reuthe

Liebe Mutter!

Euern lieben Brief vom 21.8. heute erhalten und sage Euch herzlichen Dank dafür. Habt habt ganz recht gehabt daß Ihr mir nichts geschickt habt, sendet mir jetzt auf diese Adresse das Kistchen, jetzt bekomme ich es schon. Bleibe nun vorläufig noch mehrere Wochen hier und hoffe daß es mir gut geht. Ein Urlaubsgesuch werdet Ihr mir senden. Herzlich grüßend verbleibe ich Euer dankschuldiger Sohn Hermann.

4.9.1917 im Felde - Hermann Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Die herzlichsten Grüße aus der Stellung in vollster Gesundheit sendet Euch Sohn Hermann.

Jetzt….wir dem Tiger…(Zensiert)

Lebet wohl aufs Wiedersehn.

11.9.1917 - Hermann Winkel an die Eltern in Reuthe

Liebe Eltern!

Habe endlich wieder einmal Zeit Euch eine Karte zu schreiben. Vor allem andern kann ich Euch mitteilen daß ich gesund u. glücklich von der Aktion zurück gekommen bin und hoffe daß es auch immer so weiter gehen wird. Post hab ich schon lange keine mehr erhalten, überhaupt von gar niemandem etwas. Nun seid alle aufs herzlichste gegrüßt von Eurem dankschuldigen Sohn Hermann

29.9.2017 - Hermann Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Teile Euch mit daß ich das Paket mit Freuden erhalten habe und Euch herzlich Dank sage dafür. Hätte Euch schon lange geschrieben aber der Postverkehr war eingestellt. Ich werde nicht mehr lange hier sein kommen weg, wohin bisher noch unbekannt. Nun seid herzlich gegrüßt von Eurem Sohne Hermann.

10.11.1917 Innsbruck - Franz Winkel? an Vater in Reuthe

Lieber Vater!

Heute ist bei uns der Erlass herausgekommen, daß Urlaub erteilt werden können auf Angabe von Gründ, da ich aber immer noch beim Marschzug zugeteilt bin und dieser Zug keinen Anspruch hat, so möchte ich es mit einem Gesuch versuchen, bei welchem ihr mir behilflich sein können. Drum bitt ich Euch recht herzlich, mir ein ähnliches Gesuch, wie früher nach Steiermark, hierher zu machen. Ich hoff das beste.

Bin jetzt schon eine Woche krank, geht aber bis in ein paar Tagen schon wieder. Anton hat mir vor einer Woche auch geschrieben. Er ist gesund und Langeweile hat er. Alois schreibt mir nie, habe gestern beiden geschrieben.

Die Karte von Schwester Theres habe ich erhalten, wofür ich ihr herzlich danke. Beim Vetter Lorenz war ich schon wieder öfters. Läßt Euch auch immer grüßen, und will nächsten Sommer, wann der Krieg zu Ende ist, Euch einmal auf Besuch kommen. In der Hoffnung, daß ihr diesem meinem Wunsche entgegen kommst, schließe ich mein Schreiben und verbleibe Euer dankschuldiger Sohn. Grüße an Mama und Geschwister

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15.11.1917 im Felde - Letzter Brief von Hermann Winkel an den Vater in Reuthe

Lieber Vater!

In bester Gesundheit sendet Euch die herzlichsten (Grüße) Euer dankschuldiger Sohn Hermann!

Eviva la Offensiva granda!

(letzter Brief von Hermann!)

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16.12.2017 - Alois Lechthaler, aus Sibratsgfäll

Werte Familie,

als guter Kollege muß ich Ihnen heute auf den Brief vom 19.12. Nachricht schreiben, daß mein guter Freund Hermann Winkel am 21. Nov. gefallen ist. Leider … ich weiß daß es schwer ist für eure Familie, schon der 5. Sohn müsste aber keine Sorge haben, hat einen schnellen Tod gehabt. Wollen ihn im Gebet nicht vergessen, ist mein bester Freund gewesen, seid wir zum Sturmbatallion gekommen. Ich werde euch vielleicht einmal aufsuchen, wenn ich in Urlaub komme. Bin aus Sibratsgfäll …

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3.2.1918 - Militärseelsorge

Euer Wohlgeboren,

teile Ihnen die traurige Nachricht mit, daß Hermann Winkel des 3. Regimentes am 23. Nov. 1917 auf dem Coldella/Italien, den Heldentod gefunden hat. Seine Leiche dürfte wohl jetzt geborgen worden sein. Empfangen euer Wohlgeboren den Ausdruck meines tiefsten Beileides.

Eberhard

4.2.1918 - Franz Winkel an den Vater in Reuthe

Meine Lieben!

Bin dankender Besitzer von Mutters Karte in welcher Sie mich fragt betreffs Urlaub. Muss euch leider mitteilen, daß ich von meiner Abteilung aus noch wenigstens 9 bis 10 Monate keinen Urlaub erhalten kann, in dem hier Leute sind, was schon 16 bis 17 Monat keinen Urlaub hatten. Am einfachsten wird es sein, nochmals ein Gesuch, dann komm ich bestimmt.

Sollte Hermanns Kreuzsteckung sein, warts auf mich, so kann ich doch wenigstens einem meiner lieben Brüder die letzte Ehrung und Geleite geben.

Grüsse Euch alle herzlich

Franz